Megami Tensei IMAGINE Online

  • Plattform: PC
  • Release: 12.2006 (J)

Seit ein gewisses MMORPG von Blizzard Spieler im zweistelligen Millionenbereich – Tendenz steigend – in seinen Bann zieht, haben es die Dutzenden an kleineren Spiele des Genres wesentlich schwerer, Fuß fassen zu können. Besonders wenn sie monatliche Gebühren kosten. MegaTen Online geht da den gleichen Weg, den viele dieser Spiele eingeschlagen haben und lockt damit, dass es kostenlos ist. Keine monatlichen Gebühren und den Spiel-Client kann man sich auch kostenlos runter laden. Finanzieren tut sich das Spiel, wie so häufig bei free to play MMOs, über spezielle Items, die man nur gegen richtiges Geld kaufen kann, die aber für das Vorankommen im Spiel nicht zwingend notwendig sind.

Ich und MMORPGs führen eine eigenartige Beziehung. Alle Jubeljahre bekomme ich aus dem Nichts plötzlich Lust, mal wieder eines zu spielen. Meistens wird es mir dann aber nach wenigen Wochen schon wieder langweilig und ich beende es. Bisher konnten mich nur 3 für eine gute Anzahl an Monaten halten: Ragnarok Online, Final Fantasy XI und zuletzt von Juli bis November 2007 Megami Tensei Online.

Story ist noch nie der Schwerpunkt von MMORPGs gewesen. Bei manchen besteht sie sogar nur aus einem kurzen Absatz auf der offiziellen Homepage, während man im Spiel nichts von ihr mit bekommt. Andere benutzen zumindest einen halbwegs interessanten Storyrahmen, um wichtigen Quests einen roten Faden zu geben. MegaTen Online setzt einem nach der Charaktererstellung auch erst Mal einen kurzen Abriss der Hintergrundgeschichte vor. Und das sind eigentlich die Serien-üblichen Grundlagen: Dumme, ausgetrickste Menschheit, ein wenig Mystik, ein bisschen Apokalypse und das Erwachen der Überlebenden in einem postapokalyptischen Tokyo, in dessen Ruinen sich Dämonen eingenistet haben. Während des Spielverlaufs gibt es zwar auch noch weitere Storyquests, die bringen aber nur marginal mehr auf den Tisch. In dem knappen Jahr, die das Spiel nun offiziell raus ist, sind diese nämlich nur bis Act 12 gekommen, von denen 1-7 gerade mal die Ausbildung zu einem Devil Buster und 8-12 die ersten mit pseudo-mysteriösem Gebrabbel begleiteten Missionen bestehen. Diese werden zwar von vielen Cutscenes begleitet, viel wirkliche Information kommt aber nicht bei rum.

Die Charaktererstellung wirkt erst einmal begrenzt. Es gibt zwar eine ordentliche Anzahl an Einstellungsmöglichkeiten für das Aussehen, aber keine verschiedenen Rassen oder Berufe zur Auswahl. Die gibt es so gesehen im Spiel auch gar nicht, ob man sich auf Frontangreifer, Distanzschützen, Magier oder eine Mischung spezialisiert, hängt ganz davon ab, welche Statuswerte man beim Level up erhöht und welche Skills trainiert werden. Denn jeder Charakter kann alle Skills. Welche man leveln will, stellt man selbst ein und verstärkt sie dann per Gebrauch. Um keine Supercharaktere zu erstellen, die einfach alles können, ist die maximale Anzahl an Skillpunkten, die aufgebraucht werden können, allerdings begrenzt. Leider ist das Spiel schlecht ausbalanciert und favorisiert gewissen Skillungen. Wer auf Magier oder Schützen-Magie-Hybrid levelt hat ein relativ leichtes Spiel mit den Gegnern, vor allem wenn man die elementaren Schwächen auszunutzen weiß und kann durchaus auch einige Solorunden drehen. Ein rein physischer Nahkämpfer muss da schon etwas bedachter vorgehen und wird ohne eine Gruppe sowieso nicht weit kommen.

