Revelations: The Demon Slayer

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 19.03.99 (J), 1999 (US)

Wenn die Tatsache, dass die MegaTen-Serie im Prinzip nur aus einem großen Berg Spinoffs besteht, etwas Gutes hat, dann das für fast jeden Geschmack etwas zu finden ist. Wer ein jRPG haben will, das sich etwas stärker an die Wizardry-Wurzeln anlehnt, hat Shin Megami Tensei. Wer alles etwas simpler und mehr um Story und Charaktere zentriert will, hat Persona und Digital Devil Saga. SRPG-Fans haben Majin Tensei. MMORPGler Imagine. Devil Summoner 3 hält als Action-RPG her. Devil Children als Pokemon-Klon. Und wofür ist Last Bible? Für den Hunger nach klassischer Standard-RPG-Kost mehr im Sinne eines Dragon Quests. Und als eine der wenigen RPG-Serien für Unterwegs zu Zeiten des monochromen GameBoys und seiner aufgepimpten Color-Version. Wohl genau deswegen – weniger Risiko als Standard-RPG und auf den Zug der Monstersammel-RPGs auf Handheld aufspringend – fand es Atlus eine gute Idee Megami Tensei Gaiden: Last Bible nach Persona in den Westen zu bringen, neu benannt als Revelations: The Demon Slayer.

Mr. Hauptprotagonist ist ein Gaia Master im Training und zieht aus, um sein Gaia zu stärken… oder so. Unterwegs hilft er ein paar Städten in Nöten, trifft 2 weitere Charaktere, die sich aus mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen anschließen und findet raus, dass die Gaia Master das wirkliche Übel der Welt sind und besiegt gehören. Das alles in der üblichen mittelalterlichen Fantasy-Welt. Die Geschichte ist sozusagen auch für 1992 nicht wirklich besonders, für MegaTen-Verhältnisse sowieso nicht, aber für so ein frühes Handheld-RPG ordentlich. Es kommen auch wieder jede Menge Begriffe und Namen aus Mythologie und Religion vor, hier aber ohne tiefere Bedeutung wild durch die Bank weg verwurstet. Immerhin bekommt man gegen Ende als Fortbewegungsmittel eine Arche. Die fliegt. Through space. Awesome.

In Sachen Gameplay wird ein normales rundenbasiertes Kampfsystem aufgezogen. Und der übliche Ablauf von „Stadt > Problem raus finden > nahes Dungeon besuchen > Problem gelöst > nächstes Gebiet mit nächster Stadt aufsuchen“ abgespult. Das einzige, was außer ein paar Begrifflichkeiten noch an die Bindung an die MegaTen-Serie erinnert, ist die Option Dämonen ins Team zu rekrutieren. Wie immer mit der netten Talk-Funktion, hier allerdings wesentlich simpler. Dämonen sagen zwar immer noch recht obskure Dinge, die nicht wirklich zeigen, ob sie nun mehr oder minder gewillt sind, mitzukommen, allerdings gibt es nur 3 Konversationsbäume, die sie beschreiten können und die jeweils mit der gleichen Kombination aus Ja- und Nein-Antworten mit einer 100%igen Rekrutierung abgeschlossen werden können. Etwas trial and error und anschließendes Rauschreiben der richtigen Antworten führen also vergleichsweise schnell zum Erfolg. Hier verbrauchen Dämonen auch kein Magnite, nur um beschwört zu bleiben. Auch fusionieren kann man sie wieder miteinander, um stärkere Dämonen zu erschaffen. Da sie weiterhin nicht aufleveln, ist das sogar beinahe nötig. Insgesamt kommt man aber leicht genug durch das Spiel, wenn man einfach jedes Mal, wenn man in ein neues Gebiet kommt, die aktuell stärksten Dämonen rekrutiert. Vorausgesetzt man levelt die menschlichen Charaktere in jedem neuen Gebiet ein wenig auf und kauft ihnen neue Ausrüstung, dadurch werden sie nämlich sowieso ungleich stärker als die dämonischen Mitstreiter.

Optisch mag das Spiel für ein 1999er GBC-Spiel recht schwach sein. Was daran liegt, dass es einfach ein 1992er GB-Spiel ist, nur in Farbe ohne sonstig große Änderungen neu aufgelegt. Die Charaktere und Welt sehen aus wie aus dem DQ-Baukasten entnommen und auch die Gegner sind weit von ihren SMT-Designs entfernt, wenn auch ein paar trotzdem recht schnieke aussehen. Die Musik ist hingegen eher nervig gewesen, Dungeon- und Endboss-Theme waren als einzige ganz nett. Trotzdem wird man den Soundregler wohl eher runter drehen.

Fazit:
The Demon Slayer ist schwer zu beschreiben. Es ist ein absolut stereotypes Standard-RPG. Einer von vielen DQ-Klonen. Und obwohl es nicht wirklich irgendwas wesentlich falsch oder schlecht macht, macht es eben auch nichts besonders gut oder offeriert etwas, was es aus der breiten Masse heraus hebt. Selbst Dämonen zu rekrutieren reißt es hier nicht. 1992, wenn man einen GB hatte und unterwegs spielen wollte, hatte man eh keine große Auswahl und selbst zu 1999er GBC-Zeiten war es noch ein ordentliches Aufgebot. Aber mittlerweile gibt es eigentlich keinen Grund mehr sich noch unbedingt mit dem Spiel beschäftigen zu müssen.

5 von 10 Punkten

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