Rune Factory – A Fantasy Harvest Moon

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 24.08.06 (J), 14.08.07 (US)

Ich mochte die Harvest-Moon-Serie mal sehr, in letzter Zeit ist mein Interesse allerdings stark gesunken. „Harvest Moon GBC 3“ war langweilig, „A Wonderful Life“ extrem schlecht und obwohl mir „Friends of Mineral Town“ anfangs wieder sehr gefallen hatte, wurde es mir ohne den Fokus die Farm in einem vorbestimmten Zeitrahmen aufbauen zu müssen auch relativ schnell langweilig. Den ersten DS-Teil habe ich wegen der zahlreichen Bugs gar nicht erst angerührt und mit der Serie schon fast abgeschlossen gehabt, als mit „Rune Factory“ ein Spinoff angekündigt wurde, das neben dem Farmalltag auch noch RPG-Elemente hinzufügt – allemal einen Versuch wert.

Die Geschichte ist schnell erzählt und klingt wie aus dem Einmaleins der RPG-Klischees abgeschrieben. Held bricht vor dem Haus der holden Schönheit zusammen und hat natürlich anschließend erst mal ganz schlimm Amnesie. Unbedarfte Schönheit stellt nicht lang Fragen, sondern lässt den Helden bei sich wohnen. Genauer gesagt auf der anliegenden Farm, die ihr neben ihrem netten Zweithaus auch noch gehört und die sie sowieso nie nutzt. In den anliegenden Dungeons gibt es Spuren einer alten Zivilisation. Das benachbarte Land versucht genau diese alte Macht für sich zu gewinnen, um Weltherrschaft zu erlangen – Held stellt sich ihm entgegen und gewinnt. Happy End. Und damit habe ich jetzt die gesamte Geschichte verraten, mehr gibt es im ganzen Spiel nicht. Keine Subplots, keine Ausschmückung, die Story besteht gerade Mal aus einer Hand voll über das Spiel verteilter Sätze. Sicherlich sollte man von einem Harvest Moon keine große Geschichte erwarten und in den normalen Teilen der Serie ist es ja eigentlich auch herzlich egal, warum man nun die Farm bestellt, aber etwas mehr wäre bei einem RPG-Hybrid-Spinoff doch ganz gut gewesen. Obwohl, wenn man die extrem dämlichen Dialoge zwischen den Charakteren als Indiz nimmt, ist weniger Story evtl. sogar mehr.

Glanzpunkt Gameplay? Eher auch nicht. Wie gesagt vermischt Rune Factory Farmsimulation mit Action-RPG, wobei richtig gemischt sind die Aspekte nicht. Während zumindest die Möglichkeiten in der Farmsimulation stark eingeschränkt sind, wenn man nie ein Dungeon besucht oder die Story vorantreibt, kann man das Spiel komplett durchspielen, ohne je viel auf der Farm gemacht zu haben.

Wie üblich kann man auf seiner Farm diverse Feldfrüchte je nach Jahreszeit anbauen und Ställe für Nutztier errichten. Nur das diesmal diese Nutztiere in Form von Monstern kommen, die im Dungeon eingefangen werden müssen. Die Monster gehören zu einer von 3 Gruppen: Nutztiere, welche die üblichen Produkte wie Eier, Milch etc. produzieren; Arbeiter, die für die Bewässerung und Ernte der Felder eingespannt werden und Reittiere. Dadurch nimmt man sich im Prinzip allerdings selbst die ganze Arbeit, abgesehen vom Aussähen. Den Rest erledigen die Tiere, die in diesem Teil noch nicht mal krank werden oder sterben können, also im Prinzip noch nicht mal gefüttert werden müssen. So billige Arbeitskräfte wünscht sich doch jeder Unternehmer. Ein Monster kann auch als KI-gesteuerter Begleiter in die Dungeons mitgenommen werden, sie sind aber so extrem unnütz, dass man es auch gleich lassen kann. In die Bossräume dürfen sie sowieso nicht.

Neben der Feldarbeit kann man sein Geld natürlich noch auf diverse andere Arten verdienen. Angeln ist natürlich wieder mit dabei, oder man betreibt Bergbau in den Dungeons. Problem dabei ist, dass diese Aktivitäten extrem unausbalanciert sind. Sobald man den Mining-Skill etwas erhöht und den Hammer aufgebessert hat kann man per Bergbau nämlich Edelmetalle und Edelsteine ohne Ende fördern, die zusätzlich auch für extrem hohe Summen verkauft werden können. Jegliche andere Aktivität zum Geldverdienen wirkt im Vergleich so unpraktikabel, dass es nichts weiter als Zeitverschwendung ist. Wenn man in wenigen Wochen mit Bergbau zum Millionär wird, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, irgendwas im Spiel auf der Farm zu machen.

