Secret of Mana

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 06.08.93 (J), Okt.93 (US), 24.11.94 (EU)

Oh ja, die Seiken-Densetsu-Serie. Eine bewegte Geschichte. Kleine Anfänge als Final-Fantasy-Spinoff auf dem Handheld, dann ein allseits geliebter Teil auf dem SNES, gefolgt von einem Japan-only-Spiel, welches dank Emulation und Fantranslation nachträglich im Westen auch ordentlich Fans gewonnen hat und dann über mehr oder weniger qualitative Spinoffs bis zur finalen Kreuzigung im gefloppten vierten Teil auf der PS2.

Doch hier geht es um Secret of Mana, dem zweiten Teil, also dem Hoch der Serie. Was habe ich ihn als kleiner Stöpsel zu SNES-Zeiten geliebt. Nicht das man damals als Pal-Spieler, der zu jung für Importe und englische Bildschirmtexte ist und in Zeiten vor dem Internet alle relevanten Infos aus so Käseblättern wie dem Nintendo-Magazin holte, wirklich eine große Auswahl gehabt hätte.

Die Geschichte war bei Action-RPGs in den frühen 90ern noch nicht so wichtig und das bemerkt man bei Secret of Mana auch. Mana ist eine unglaublich große Kraft, die schon früher durch ihren Missbrauch zum Untergang führte und nun soll sich die Geschichte dank den Ambitionen eines Imperiums wiederholen. Doch zum Glück stolpert ein Junge über das heilige Schwert um den Kampf für die Rettung der Welt aufzunehmen. Schon in den ersten paar Spielstunden bekommt man eigentlich alle wichtigen Storypunkte und Charaktere vorgeführt, der Rest ist dann im Prinzip ein Abklappern der 8 Mana-Tempel rund um den Globus bis sich zum Finale gerüstet wird.

Trotzdem ist die Geschichte von Secret of Mana insgesamt nicht schlecht. Sie ist das, was ich zweckdienlich nennen würde. Es ist genug da, damit eine Motivation besteht, sich durch die Welt zu kämpfen, die Mana-Samen zu versiegeln und die Mana-Festung zu erklimmen. Genug Grundlage zum Weitertreiben ist da, ohne mit viel langweiligem Text vollgemüllt zu werden. Viele heutige Spiele könnten sich an so was ein Beispiel nehmen.

Als Action-RPG findet das Gameplay natürlich in Echtzeit statt. Gegner sind im Gebiet sichtbar und man schlägt sich so ohne langwierige Wechsel in separate Kampfbildschirme durchs Spiel. Der Clou an Secret of Mana ist, dass der Junge nicht alleine bleibt, sondern recht zügig noch zwei Mitstreiter einsammelt, die ihn unterstützen. Sie werden von der KI gesteuert, es kann allerdings jederzeit zwischen ihnen hin und her geschaltet und so selbst gewählt werden, wer gerade vom Spieler gesteuert wird. Zudem hat das Spiel einen Multiplayer und so können bei zwei oder sogar drei vorhandenen Controllern die Mitstreiter sogar von Freunden übernommen werden. Was auch ganz gut wäre, denn unter KI-Steuerung haben sie leider ein paar Macken. Zwar kann ihr Verhalten selbst zwischen Passiv und Aktiv mehrstufig eingestellt werden, aber irgendwie fallen sie immer in eines von beiden extremen in ihren Handlungen: Entweder weichen sie den Gegnern total passiv aus oder versuchen total aggressiv alles kurz und klein zu schlagen, was in ihr Blickfeld kommt. Zudem bleiben sie bei engen Gängen, Treppen, Plateaus etc. gerne an Ecken hängen. Was dahingehend ein Problem ist, als das man nicht weiter laufen kann, wenn ein Mitstreiter noch am entgegengesetzten Bildschirmrand hängt. Hängt er also mal wieder irgendwo fest, greift einen Gegner an, den man eigentlich umgehen wollte oder wurde von einem Gegner kurz bewusstlos geschlagen, ist nichts mit weiter laufen. Ein weiterer kleiner Makel, der mir auffiel ist, dass der Bildschirm auch erst sehr spät weiter scrollt. Die Spielfigur muss wirklich sehr nah am Rand sein, was dazu führt, dass man schon mal unverhofft einem Gegner in die geöffneten Arme läuft, bevor man ihn bemerkt.

Eine weitere Eigenheit ist das Aufleveln und Aufladen von Waffen und Zaubern. Mit jedem Waffenorb und Mana-Samen, den man findet, können Waffen und Zauber um ein Level erhöht werden – per Benutzung. Zusätzlich startet nach jedem Schlag mit einer Waffe ein Zähler bei 0%, erst wenn er wieder auf 100% ist, macht die Waffe den gewohnten Schaden. Geht relativ schnell und soll Button-Mashing verhindern. Wodurch das Gameplay allerdings von Button-Mashing nur zu einem Hit and Run wird. Hält man den Attack-Button gedrückt, kann die Waffe sogar auf 200, 300 etc. Prozent gebracht werden – Maximum ist das aktuelle Level der Waffe. Das sind wirklich nette Feinheiten, die das kampflastige Gameplay davor bewahren ein reiner Button-Masher zu werden. Zum Glück sind die Waffen eigentlich immer gut mit gelevelt, wenn die Charaktere immer die gleichen benutzen. Will man die Zauber aktuell halten, müssen allerdings einige langweilige Stunden in deren Leveln investiert werden. Was auch angeraten ist, sie müssen zwar nicht ständig auf dem höchst möglichen Level sein, aber wenn man sie zumindest hin und wieder etwas hoch stuft, wird das Spiel um einiges einfacher – vor allem die Bosskämpfe.

Technisch ist das Spiel für das Jahr 1993 wirklich gut. Viele unterschiedliche und hübsch ausgearbeitete Locations und auch bei den Dungeons wird immer mal ein thematisch anderes zwischen zwei gleich aussehende Mana-Tempel gelegt. Zudem gibt es ein paar nette Rätsel mit Bodenschaltern, zu aktivierenden Orbs oder das Schwingen über einen Abgrund, um das Vorankommen zu gewährleisten. Wobei mir aber ein Teil gegen Ende des Spieles so vorkam, als hätte man um das Spiel zur Deadline fertig zu bekommen etwas kürzen müssen. Die letzten 3 Mana-Geister kommen doch wesentlich schneller hintereinander, als üblich und deren Tempel sind eigentlich überhaupt nicht der Rede wert. Die Musik ist auch immer schön passend, häufig werden sehr fröhliche Melodien benutzt, wenn es die Situation fordert gibt’s aber auch sehr atmosphärische und mystische Töne.

Fazit:
Ein Highlight zu SNES-Zeiten hat Secret of Mana seinen Charme zwar nicht verloren, aber durch den Zahn der Zeit doch etwas vom Glanz einbüßen müssen. Unterm Strich bleibt immer noch ein interessantes und spaßiges Action-RPG der Oldschool Gangart, das aber leider an einigen kleinen Makeln zu leiden hat.

7 von 10 Punkten

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