Ys I.II Complete

  • Plattform: PC
  • Release: 28.06.2001 (J)

Japano-RPGs gibt es nur auf Konsole? Falsch, gerade Falcom beglückt die Japaner nun schon Jahrzehnte mit RPGs, die primär erst mal auf dem PC erscheinen. Auch wenn sie es nur selten in den Westen schaffen und wenn dann doch in einem Konsolen-Port. Die bekannteste Serie darunter dürfte zusammen mit „Legend of Heroes“ auch „Ys“ sein – wobei „bekannt“ zumindest im Westen auch eher wenig gegeben ist. In Japan läuft die Serie allerdings sehr gut und die ersten beiden Teile von Ys bringen es in den knapp 20 Jahren, die es sie jetzt schon gibt, sogar auf mehr Portierungen und Remakes als die ersten zwei Final Fantasies. Immer noch weitläufig als ultimative Version wird dabei Falcom’s eigenes PC-Remake von 2001 angesehen: Ys I.II Complete.

Die Geschichte ist natürlich eher der Standard, immerhin sind die Spiele von 87 und 88. Held Adol erleidet Schiffbruch und wird am Strand eines Landes angespült, dass von Monstern überrannt wird. Also zieht er los den diversen Bewohnern zu helfen, entführte Schönheiten zu retten und den großen Monsterturm zu erklimmen. Durch die Legende um die zwei Göttinnen und das Land Ys wird da alles, besonders im zweiten Teil, allerdings noch nett hinterfüttert. Die Story ist einfach, unkompliziert, aber setzt zweckdienlich den Grundstein für die Action und mehr braucht es tatsächlich auch gar nicht. Sympathische aber nicht endlos philosophisch vor sich her labernde Charaktere inbegriffen.

Simpel ist wohl auch das richtige Wort, um das Gameplay zu beschreiben. Das Kampfsystem findet wie bei so vielen Action-RPGs in Echtzeit ohne separaten Kampfbildschirm statt. Allerdings kann man auch weder Springen, Skills einsetzten oder hat einen Angriffsknopf. In Ys rammt man die Gegner einfach, um Schaden zu verursachen. Am besten leicht seitlich, anstatt gerade hinein, damit die Gegner Adol nicht auch schaden. Was zuerst sehr seltsam wirkt, macht nach Eingewöhnen tatsächlich viel Spaß. Die Stärke an Ys ist eben wie simpel und schnell das Gameplay ist. Einfach wie von der Tarantel gestochen durch die Welt und die Gegner direkt über den Haufen zu rennen, dabei zuzusehen wie sie in Stücke explodierend zu allen Seiten fallen während man selbst schon den nächsten aufs Korn nimmt, ist tatsächlich erstaunlich launig. Die Endgegner sind glücklicherweise doch etwas fordernder, muss man meist doch erst Mal ihre Bewegungsabläufe einprägen, um den richtigen Angriffszeitpunkt zu wissen. In Ys II ist das Gameplay dann zumindest etwas komplexer, da hier auch Zugriff auf ein paar Magien gewährleistet ist.

Der Schwierigkeitsgrad ist bei den Remakes insgesamt nicht allzu hoch. Normale Gegner sind in der Regel nicht schwer zu besiegen, allerdings sollte man zwischen zwei Gebieten evtl. doch ein oder zwei Level zulegen und schauen, ob sich nicht die momentan beste Rüstung kaufen lässt. Außerdem heilt Adol automatisch außerhalb Dungeons, wenn er still steht. Später findet man sogar ein Item, dass auf den Extra-Slot ausgerüstet dies auch innerhalb Dungeons ermöglicht. Lediglich die Bosse können etwas knackiger werden, da in ihren Kämpfen ja nun mal nicht stillgestanden werden kann und auch kein Zugriff auf das Itemmenü und damit keine Heilitems vorhanden ist. Wirklich frustrierend cheap waren dabei nur zwei Bosskämpfe für mich, zum einen der letzte Endgegner in Ys und einer gegen Ende von Ys II, bei denen es dann doch mehr auf Glück denn auf Level/Geschick ankam.

Insgesamt sind die Spiele allerdings recht kurz geraten. Beide kann man in je weniger als 10 Stunden beenden, kommt insgesamt evtl. auf etwas um die 15 Stunden. Gerade das erste Ys, besteht es doch nur aus einer kleinen Welt, deren fast halbe Spielzeit der finale 25 Stockwerke hohe Turm ausmachen. Dafür fehlen den Spielen allerdings auch jegliche Längen und es ist eine zwar kurze aber sehr unterhaltsame und spaßige Erfahrung. Besonders wenn beide Spiele direkt hintereinander gespielt werden, da sie sowieso was die Story angeht direkt ineinander greifen. Weswegen sie in ihren Re-Releases ja auch öfter im Bundle erscheinen.

Die Präsentation des Ganzen ist natürlich weit von den westlichen PC-Standards entfernt. Alles ist in nettem und charmanten 2D gehalten und erinnert damit zumindest optisch eher an ein Spiel aus dem RPGMaker, wenn auch mit mehr Liebe zum Detail. Die Bildschirmfüllenden Anime-Portraits der wichtigsten Charaktere sind allerdings ganz nett, genauso wie die Animesequzenen, auch wenn sie sich auf Openings beschränken. Dafür ist die Musik wirklich sehr gut geraten und erstaunlich rockig für ein Fantasy-RPG, was aber die Schnelligkeit des Gameplays unterstreicht.

Fazit:
Die ersten beiden Ys sind ein wirklich unterhaltsamer und charmanter Exkurs in Zeiten, als RPGs noch simpel waren – treibt das Wort „simpel“ sogar geradezu auf die Spitze. Gerade dadurch, gebündelt mit der Schnelligkeit und Kürze der Spiele, werden die Spiele aber erst so unterhaltsam, wie sie sind. Einen Versuch sollte man den beiden Erstlingen als Retro-RPG-Fan definitiv mal geben, besonders in der netten Complete-Version, zu denen es auch eine englische Fanübersetzung gibt.

7 von 10 Punkten

Advertisements