Persona 3 FES

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 19.04.07 (J), 22.04.08 (US), 17.10.08 (EU)

Auf der PS2 hatte es Atlus irgendwie damit, dritte Teile ihrer MegaTens zu deren 10-jährigen Jubiläum raus zu bringen. Sowohl Shin Megami Tensei III als auch der dritte Devil Summoner und Persona 3 kamen ca. zum Subserien-Geburtstag heraus. Und sich ein Beispiel an den beliebten aufgemotzten Directors Cut/Final Mix/International etc. blabla Re-Releases anderer Firmen nehmend wurden die beiden verkaufsstärksten ebenfalls erneut aufgelegt: Shin Megami Tensei III: Nocturne Maniacs und Persona 3 FES.

Im Gegensatz zu besagten anderen Firmen brachten Atlus und Koei allerdings die verbesserte Version von Persona 3 auch in den Westen, obwohl schon die normale Version erschienen war. Eventuell hatte es was damit zu tun, dass es eben nicht einfach nur ganz billig ein paar zusätzliche Superbosse und ein Bonusdungeon o.Ä. hinzugefügt bekam, sondern einen ganzes neues Epilog-Spiel.

Direkt im Hauptmenü bekommt man auch schon die Auswahl zwischen „The Journey“ und „The Answer“ für diejenigen, die schon das Original gespielt haben und direkt mit dem neuen Teil fortfahren wollen.

Bei „The Journey“ handelt es sich komplett um das Persona-3-Original, allerdings etwas aufgemotzt: Ein paar neue zusätzliche Szenen mit den Charakteren; Aigis hat einen Social Link bekommen; die Social Links sind nun einfacher zu leveln; 23 neue Personae sowie Weapon Fusion und 44 neue Elizabeth Quests wurden hinzugefügt. Der Tartarus ist durch unterschiedlichere Gegner und alternative BGM-Auswahl weniger eintönig; ein paar Rüstungen ändern das Aussehen der Charaktere und wem Persona 3 für ein MegaTen viel zu einfach war darf neben Easy und Normal nun auch den Schwierigkeitsgrad Hard wählen.

Das sind wirklich nette kleine Ergänzungen, mehr aber auch nicht. Trotzdem war ich voll motiviert „The Journey“ noch mal komplett zu spielen – und das in Rekordzeit – obwohl ich erst vor einem halbem Jahr das Original gespielt hatte. So gut ist Persona 3. Für ein volles Review von „The Journey“ und den Gameplay-Grundlagen des ganzen Spieles verweise ich auf mein Review zum Original.

„The Answer“ ist der große Brocken an Epilog-Geschichte. Kurz nach dem Ende von „The Jounrey“ finden sich die Charaktere plötzlich in ihrem Wohnheim gefangen und auch die Zeit scheint nicht weiter zu laufen – es ist immer der gleiche Tag. Zu allem Überfluss tut sich unter dem Wohnheim auch noch ein neues Dungeon voller Shadows auf und ein weiterer Android, der behauptet Aigis Schwester zu sein und sie vor den anderen schützen zu wollen, greift sie an.

Die Geschichte ist definitiv das Sahnestück von „The Answer“. Es fängt direkt spannend an, gibt über den Spielverlauf zusätzliche Hintergrundinfos zu den Charakteren und beendet die ganze Persona-3-Story mit einem wirklich schönen Schluss, in dem die Ereignisse aus „The Journey“ endlich von den Charakteren verarbeitet werden können. Leider werden ein paar Dinge durch das reichliche Forshadowing ihres Überraschungseffektes beraubt.

Das Gameplay hingegen hat einen kleinen Dämpfer bekommen. Dadurch, dass man im Wohnheim eingeschlossen ist, gibt es natürlich keinerlei soziale Kontakte in die Außenwelt, also auch keine Social Links. „The Answer“ ist ein reiner Dungeon Crawler durch die 7 zufallsgenerierten Bereiche des Abyss of Time. Hieran merkt man dann auch, dass ein Großteil der Motivation und des Spaßes an „The Journey“ wirklich von der Ausgewogenheit zwischen Dungeon Crawling und Social Sim kommt – wenn eines davon entfernt wird macht das Spiel schon gleich nur noch halb so viel Spaß und fesselt nicht mehr so lang vor der Konsole.