Das besondere Gimmick im Spiel ist natürlich die MegaTen übliche Möglichkeit, die Dämonen zu rekrutieren. Man hat diverse Konversations-Skills, auf die die Gegner unterschiedlich gut reagieren und sich evtl. dem Spieler anschließen. Davon kann zwar jeweils nur einer aktiv mitkämpfen, ein paar weitere in Reserve mitgenommen und jederzeit ausgetauscht werden, sofern man die für die Beschwörung nötige Anzahl an Magnite hat. Die Kosten variieren dabei nicht nur per Level, sondern richten sich auch nach Alignment. Dämonen sind entweder Law, Neutral oder Chaos zugeordnet und der eigenen Charakter kann durch diverse Antworten in den Storyquests auch in diesen hin- und herrutschen. Dämonen derselben Ausrichtung sind natürlich billiger. Abgesehen davon haben die Ausrichtungen allerdings wenig Signifikanz im Spiel. Miteinander fusionieren kann man die Dämonen natürlich auch wieder. Einige sind nur so zu bekommen, andere so zumindest wesentlich einfacher. Und da sich Skills der Eltern vererben kann man auch seinen Lieblingsdämon, den man gern dabei hätte, der aber nicht gerade die besten Skills parat hat, zu einem halbwegs brauchbaren Begleiter züchten. Dämonen werden natürlich KI-gesteuert, deren Verhalten man allerdings einstellen kann. Zusätzlich hat man neben der Shortcut-Leiste der eigenen Skills auch noch eine mit den Skills der Dämonen, kann ihn im Notfall also doch selbst steuern.

Soviel also zu den Grundlagen. Ist das Spiel nun aber gut? Objektiv betrachtet leider nicht. Das große Problem mit MegaTen Online ist einfach, dass es viel zu wenig von so ziemlich allem hat. Die bisher wenigen Storyquests wurden ja schon erwähnt. Aber auch die anderen Quests im Spiel sind eher wenig, und vor allem die Mühe in der Entlohnung absolut nicht wert. Die Storyquests geben einem wenigstens sehr viele Erfahrungspunkte. Übrigens der ganzen beteiligten Gruppe, wodurch sichergestellt ist, dass man immer hilfsbereite Mitspieler für sie findet.

Die Welt des Spieles ist sehr klein. Anfänglich gab es gerade mal 2 Städte, 4 Gebiete und ein paar Dungeons. Mittlerweile ist die Welt etwas vergrößert, aber eher unwesentlich. Zu allem Überfluss sind die meisten Dungeons auch nicht gerade gute Levelgebiete, man wird sozusagen dazu gezwungen tagein und tagaus das immer gleiche Dungeon zu durchkämpfen, weil alle anderen wesentlich schlechtere Resultate erzielen. Levelgrinding hat in jedem MMO die Tendenz zur Monotonie, aber normalerweise gibt es zumindest alternative Levelgebiete zur Auswahl und nach einer gewissen Anzahl von Aufstufungen geht es sowieso in ein neues. Hier nicht.

Man hat einfach nach einer schon relativ kurzen Zeit alles gesehen und alles halbwegs Brauchbare gemacht. Regelmäßige Updates bringen meist nur marginale Neuerungen, die in der Regel auch schnell gemacht sind. Mit dem häufigen Resultat, dass sie den Aufwand auch nicht wert sind. Viel zu häufig beschränkt man sich darauf CP-Items (diejenigen, die gegen echtes Geld gekauft werden müssen) ohne Ende einzuführen, anstatt wirklich mal wesentliche Erweiterungen am Hauptcontent des Spieles zu machen. Wenigstens neue Dämonen werden halbwegs regelmäßig eingefügt.

