Hydlide (Arranged Edition)

  • Plattform: PC
  • Release: 1999 (J)

Hydlide hat im Westen gern den Ruf weg, eines der schlechtesten RPGs für das NES zu sein. Wenig verwunderlich, erschien der 1986er Port eines 1984er PC-RPGs doch erst 1989 in dortigen Landen. In Japan hingegen war es beliebt genug insgesamt 3 Nachfolger zu bekommen – beim letzen Eintrag der Serie, „Virtual Hydlide“ schloss sich der Kreis dann wieder, ist es doch als eines der schlechtesten RPGs auf Saturn verschrien. Ein paar Jahre später erschien allerdings auch ein PC-Remake, das man sich für Lau per Downloadservice ziehen konnte.

Dabei hat man sowohl die Wahl das Spiel als Original-Version (also die 84er PC-Version) oder im Arranged-Modus zu spielen. Und wer mal kurz ins Original reinspielt wird wohl ziemlich schnell gewahr, warum das Spiel so viel schlechte Presse bekam. Extrem viel besser ist die Arranged-Version allerdings auch nicht, ist der Content doch fast 1:1 der gleiche und nur die Grafik etwas aufgemotzt (man kann sogar mit einem schnellen Tastendruck jederzeit während des Spielens zwischen den Modi wechseln).

Die Geschichte ist schnell erzählt: Fairyland (so heißt die Spielwelt tatsächlich) ist ein ganz tolles Friede-Freude-Eierkuchen-Land, bis man blöd genug ist die 3 schützenden Juwelen zu stehlen, wodurch der böse Ganon auftaucht und die Prinzessin entführt… nein, warte… bis der böse Varalys auftaucht und die Prinzessin in 3 Feen verwandelt. Held Jim (noch so ein toller Name, sehr heroisch), der gerade so durch die Lande streift, bekommt das mit und da random Jimmy grad eh nix Besseres zu tun hat, macht er sich auf Feen und Juwelen zu sammeln und Varalys zu besiegen.

’84 brauchte man nicht viele Worte, warum man jetzt genau den aktuellen Fiesling vermöbeln geht. Auch das Remake ändert da nichts, anstatt in 3 gebrochenen Sätzen braucht es nur ein paar mehr und besser geschriebener Absätze, die über ein Bild von Random Jimmy scrollen. Gleiches fürs Ende.

Das Spiel dazwischen ist komplett unverändert, man startet sofort mit seinem Charakter inmitten Schleimmonster auf dem ersten Bildschirm. Die Welt ist dabei sage und schreibe 5×5 davon groß. Wer nun annimmt das Spiel wäre sehr kurz hat recht. Wer auch denkt es wäre sehr einfach irrt gewaltig. Man steht nun mitten in der Prärie und weiß nur, wie der Bösewicht heißt, aber nicht wo er ist und was man machen muss, um zu ihm zu gelangen. Es gibt keine NPCs und sonstige Hinweise, was zur Hölle man eigentlich tun soll, sind ebenfalls nicht vorhanden. Zu Beginn mag man sich noch denken durch die kleine Welt ist es nicht schwer herauszufinden, was man braucht – man läuft einfach wahllos rum, bis man über Eingänge zu Höhlen und Schatzkisten etc. stolpert. Ganz so einfach ist das aber nicht immer, denn teilweise braucht es sehr… seltsamer… Aktionen, um weiter zu kommen. Fee Nummer 2 ist z.B. zufällig in einem von 5 Bäumen versteckt. Allerdings Bäume, die einem ordentlich HP abziehen, wenn man in sie rein rennt – weswegen es für den Spieler die logische Handlung ist, sich von eben diesen 5 möglichst fern zu halten. Eine Kiste in einem Dungeon taucht erst auf, wenn man eine gewisse Anzahl an Gegnern darin getötet hat. Sehen tut man sie aber erst, nachdem man in den nächsten Bildschirm und zurück gelaufen ist und sollte man dazwischen einen weiteren Gegner töten, ist sie auch schon wieder weg – ergo hat man eigentlich als Otto-Normal-Geschädigter des Spieles keine Ahnung, dass da überhaupt etwas auftauchen sollte. Zu einem FAQ sei hier dringend geraten.

