Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 22.11.07 (J), 16.09.08 (US), 12.09.08 (EU)

Bereits 1990 in Japan mit überwältigtem Andrang, zwei Jahre später zu wieder eher mauen Abverkäufen in die USA gekommen, und nach einem PSX-Remake, das durch die kurzfristigen Abbruch des US-Releases den Japanern vorbehalten blieb, kam der erste Teil der Zenithia-Trilogy mit seinem DS-Remake nun endlich auch nach Europa. Nicht ganz so überraschend, verkaufte sich Teil 8 bei uns doch eh besser, als in den USA.

Die Geschichte ist dabei wie in Dragon Quest üblich etwas mau. Ziemlich früh bekommt man gesagt, wer der Bösewicht ist und verbringt den Rest des Spieles damit, sich Mitstreiter zu suchen, eine legendäre Rüstung für den Kampf gegen ihn zu sammeln und seinen Aufenthaltsort für den finalen Showdown raus zu finden. So ist das bei Dragon Quest nun mal, der übergeordnete rote Faden ist nur das Nötigste, um einem einen Grund für die Reise zu geben, während es die kleinen Sidestories auf dem Weg sind, die der Story den nötigen Charme geben.

Nicht zuletzt ist das Original eben auch von 1990, wo starke Stories sowieso noch in der Minderheit waren. Und Dragon Quest IV bringt durchaus ein paar interessante Dinge ein. Zum einen bekommt der Bösewicht diesmal sogar etwas Hintergrundgeschichte, warum er denn nun die Welt vernichten will, anstatt halt einfach nur böse zu sein. Für ein Dragon Quest aus dem Jahre 1990 ist das schon viel. Nicht zu vergessen die clevere Einteilung in 6 Kapitel.

So verbringt man die eher kurzen Kapitel 1-4 mit jeweils einem der späteren Teammitglieder. Diese Kennenlernphase macht sie wesentlich sympathischer als sie einfach so am Wegesrand mit ein paar Erklärungssätzen aufzulesen. Wie schon erwähnt ist die Stärke der Dragon Quests nicht die übergeordnete Handlung, sondern die kleinen Geschichtchen auf dem Weg und das merkt man durch die kleinen Einstiegsquests der einzelnen Charaktere wirklich gut. Leider wurde in den westlichen Versionen die Party-Talk-Funktion entfernt, die einem die Charaktere noch etwas näher hätte bringen können.

Nach den jeweils nur wenige Stunden gehenden Kapiteln 1-4 kommt dann das Hauptquest in Kapitel 5, bei dem man endlich den Helden als Spielfigur übernimmt, das dann ungefähr noch mal so lang ist wie die ersten 4 zusammen. Wie erwähnt ist das eher die übliche DQ-Geschichte, über die man nicht viele Worte verlieren muss. Klassische RPG-Kost sozusagen. Schön ist dann allerdings noch das Bonuskapitel 6 der Remakes, in dem nicht nur einfach das obligatorische Bonusdungeon zu finden ist, sondern etwas Zusatzgeschichte zum Bösewicht des Spieles untergebracht wurde.

Im Gameplay erwartet einen eigentlich wieder keine große Überraschung. Man kämpft sich im rundenbasierten System mit bis zu 4 Charakteren durch die zufallsgenerierten Gegnerkämpfe. Ein Jobsystem wie in III gibt es hier nicht, wobei natürlich wie immer die einzelnen Charaktere einen der üblichen Jobs mehr oder minder wiedergeben. Der Ablauf ist dann auch typisch Dragon Quest. Man fragt in einer neu erreichten Stadt alle NPCs nach Hinweisen aus, in welchem Bereich der Weltkarte oder welchem Dungeon es nun weiter geht und zieht so von Station zu Station. Am besten mit einer kleinen Auflevelrunde in jedem neuen Gebiet, um es nicht allzu schwer zu haben. Klassische DQ-/RPG-Kost, besteht es weiterhin den Test der Zeit.