Zwei weitere Dinge, die aus absolut unerfindlichen Gründen wegrationalisiert wurden, sind die Auswahl des Schwierigkeitsgrades und das Persona Kompendium. Wenn eine Persona weg fusioniert wird ist sie weg, man kann sie nur wieder bekommen, wenn sie in der Shuffle Time erneut entdeckt bzw. neu fusionieren werden kann. Und muss sie eventuell erneut leveln, wenn sie gewisse Skills wieder haben soll. Dafür sind die Fusionen nun allerdings einfacher, jede Persona kann über Zweier- und Dreier-Fusionen erschaffen werden. Man gewöhnt sich zwar mit der Zeit daran, aber das praktische Kompendium, das alle anderen PS2-Teile der Serie haben, zu entfernen kommt doch etwas arg unnötig gemein rüber.

Ein weiterer Dämpfer der Motivation zum Dungeon Crawling ist der Schwierigkeitsgrad. Wie gesagt kann er nicht ausgewählt werden und eingestellt ist „The Answer“ auf Hard. Zusätzlich ist der Einstieg auch etwas schwer, da man auf Level 25-30 startet. Die Schwierigkeitskurve bei MegaTens ist nun meist so, dass sie zur Mitte hin am schwersten sind, wenn die ersten schweren Gegner auftauchen das eigene Team aber noch nicht ganz mithalten kann, und wird zum Ende hin, wenn die Super-Dämonen/Personae mit entsprechenden Skills verfügbar sind eher wieder leichter. Von daher steigt man bei „The Answer“ ungefähr da ein, wo der Schwierigkeitsgrad gewöhnlich seinen Anstieg hat. Durch den höheren Schwierigkeitsgrad fallen gelegentliche Dummheiten in der Mitstreiter-KI nun auch häufiger auf.

Nach Eingewöhnung in den Schwierigkeitsgrad und sobald die ersten Bereiche des Abyss of Time geschafft sind, wird es dann allerdings angenehmer. Vorausgesetzt man levelt zwischen den Bereichen immer wieder etwas, um mit den Gegnern mithalten zu können. Der eine oder andere Tod lässt sich natürlich trotzdem manchmal nicht vermeiden.

Wesentlich anstrengender sind da schon die Endgegner, von denen es pro Bereich 2 gibt, die in der Regel aber nie mehr als 10 Stockwerke voneinander entfernt sind, so dass der Weg nicht zu anstrengend wird. Zudem kann vor ihnen gespeichert werden, bei einem Game Over muss der Weg also nicht erneut gegangen werden. Sich raus und wieder rein warpen, um komplett geheilt da zu stehen, geht allerdings nicht mehr.

Trotzdem werden die Endgegner zu einem relativen Frustfaktor, da simples Glück oft einen nicht unbeachtlichen Faktor spielt. Selbst mit der richtigen Taktik aufzutrumpfen kann einen nicht weit bringen, wenn der Bossgegner gerade mal fies sein wollte. Es kann durchaus vorkommen, dass man mehrere Male innerhalb kurzer Zeit in Grund und Boden gestampft wird, nur um beim dritten Versuch oder so plötzlich leichtes Spiel zu haben. Gerade bei denen mit einer Weakness hängen Sieg oder Niederlage häufig schlichtweg davon ab, wie oft ihr dazugehöriger Evade Skill funktioniert. Nichts gegen eine Herausforderung, aber der Glücksfaktor war für meinen Geschmack bei einigen Bossen doch zu hoch gesetzt. Dank ihnen bin ich in „The Answer“ auch häufiger gestorben, als das bisher in jedem anderen PS2-MegaTen der Fall war. Wobei ich zugegebenermaßen auch noch nie eines im Hard Modus gespielt habe.

Fazit:
Wer Persona 3 noch nicht besitzt, dem sei auf jeden Fall der Griff zu Persona 3 FES angeraten – „The Journey“ ist eines der besten RPGs der letzten Jahre und in dieser Version sogar noch mit netten Extras und einer Epilogstory versehen.

Wer das Original allerdings schon besitzt sollte sich vorher eventuell überlegen, ob ihm weitere 25-30 Stunden reines Dungeon Crawling ohne den Social Sim interessant genug klingt. Ich habe es, nachdem ich über den schweren Einstieg hinaus war und mich an den doch etwas anderen Groove von „The Answer“ gewöhnt hatte, nicht bereut. Die Beendigung der kompletten Geschichte war es definitiv wert und das Dungeon Crawling macht nach der Eingewöhnung außerhalb der Bosse auch in Etappen immer wieder Spaß. Insgesamt halt leider nur halb so viel wie bei „The Journey“.

The Journey: 9 von 10 Punkten

The Answer: 7 von 10 Punkten

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