Shin Megami Tensei II

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 18.03.1994 (J)

Zu 16bit-Zeiten erschien zu Spielen, die sich gut verkauften, in der Regel spätestens alle 2 Jahre ein Nachfolger und so präsentierte Atlus 1994 dann auch Shin Megami Tensei II fürs SNES, bevor die Hauptserie knapp ein Jahrzehnt in Dornröschenschlaf fiel. Während andere Serien wie Final Fantasy und Zelda schon gleich in ihrem Nachfolger drastische Änderungen vornahmen und damit gewaltig auf die Fresse flogen, ging man bei Atlus einen sichereren Weg und änderte am Gameplay lieber gleich überhaupt nichts, sondern betrieb nur etwas Feinschliff.

Neu hingegen sind Story und Charaktere, die zwar zeitlich mehrere Jahrzehnte nach dem ersten Teil spielen, aber vollkommen ohne Vorwissen spielbar bleiben. Das Jahr ist 20XX und auf den Ruinen des untergegangenen Tokyo hat die Mesian Kirche mittlerweile eine neue Stadt, Tokyo Millennium, errichtet. Die ist allerdings stark nach Klassen getrennt, so leben die Kirchenoberhäupter und Leute, die von ihnen für wichtig genug gehalten werden, im hübschen Center, während das Fußvolk in den Slums von Valhalla sein Dasein fristen darf.

Hauptcharakter ist der unter Amnesie leidende Hawk, der sich als Gladiator im Kolosseum Valhallas durchschlägt. Und der Finalkampf, der entscheidet wer den Titel des Champions führen und ins Center umsiedeln darf, steht kurz bevor. Hawk gewinnt und wird prompt zum Bischoff im Center eskortiert, der ihm ohne große Umschweife erzählt, dass sein wahrer Name Aleph lautet und er der erwartete Messias ist.

Und so beginnt SMT2. Natürlich erwartet Aleph jetzt kein lässiges Leben in Saus und Braus, stattdessen wird er auf mehrere Quest geschickt, um der Bevölkerung Tokyo Millenniums gegen die Dämonen zu helfen und natürlich findet man nach und nach heraus, dass auch in der Mesian Kirche nicht alles koscher läuft. Inklusive der Entscheidung, welcher von zwei Fraktionen man letztendlich wirklich helfen will, oder ob man beide bekämpft und die Stadt in eine völlig andere Zukunft lenken will.

Was für 1994 eine sehr interessante und originelle Geschichte macht, ist natürlich heutzutage nicht mehr ganz so frisch, da ab der 32bit-Ära die „organisierte Religion ist böse, also geh mal schnell Gott töten“-Geschichten bis zum Erbrechen erzählt wurden. Immerhin hat SMT2 die Eier ihn hier sogar YHVH zu nennen und viele der Endgame-Plottwists kommen doch noch überraschend. Auch ist die Präsentation der Story gegenüber des Vorgängers etwas verbessert worden. Storybrocken kommen häufiger und man bekommt wesentlich öfter wirklich kurz gezeigt, was nun passiert, anstatt es nur in langen Textboxen erzählt zu bekommen. Auch kann man nicht mehr so einfach im Spiel verloren gehen, da man fast immer in den Bars oder bei der Wahrsagerin Tipps einholen kann, wo es denn jetzt weiter geht.

Wie gesagt hat sich am Gameplay nicht viel geändert, haben wir es hier immer noch mit einem rundenbasierten Dungeoncrawler aus der 1st-Person-Perspektive zu tun. Dämonen können wieder über lange Gespräche überredet bzw. mit Geld- und Sachgeschenken bestochen werden, sich anzuschließen, verbrauchen während der aktiven Teilnahme im Team weiterhin mit jedem Schritt Magnite und leveln immer noch nicht auf, wodurch ständiges Neufangen und Fusionieren an der Tagesordnung steht. Auch können wenn man Law oder Chaos ist die entsprechend gegensätzlich eingestellten Dämonen immer noch nicht rekrutiert werden. Das Interface ist lediglich etwas übersichtlicher gestaltet worden und ein neuer farblicher Radar, der anzeigt wie wahrscheinlich ein Encounter ist, ist eine gern gesehen Nettigkeit neben der weiterhin vorhandenen Automap und Auto-Battle-Funktion.

Was das erste SMT heutzutage allerdings ordentlich Punkte gekostet hat, war der brutale Schwierigkeitsgrad, der den Spielspaß häufig im Keim erstickt und stattdessen besten Nährboden für Tonnen an Frustmomenten geboten hat. SMT2 ist leichter als der Vorgänger. Allerdings nur etwas. Die Gegner sind ein wenig leichter und die Encounterrate etwas niedriger. Was nicht viel heißt. Die Gegner können einen immer noch in Grund und Boden stampfen, wenn man nicht gut gelevelt, gerüstet und mit den richtigen Dämonenskills durch die Gegend läuft. Und die Dungeons sind weiterhin zermürbende Geduldsproben der besonders lagen, verschachtelten, mit Bodenfallen, Teleportspielchen etc. gespickten und hohem Gegneraufkommen inklusive Reinforcements verseuchten Art.

Auch technisch hat sich eher wenig geändert. Hintergründe und Dungeondekor sind etwas detaillierter und die meisten Gegner haben jetzt eine „Animation“ – alles allerdings noch weit von Phantasy-Star-Standards entfernt, sondern lediglich mal das Öffnen und Schließen des Mundes, Blinken der Augen oder hin- und herrütteln eines Teils des Sprites. Mittlerweile können immerhin schon zwei statt nur einer Gegnerart gleichzeitig angetroffen werden, wobei jede Gruppe weiterhin nur von einem Sprite und der Rest per Icon angezeigt wird. Marginale Verbesserung, insgesamt weit von dem entfernt, was einem 94 so manch anderes RPG gezeigt hat. Auch am Soundtrack hat sich stilistisch nicht viel getan, mal rockige Klänge für die Kämpfe, dann wieder nur Ambiente in einigen Dungeons.

Fazit:
Shin Megami Tensei II ist im Prinzip der Vorgänger mit neuer Handlung und marginalen Änderungen, durch die Kleinigkeiten verbessert werden, die aber im Gesamtbild nicht weiter ins Gewicht fallen. Wieder eine für seine Zeit sehr originelle und immer noch interessante Story, die allerdings etwas schlechter gealtert ist, da sie in den nachfolgenden Konsolengenerationen zum absoluten Genre-Klischee wurde. Und leider wieder ein Gameplay, das grundsätzlich durchaus nett ist, aber durch den brutalen Schwierigkeitsgrad die meiste Zeit über des Spielspaßes beraubt wird. Von daher eher wieder was für Hardcore-MegaTen-Fans, die sich die Anfänge der Serie nicht entgehen lassen wollen und masochistische Retro-RPGler, die die Tage von Wizardry und Co. vermissen. Auch hier gibt es übrigens wieder einen PSX- und GBA-Port mit gesengtem Schwierigkeitsgrad, allerdings nur für Japanischkundige.

6 von 10 Punkten

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