Zwei Neuerungen heben Dragon Quest IV dann allerdings doch hervor. Zum einen sind das KI gesteuerte Mitstreiter. Im Original konnte man selbst nur den jeweiligen Hauptcharakter des Kapitels steuern, alle anderen Gruppenmitglieder wurden von der KI übernommen. Im Remake kann man das an und aus stellen. Da ich persönlich lieber die volle Kontrolle habe, habe ich die KI-Option allerdings nie benutzt, kann also nicht sagen, wie gut sie geraten ist. Die andere Spezialität ist das Pferdegespann. Dank ihm hat man jederzeit alle Charaktere in der Hinterhand und kann so jederzeit aktive gegen passive austauschen, wenn es gewollt oder gebraucht wird. Zumindest überall da, wo das Pferdegespann mit hin kann, in den meisten Dungeons ist man also doch auf sein aktives 4er-Team angewiesen. Trotzdem wird das Spiel dadurch eine ganze Ecke angenehmer. Besonders wenn außerhalb der Dungeons gelevelt wird, da so auch passive Charaktere Erfahrungspunkte bekommen und man sie nicht für wenige Situationen, in denen sie eventuell gebraucht werden, nach leveln muss. Eine nette Bereicherung zu den üblichen Kniffen, die einem das Leben leichter machen, wie den Skills „Hintertür“ (Warp zum Eingang des Dungeons, falls man mitten drin stecken bleibt und weder vor noch zurück kann), „Teleportation“ (Warp zu einer schon besuchten Stadt, um das Backtracking gering zu halten) und „Pfiff“ (sofortiger Kampf ohne langwierig im Kreis laufen zu müssen). Alles drei Fähigkeiten, von denen es mir bis heute ein Rätsel ist, warum es sie nicht in jedem jRPG gibt.

Die optische Präsentation des Spieles richtet sich dabei am Remake für PSX, welches wiederum auf Dragon Quest VII beruht. Was am großen Bildschirm allerdings noch eines der kotzhässlichsten RPGs aller Zeiten war, kommt auf dem kleinen DS-Bildschirm recht hübsch rüber, da es kaum noch verpixelt etc. Eine grade Linie sucht man in der 3D-Umgebung zwar immer noch vergeblich, aber für ein DS-Spiel macht DQ4 doch eine recht hübsche Figur. Zudem werden die Lokalitäten über beide Bildschirme gezogen, was zwar in Ortschaften mit viel Bewegung hin und wieder zu leichten Slowdowns führt, aber in den Dungeons einen sehr guten Überblick verschafft – besonders dort, wo die Kamera auch in alle Richtungen gedreht werden kann, da man so auf beiden Bildschirmen oft den ganzen Stock überschauen kann. Zusätzlich lässt sich in den Städten auf dem oberen Bildschirm ähnlich der Oberwelt eine Gebietskarte einblenden, wodurch man die wichtigen Gebäude sofort im Überblick hat. Sehr hübsch sind wieder die 2D-Sprites der Gegner in den Kämpfen, die toll durchanimiert sind. Und das nicht nur bei den Angriffanimationen – die sogar je nach dem, welche Fähigkeit genutzt wird, unterschiedlich sind – sondern auch in den Standanimationen. In den Kämpfen sieht Dragon Quest IV definitiv am hübschesten aus.

Die Musik kommt wie immer von Koichi Sugiyama. Und er liefert das ab, was er immer für Dragon Quest abliefert. Einen netten Fantasy-Score, der perfekt in das Spiel passt. Ich persönlich gehöre allerdings zu denen, die abgesehen von ein paar besonders herausragenden Stücken dazu tendieren, die meisten seiner DQ-Tracks wieder zu vergessen, sobald sie das Spiel beendet haben.

Fazit:
Ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest. Es ist ein Sicherheitsnetz, wenn man einen Teil gut findet, kann man sich getrost auch weitere kaufen und wird mit mehr oder weniger allen glücklich werden können. Die Serie bleibt sich treu und bietet solide klassische RPG-Kost. Keine großen Innovationen, die ein Dragon Quest aber auch nicht haben muss, um sich zu beweisen und vom Konslen-RPG-Standard abzuweichen, da Dragon Quest den Standard erfunden hat.

Und so bietet auch Dragon Quest IV alles, was ein Fan von klassischer jRPG-Kost sich wünschen kann. Mit einer sogar etwas stärkeren Story als üblich und einigen netten Gameplay-Elementen, die das Spiel gerade im hübschen DS-Remake wesentlich flüssiger und zugänglicher machen, als einige ältere Teile. Raus gekommen ist damit eines der besten Spiel des Genres auf dem DS.

8 von 10 Punkten

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