Harvest Moon

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 09.08.96 (J), 1997 (US), 29.01.98 (EU)

Ach ja, das Jahr 1996… als 16bit noch aktuell war. Simplere Zeiten mit weniger Game-Releases von denen man sich als Kind mit begrenztem Taschengeld sowieso nur hin und wieder eines leisten konnte. Und das Jahr in dem Natsume den ersten Teil ihrer mittlerweile zur gemolkenen Haupteinnahmequelle mutierten Farm-Sim-Serie Harvest Moon aufs SNES brachten. Ein Spiel, das mich zum treuen Käufer der Serie machte, bis A Wonderful Life sie mir verdorben hat. Da ich es erst kürzlich in einem Nostalgie-Flash erneut gespielt habe, nehmen wir doch mal auseinander, wie gut es nach all den Jahren noch Stand hält.

Story gibt’s im Prinzip keine. Jemand vermacht euch eine runtergekommene Farm und nun ist es am Spieler diese in 2 1/2 Jahren wieder aufzubauen. Wer, was, wie, warum bemüht sich das Spiel nicht wirklich, einem zu erzählen – eventuell stand das in ein paar Absätzen im Handbuch – ist aber auch nicht nötig. Harvest Moon ist eine Lebenssimulation, und für die braucht man keine Hintergrundstory. Interaktion mit den NPCs und kleinere Events über den Spielverlauf sind allerdings ganz nett gemacht.

Was zu Beginn am stärksten auffällt, wenn man als Spieler der späteren Teile zum Erstling zurückgeht, ist der extreme Minimalismus des Spieles. Viele Ergänzungen und Erweiterungen der späteren Teile gibt es hier natürlich noch nicht. Die Welt ist auf die drei Hauptlocations so ziemlich aller Teile begrenzt: Farm, Dorf und Berg.

Die Arbeiten auf dem Farmland sind eigentlich die gleichen wie immer: Man säubert es von Unkraut, Felsen und Baumstümpfen und kann anfangen es zu bepflanzen. Wobei hier allerdings nur im Frühling und Sommer Feldfrüchte wachsen und jeweils nur zwei Sorten. Dazu kommt dann noch Gras fürs Füttern der Tiere. Die kann man sich natürlich erst später leisten und auch hier gibt es nur zwei verschiedene Arten: Hühner und Kühe.

Ausgebaut werden kann lediglich das Haus und durch die Ausbauten kann auch nicht mehr darin gemacht – das Kochen der späteren Teile gibt es noch nicht – sondern lediglich um die Hand einer der Dorfschönheiten angehalten werden, wenn man der Auserwählten denn passende Geschenke gemacht hat.

Auf dem Berg gibt es im Prinzip noch nichts zu tun, außer Holz zu hacken, sich in der Quelle zu entspannen und diverse wilde Verkaufsgüter zu sammeln. Eine Miene ist nämlich ebenfalls noch nicht vorhanden. Immerhin kann man Angeln, einen Fisch dran zu bekommen dauert allerdings länger, als es das wert ist.

Im Dorf sind die Geschäfte und die Mädels, die umworben werden können. Außerdem werden, abgesehen vom Sommer, in jeder Jahreszeit 2 Feste veranstaltet.

Und das war es auch schon. Harvest Moon ist ein Spiel, das schnell in den gleichen Trott verfällt. Aufstehen; Feldfrüchte ernten, nach sähen und gießen; den Hof säubern und der Auserwählten ein Geschenk machen. Später, wenn man verheiratet ist, der Hof auf Vordermann gebracht wurde und man Tiere hat ist der Trott dann: Aufstehen, Feldfrüchte ernten, nach sähen und gießen; Gras mähen; die Tiere versorgen. Im Herbst und Winter minus die Feldfrüchte, plus Holz hacken.