Bleibt also noch das Durchforsten der 8 Dungeons als Beschäftigung. In ihnen laufen die Monster nicht frei rum, sondern werden von Maschinen generiert. Und das ist auch die Aufgabe in ihnen: Alle Maschinen zerstören, damit die Tür zum Bossraum sich öffnet und diesem dann auch den Gar auszumachen. Allerdings in einem Aufwasch, da die Maschinen nach dem Verlassen und erneutem Betreten des Dungeons alle wieder da sind. Zusätzlich kostet einem jeder Schwertschlag – genau wie jedes Benutzen eines Arbeitsgerätes auf der Farm – die begrenzten Rune Points, die gleichzeitig auch noch als Magiepunkte herhalten müssen. Von daher gehen diese einem manchmal schneller aus, als einem lieb ist. Zumindest bis man herausfindet, dass komplett ausgewachsene Felder, die man nicht aberntet jeden Tag etwas generieren, das 25% der RP heilt. Und man kann in den Dungeons Felder anlegen. Ergo bestellt man ein paar Felder, wartet bis sie reif sind, zerstört dann alle Maschinen, heilt alle RP an den Felder wieder auf und geht frisch gestärkt zum Boss. Dadurch nimmt sich das Spiel jeglichen Schwierigkeitsgrad – zumal die normalen Gegner auch sehr einfach mit ein-zwei Schlag-Combos erledigt sind und man sehr schnell auflevelt. Wenn man den Dreh erst mal raus hat, wird man eigentlich fast gar nicht mehr getroffen. Höchstens von einem Cheap Hit, weil eine Maschine die Gegner per Zufall generiert, also hin und wieder direkt hinter die eigene Spielfigur setzt.

Die 8 Dungeons hätte man damit eigentlich in Rekordzeit durchgespielt, wenn die Entwickler da nicht eine extrem nervige Idee gekommen wäre, die die Spielzeit künstlich streckt. Das fünfte Dungeon kann nur im Winter betreten werden. Und die Dungeons nur in Reihenfolge abgeklappert. Im Sommer war ich mit dem vierten Dungeon fertig und durfte ganze zwei Jahreszeiten mit Warten verbringen, bis ich dann im Winter und Frühling die verbliebenen Dungeons meisten konnte.

Und dann ging mir ehrlich gesagt ziemlich schnell die Lust am Spiel verloren. Die Story war beendet. Die Dungeons alle durch. Die Farmarbeit lief durch die eingespannten Monster quasi von selbst. Durch den Bergbau hatte ich mehr Geld, als ich je ausgeben hätte können. Und in der zwei Jahreszeiten andauernden Wartezeit hatte ich alles komplett ausgebaut, eine der verschiedenen Frauen umworben und geheiratet und auch einige Zeit in die Itemsynthese, Ausrüstungsschmiede, Angeln, Kochen und was man sonst noch so machen kann, gesteckt. Der Fokus fehlte einfach, es gab nichts Neues zu sehen, kein gestecktes Ziel mehr zu erreichen.

Technisch war die Harvest-Moon-Serie nie sonderlich herausragend. Rune Factory macht auf dem DS allerdings eine ganz passable Figur. 3D-Figuren auf vorgeränderten Hintergründen. Dabei sind die 3D-Modelle etwas klobig, was man auf dem kleinen Screen und dem weiten Zoom allerdings nicht sonderlich bemerkt. Die Stadt- und Umlandshintergründe sind sogar richtig nett anzusehen – gerade im Verlauf der Jahreszeiten, die Dungeons hingegen relativ langweilig. Sogar die Musik ist ganz nett. Auf der Oberwelt wie üblich etwas strapazierend oft zu hören, dafür sind die einzelnen Dungeon-Themes ganz hübsch. Keine Ohrwürmer, aber während des Spielens doch ganz brauchbar. Ein wenig Sprachausgabe gibt es sogar auch, beschränkt sich aber Hauptsächlich auf ein paar Begrüßungsfloskeln, wenn man einen der NPCs anspricht. Zum Glück, es klingt nämlich alles schrecklich.

Fazit:
Ich würde gerne schreiben das Rune Factory mehr als die Summe seiner Teile ist. Aber RF ist die Summe seiner Teile. Ein RPG-Teil, dessen fast nie präsente Story extrem langweilig ist und der mit für eine Zeit spaßigem, aber auf Dauer monotonem Hack’n Slay Kampfsystem und keinem existenten Schwierigkeitsgrad aufwartet. Dazu noch eine Farmsimulation, die richtig eingesetzt sich praktisch selbst spielt und im Vergleich zum Bergbau so extrem unpraktikabel ist, dass sie ansonsten sowieso als Zeitverschwendung gelten würde.

Aber hatte ich Spaß mit Rune Factory? Ja, meistens zumindest. Sich durch ein Dungeon schnetzeln macht eine Zeit lang Spaß (und ein Handheld-Spiel spielt man häufig ja nur in kurzen Etappen), die Farmarbeit nur sehr kurz. Die anderen Dinge, die man tun kann mehr oder wenig lang, nutzten sich über die zwei Jahreszeiten Zwangspause aber auch alle ab. Rune Factory ist kein schlechtes Spiel. Nur erstaunlich schnell beendet und wird zu schnell langweilig, sobald es seinen Fokus – die Story, so wenig davon da war – verliert.

6 von 10 Punkten

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