Das Kampfsystem ist dabei gleich dem, das z.B. auch Falcom für ihre frühen Spiele wie Ys und Dragon Slayer benutzten: Man rennt in den Gegner rein, um ihm zu schaden. Und hofft dabei, dass man das richtige Level, Stärke und genug Rückenwind hat, damit man den Gegner besiegt, bevor er durch Jimmys HP geschnetzelt ist. 90% des Spieles bestehen sowieso nur daraus, sich auf Level 10 zu grinden. Was darauf hinaus läuft, dass man mehrere Dutzend der gleichen Gegner umbringt bis sie keine Erfahrungspunkte mehr bringen und dann für die nächsten 1-2 Level zu den nächst stärkeren Gegnern wechselt und weitere Dutzendschaften zu tote rammt. Inklusive permanentem Quicksave, da ja jeder Feindkontakt Jimmys letzter sein könnte. In der Hoffnung dem ganzen etwas Taktik zu geben kann man im Attack- oder Defend-Modus durch die Gegend preschen. Im Defend-Modus nimmt man weniger Schaden, teilt allerdings auch wesentlich weniger aus (auf Level 1 und 2 macht man sogar gar keinen), im Attack-Modus macht man wesentlich mehr Schaden, bekommt aber auch nach spätestens 2 Gegnertreffern die Game-Over-Fanfare zu hören. Und wenn man bedenkt das sich die Gegner so schnell und zufallsbedingt wie ADHS-kranke Hamster auf Ecstasy bewegen, hat man sehr schnell ein paar Treffer einstecken, bevor man noch richtig realisiert hat, aus welcher Richtung man jetzt schon wieder vergewaltigt wurde. Und ja, es gibt eine Game-Over-Fanfare. Besiegt man einen Boss oder findet man ein Item bleibt das Spiel Mucksmäuschenstill, beim Level up gibt es nur einen kurzen Bliep, aber beim Game Over spielt es eine verdammte Fanfare ab. Spätestens da sollte man wissen, was für ein mieses Drecksstück es ist. Zwar ist es in der Arranged-Version nicht mehr ganz so einfach zu sterben wie im Original, was aber nur bedeutet, dass die Anfangsschleime einen noch nicht sekündlich ins virtuelle Nirwana befördern können, alle Gegner danach aber eigentlich sehr wohl.

Hier gibt es eigentlich auch schon die einzige große Änderung in der Arranged-Version: Man kann in den Overdrive-Modus schalten, bei dem man mehr Erfahrungspunkte bekommt, schneller die eigenen HP beim Stillstehen generiert und so viel Schaden wie im Attack-Modus macht während man aber so wenig wie im Defend-Modus nimmt. Dadurch ist es fast unmöglich zu sterben und das Spiel, das man in knapp 1-2 Stunden meistern kann, wird auf knappe 20 Minuten verkürzt. Irgendwie auch sehr unbefriedigend, aber ohne ihn wäre ich wohl nicht über die letzten Etappen des Spiels gekommen. Bis kurz vor Ende habe ich ihn nicht benutzt, beim hundertsten „Game is over“ war es mir aber dann echt egal.

Optisch darf man der Arranged-Version zu Gute halten, dass man entgegen dem Original schon mal keinen Augenkrebs mehr bekommt. Die ganze Schoße ist immer noch recht Low-Budget und schaut aus wie mal schnell im RPG-Maker zusammen geworfen, aber einen gewissen Charme hat es und immerhin handelt es sich hierbei nur um einen Billo-Download. Die Musik hingegen… eigentlich gibt es noch nicht mal etwas, was melodisch genug ist, um es so zu nennen. Das komplette Spiel über hört man einen einzigen Track aus nervigen Bliep-Tönen, da hier gegenüber dem Original nix geändert wurde. Man kann sich zum Glück einen Arranged-Soundtrack reinpatchen, allerdings kam der mit meinem English-Patch, von daher bin ich mir nicht sicher, ob der wirklich offiziell nachgereicht oder von Fans gemacht ist.

Fazit:
Hydlide hat seinen Ruf als eines der schlechtesten RPGs verdient. Natürlich ist das Original von ’84 und man muss ihm so ein paar Dinge nachsehen. Kaum vorhandene Story, hoher Schwierigkeitsgrad etc. war damals normal und einige solcher Spiele wie Tower of Druaga haben es gerade deswegen irgendwie zum Kult-Klassiker gebracht.

Trotzdem bleibt der Fakt das Hydlide nicht gut ist, nicht nur nicht gut, sonder insgesamt sogar relativ schlecht und langweilig und es eigentlich keinen Grund gibt, 2008 noch seine Zeit damit zu vergeuden. Das Kampfsystem, das mir in Ys durchaus Spaß gemacht hat, ist hier einfach sehr langweilig und unspaßig. Ohne FAQ keine Ahnung zu haben, was eigentlich als nächstes gemacht werden soll und 90% der Zeit am Aufleveln und Sterben zu sein ist auch nicht pralle. Das der ganze Horror nach knapp einer Stunde schon rum ist, ist dabei eigentlich fast ein Segen, irgendwo aber auch eine unbefriedigende Angelegenheit. Die Arranged-Version ist immerhin Dank der besseren Optik und dem Overdrive-Modus schon Mal so was wie spielbar, da aber sonst alles gleich ist, auch nicht unbedingt die kurze Zeit wert.

2 von 10 Punkten

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