Phantasy Star Universe

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 31.08.06 (J), 24.10.06 (US), 24.11.06 (EU)

Nachdem die klassische Phantasy-Star-Reihe mit Teil 4 auf dem Mega Drive ihren Abschluss fand, schlug die Serie mit Phantasy Star Online auf dem Dreamcast eine neue, aber nicht minder beliebte, Richtung ein. Portierungen auf diverse onlinefähige Systeme folgten und der Inhalt schaffte es letztendlich ebenfalls auf 4 Episoden. Doch irgendwann muss auch mal was Neues her und so begann die Arbeit an Phantasy Star Universe. Der erste Teaser enthielt dann auch die Texte „Phantasy Star V?“ – „Phantasy Star Online 2?“ – „Phantasy Star Universe“. Phantasy Star Online 2 trifft es aber eigentlich schon recht gut.

Das Konzept ist dabei die nicht so häufig, aber z.B. auch vom fünften Arc the Lad, angewandte Teilung sowohl in einen Online- und Offline-Modus. Zwar konnte man auch Phantasy Star Online offline spielen, was allerdings der gleiche Inhalt wie das Onlinespiel beinhaltete. Bei PSU hat man hingegen dem Offline-Modus eine eigene Story und Missionen zukommen lassen und die beiden Modi dann auch Storymodus und Netzwerkmodus getauft. Ein Spiel, das sowohl Käufer von offline sowie online RPGs locken will, muss sich natürlich auch Kritik an jeweils einem Teil des Pakets gefallen lassen. Und so kommt hier nun mein Review des reinen Offline-Spieles, da ich ehrlich gesagt auch keine monatlichen Gebühren für den Netzwerkmodus abdrücken wollte.

Wie steht es denn erst Mal mit der tollen Story im Storymodus? Nicht so gut. Obwohl das Spiel mit dem in jRPGs sehr wenig genutzten Sci-Fi-Setting eigentlich einen Pluspunkt verdient hat, hat man es doch tatsächlich geschafft, eine pure Aneinanderreihung der üblichen Klischees in dieses zu verfrachten. Es gibt Ruinen einer alten Zivilisation, die zu ihrer eigenen Auslöschung geführt hat. Genau der gleiche Fehler droht sich zu wiederholen. Es gibt eine Organisation, die diese Macht trotz des Risikos will. Und so weiter und so fort. Die Charaktere lassen sich ebenfalls in die üblichen Klischees einordnen.

Das ist beides erst Mal nicht notgedrungen schlecht, es gibt sehr viele jRPGs, die mehr oder weniger viele der üblichen Klischees in Story und/oder Charakteren verwenden, dies aber in Präsentation, Erzählweise oder Charme wieder wettmachen. Leider gewinnt auch hier PSU keinen Blumentopf. Die Handlung wirkt regelrecht unaufgeräumt, da die einzelnen Klischee-Brocken geradezu wahllos aneinander gereiht sind. Einen roten Faden gibt es zwar, aber was in den einzelnen Kapiteln passiert wirkt trotzdem oft nicht richtig mit den Ereignissen des vorigen zusammenhängend. Und die Charaktere haben keinen Charme. Das Script geht sicher, dass sie alle strickt ihren Klischees folgen und dabei die langweiligsten oder dümmsten Sätze über die Lippen bringen, die man sich für diese hätte ausdenken können. Das viele Synchronsprecher diese auch noch vortragen, als wäre der jeweilige Charaktere vielleicht nicht nur der hellste, sondern schlichtweg geistig zurückgeblieben, hilft da nicht gerade.