Klingt langweilig, ist es auch, oder auch nicht. Das ist von Spieler zu Spieler nun mal unterschiedlich. Ich kann die Leute schon verstehen, denen ein Harvest Moon durch die immer gleichen Aktivitäten zu langweilig wird. Bei mir ist das aber nicht der Fall. Ich genieße es mal eine Auszeit von hektischeren Spielen zu nehmen und bei einem Harvest Moon mich in einem schon fast meditativen gleichen Spielablauf zu entspannen.

Zumal das erste Harvest Moon auch nicht ganz so lang ist, wie die späteren Teile. Nach 2 1/2 Jahren ist wie gesagt Schluss und ein einzelner der 30 Tage pro Jahreszeit ist auch nur ein paar Minuten lang. Später, mit vielen Tieren in den Ställen, in denen die Zeit stoppt, etwas länger. Insgesamt vergeht ein Tag aber doch erstaunlich rasch, wodurch nicht so sonderlich viel getan werden kann, besonders zu Beginn. Es sei den man bemerkt, dass ab 6 Uhr abends die Zeit stehen bleibt und es erst der nächste Morgen wird, wenn zu Bett gegangen wird – man also in der Nacht unbegrenzt Zeit zur Verfügung hat. Das hilft beim etwas überwältigenden Beginn etwas.

Der Zahn der Zeit hat etwas am ersten Teil genagt, da es insgesamt doch nur wenig zu tun gibt. Ein paar Dinge, wie z.B. der Rucksack, in dem mehrere Dinge verstaut werden, anstatt nur 2 Werkzeuge rum tragen zu können und jedes aufgenommene Item einzeln in die Verkaufsbox tragen zu müssen, ist schon praktisch. Oder nur zwei Jahreszeiten mit Feldfrüchten und auch nur 2 Sorten zur Verfügung zu haben. Ein paar Aktivitäten mehr wären bestimmt ganz schön gewesen, sobald ich mich aber über die ersten Spieltage daran gewöhnt hatte, fand ich es gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenzug eignet sich Harvest Moon nämlich perfekt dafür es auch immer mal wieder in kleineren Stücken zwischendurch zu spielen, da man noch nicht so viele verschiedene Dinge im Voraus planen muss, wie das in späteren Teilen der Fall ist. Man kommt halt immer wieder sehr schnell gut rein. Zumal ich bei späteren Spielen, mit ihren vielen Nebentätigkeiten, die man tun kann, einiges sowieso nie mache. Rezepte zu sammeln und Kochen oder 250 Stockwerke einer Miene zu durchforsten tue ich zumindest sowieso nie.

Für besonders tolle technische Performance ist die Serie nicht bekannt, und da macht der Erstling auch keine Ausnahme. 1996 war relativ spät in die SNES-Ära, wodurch nichts wirklich schlecht aussieht, aber wirklich überragende Grafik bekommt man nun auch wieder nicht geboten. Die kleinen Animationen des Farmers und der Tiere sind allerdings ganz niedlich. Auch mag ich den Kleinigkeiten in den Jahreszeiten wie die Schatten der vorbeiziehenden Wolken im Sommer, Fußabdrücke im winterlichen Schnee und diverse wilde Tiere, die auf Farm und Berg aufgescheucht werden können.

Die Musik hingegen ist ziemlich schlecht. Es spielen sowieso ständig die gleichen 5 Melodien, die zwischen nervig und unauffällig eingeordnet werden können und die man zum Glück mit der Zeit auch gar nicht mehr wahrnimmt.

Fazit:
Wer nichts für Lebenssimulationen, in denen man ständig den gleichen Alltagstrott spielt, übrig hat, hält sich am besten fern. Wem das Genre allerdings gefällt, sollte Harvest Moon durchaus mal eine Chance geben. Natürlich ist der Erstling etwas stark begrenzt in den Dingen, die gemacht werden können, aber es ist auch mal erfrischend anders nicht mit lauter Nebenereignissen zugemüllt zu werden. Das Grundgameplay der Farmarbeit und eine Frau zu umwerben ist solide wie immer. Und da es auf der Virtual Console verfügbar ist, ist es auch nicht teuer oder schwer ran zu kommen.

7 von 10 Punkten

Werbeanzeigen