Was bleibt ist das MMO-übliche Ziel den Charakter immer stärker werden zu lassen. Ergo kämpfen bis zum Umfallen um im Level zu steigen. Und sich dadurch eventuell endlich diesen ganz besonderen Dämon, den man unbedingt haben wollte, für den das Level bisher aber zu niedrig war, zu fusionieren. Noch nicht mal die Jagd nach besonders guten oder raren Items gibt es bei MegaTen, da die meisten Drops die Mühe nicht wert sind oder wesentlich effizienter von einem Spielerbazar abgekauft werden können. Das Geld dafür hat man, wenn man den ganzen Müll, den man bei den endlosen Dungeonruns zwangsläufig bekommt, regelmäßig verkauft, wesentlich eher zusammen. Zumal Ausrüstung sowieso nicht so wichtig sind bzw. die beste, die in den normalen NPC-Shops zu kaufen sind auch komplett ausreichen.

Zu allem Überfluss kommt noch dazu, dass das Spiel insgesamt nicht gerade stabil ist. Zur Rush Hour, wenn besonders viele Leute sich auf dem Server tummeln, kommt es regelmäßig zu Lag. Der Spielclient stürzt auch mehr oder minder regelmäßig ab. Auf High-End-Rechnern sind beide Probleme natürlich wesentlich weniger häufig, als auf alten Gurken, aber trotzdem noch vorhanden. Dazu ist neu eingefügter Content notorisch erst Mal die ersten paar Tage über voller Glitches.

Optisch ist das Spiel ganz Ok. Die Grafik erinnert stark an Nocturne und Digital Devil Saga auf der PS2. Plus ein paar netter Lichteffekte auf besonders guten bzw. Minus hübscher Texturen auf schlechten Rechnern. Meiner, der nur selten fürs Spielen benutzt wird, erfüllte die Mindestvoraussetzungen gerade so, was vor allem zu detailarmer Umgebung führte. So oder so ist das postapokalyptische Tokyo in den meisten Gebieten natürlich nicht gerade Eye Candy. Steinwüste mit Häuserruinen und toten Bäumen, viel Grau und Braun, herrschen hier vor. Der Score hingegen ist recht gut gelungen. Die Stücke einiger Gebiete gehen ganz gut ins Ohr, wie üblich im Genre gerät allerdings alles durch die Spielzeit von etlichen Stunden zwangsläufig mit der Zeit in den Hintergrund.

Noch ein paar Worte zur Sprachbarriere. MegaTen Online ist immerhin bisher nur in Japan erhältlich und bei einem extrem unbekannten free to play MMO-Spinoff zu einer sowieso nur in einer Nische bestehenden Spiele-Serie wird das natürlich auch so bleiben. Dadurch ist selbstverständlich alles im Spiel auch in Japanisch. Es gibt allerdings eine ganz gute Anzahl an englischen Klans und die Spieler, die ich getroffen habe, sind auch immer bereit gewesen Hilfestellungen zu geben. Durch die Icons weiß man sowieso mit etwas Zeit und Trial and Error, was welcher Skill bzw. Item ist. Und englische Starterguides gibt es auch ein im Internet zu finden. Sogar ein Wiki zum Spiel wurde gestartet.

Fazit:
Im Nachhinein weiß ich kaum, was mich so lange hat Spielen lassen. Das Spiel kränkelt einfach extrem daran, dass es zu wenig Content gibt und man bei Imagine anscheinend auch nicht gewillt ist, daran im Wesentlichen etwas zu ändern. Die meisten Updates, die im ersten Jahr des Bestehens dazu gekommen sind, sind auf jeden Fall eher Kleinigkeiten und viel ist den Aufwand auch noch nicht mal wert. Und dann ist das ganze Spiel auch noch instabil.

Letztendlich waren es die netten Mitspieler meines Klans und das Ziel einen Cu Chulain auf Level 44 fusionieren zu können, die mich immer wieder haben zurückkommen lassen. Sobald das Ziel erreicht war, schrumpfte meine Spielzeit allerdings immer mehr, bis ich es dann komplett aufgehört habe. Es offeriert einem einfach zu wenig, was man erreichen können wollte. Selbst für ein free to play MMO. Von daher nur etwas für MegaTen-Fanatiker mit zusätzlicher Schwäche für MMORPGs.

4 von 10 Punkten

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