Ok, einigen jRPGs haben keine gute Story oder Charaktere, können das aber mit Gameplay wettmachen. PSU benutzt natürlich im Storymodus das gleiche Kampssystem wie online, läuft also in Echtzeit. Erstaunlicherweise gibt es dabei sogar so was wie Random Encounter, da eine Gegnergruppe meist erst dann im Gebiet auftaucht, wenn man ihnen schon recht nahe gekommen ist. Das System ist dabei recht simpel, ein Knopf für den normalen Angriff, der in eine kurze Kombo gemasht werden kann; ein Knopf für den einzelnen Skill, den man in die jeweilige Waffe integriert hat; und dann evtl. noch einen Knopf für die Schusswaffe, wenn man denn eine ausgerüstet hat. Von daher sieht jeder Kampf gleich aus: Zum Gegner rennen, kurze Schlag-Kombo, zur Seite oder Rücken des Gegners laufen um seiner Attacke zu entgehen und die nächste Schlag-Kombo folgen lassen. Dazwischen dann immer mal wieder den Skill benutzen. Schusswaffen sind dabei relativ nutzlos, es sei denn man trifft auf einen fliegenden Gegner oder einen besonders langsamen, dem man schon im Vorfeld etwas abziehen möchte. Dabei ist es in der 3rd-Person-Ansicht allerdings fast unmöglich ein bewegliches Ziel zu treffen, Gott sei Dank kann man dafür allerdings auch in die 1st-Person-Ansicht wechseln. In dieser kann man sich allerdings nicht bewegen, ausweichen und feuern funktioniert also nicht. Dazu sei gesagt, dass ich Ethan als Hunter, einen Nahkämpfer gespielt habe. Man kann ihm jederzeit auch den Beruf des Ranger (Fernkämpfer) oder Force (Magier) geben.

Die bis zu drei Mitstreiter werden währenddessen natürlich von der KI gesteuert. Und zwar absolut autonom. Es gibt keine Möglichkeit, dass KI-Verhalten zu beeinflussen. Sie haben auch kein Zugriff auf die Items. Und außer Maya sind sie alle physische Kämpfer. Das führt in den letzten paar Storymissionen leider zu einem Heilproblem. Denn heilen muss man sich jederzeit selbst mit Items, da die Mitstreiter es ja nicht können – außer Maya und die ist a) über 3/4 des Spieles nicht verfügbar und b) benutzt ihren Heilskill sowieso äußert zufallsbedingt. In einem MMO werden bei großen Gegnergruppen die Kämpfe allerdings schnell unübersichtlich. Während man einen Gegner als Nahkämpfer bearbeitet und evtl. noch 3 weitere im Blickfeld hat, deren Attacken man ausweichen könnte, hat man oft noch zusätzliche außerhalb des Kamera-Blickwinkels, die einem aus dem Off mit Attacken treffen können. Dafür hat man in einem MMO immer einen Heiler dabei, der sich darum kümmert. Im Offline-Modus von PSU gibt es aber keinen Heiler, der Rest ist aber gleich. Das macht die ganze Angelegenheit später, wenn einem zwei oder drei gut gezielte Attacken aus dem off einen Großteil der HP-Leiste abziehen, doch etwas stressig, da man schnell aus der Gegnerreichweite fliehen, die Quickleiste aufrufen und ein Heilitem werfen muss. Die meiste Zeit über ist das Spiel sehr einfach und Heilitems findet man auch en masse in den Gebieten, aber gegen Ende kann man, wenn man mal etwas unachtsam war, doch recht schnell ausgeknockt werden. Entgegenwirken kann man dem zum Glück mit Instant-Revive-Items. Die KI der Angreifer ist dabei grundsätzlich brauchbar, allerdings bleiben sie bei engeren Gebieten gerne irgendwo in einem Gang oder Zugang hängen. Secret of Mana Flashback. Immerhin muss man sich nicht auch noch um deren Heilung kümmern, wird ein Mitstreiter totgeschlagen respawned er automatisch nach einiger Zeit wieder mit vollen HP.

Wie jedes reine Hack’n Slay Kampfsystem ist auch das von PSU am Anfang durchaus spaßig, wird aber mit fortschreitender Spielzeit eher langweilig, zumal es hier ja wirklich extrem simpel getrimmt ist. Was da leider stark ins Gewicht fällt ist die Länge der Storymissionen. In jedem der 12 Kapitel gibt es nur eine, was erst mal sehr kurz klingt, um die Anzahl zu kompensieren dauern diese allerdings recht lang. Im Schnitt muss man durch 2 oder 3 sehr große Gebiete schnetzeln und in der Regel vergeht einem dabei meist schon auf halbem Wege die Lust. Die Gesamtspielzeit von PSU ist trotzdem nicht die höchste, was dem Spiel eher zugute kommt. Macht man nur die Storymissionen ist man definitiv weit unter 30 Stunden durch. Pro Kapitel gibt es auch ein paar Nebenmissionen, die wesentlich kürzer und spaßiger als die Storymissionen sind, allerdings in den gleichen Gebieten stattfinden – nur halt einem kleinen Teil davon. Ich habe fast alle Nebenmissionen auch gemacht und habe trotzdem nur 33 Stunden auf dem Tacho. Wer aus irgendeinem Grund das Spiel so toll fand, dass er ewig weiter machen will, kann zusätzlich noch Itemsynthese betreiben, die Missionen immer wieder durchlaufen um alle auf Rang S zu beenden, seinen Raum dekorieren, neue Outfits für Ethan kaufen und ihn in allen 3 Berufen trainieren. Alles absolut unnötig um durch das Hauptspiel zu kommen, aber durchaus nett für diejenigen, die gern mehr Zeit mit PSU verbringen wollen.

Später schaltet man übrigens noch den Zusatzmodus frei. Auch Offline, allerdings ohne die Story. Der Rest ist gleich, die KI-gesteuerten Mitstreiter, die man zur Auswahl hat sind die aus der Story und die Missionen, die man annehmen kann, sind auch 1:1 die Nebenmissionen aus dem Storymodus. Von daher bekommt man im Zusatzmodus absolut nichts Neues zu sehen und hat nur den Bonus, dass man nicht als Ethan spielen muss, sondern seinen eigenen Charakter erstellen kann.

Grafisch ist das Spiel definitiv nett anzusehen. Die Umgebungen sind wirklich hübsch und auch die Charaktermodelle gehen in Ordnung. Allerdings ist das Aussehen der Missionsgebiete stark begrenzt und einige Bewegungen der Charaktermodelle in den Zwischensequenzen wirken etwas seltsam. Von denen es sowieso viel zu viele gibt. Grundlos, in der Regel wird nichts Wichtiges besprochen, aber trotzdem erst mal 5 Minuten geredet. Auch seltsam sind die „Geisterstädte“. Kommt man in eine Stadt, sind eine menge Leute auf den Straßen zu sehen, damit sie belebt wirkt. Damit man sich aber nicht damit aufhält sie alle anzusprechen, lösen sie sich einfach in Luft auf, wenn man ihnen näher kommt. Die Musik ist ganz nett anzuhören hat aber das gleiche Problem wie die Außengebiete: Abwechslung ist eher rar und man hört die meiste Zeit immer wieder dieselben Stücke. Zur englischen Sprachausgabe hatte ich ja schon erwähnt, dass ein Großteil der Sprecher schrecklich ist. Besonders Hauptcharakter Ethan klingt miserabel. Die Aussprache, die seltsamen Pausen, die Betonung… der Mann bekommt nichts hin.

Fazit:
Der Storymodus von Phantasy Star Online ist durchaus brauchbar, insgesamt aber von sehr vielen Fehlern geplagt. Abwechslung ist rar, Mitstreiter sind nur leidlich hilfreich und das Kampfsystem generell einfach mit der Zeit nicht sehr spaßig, was vor allem bei den viel zu langen Storymissionen ins Gewicht fällt. Dazu ist die Story des Storymodus auch keinen Cent wert. Doch in kurzen Strecken und besonders zu Spielbeginn ist PSU durchaus ganz spaßig und die eher kurze Gesamtspielzeit kommt dem Spiel dadurch sogar zugute. In eine PS2-Sammlung muss es nicht, aber vorzeitig beenden wird man es auch nicht müssen.

6 von 10 Punkten

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