Dragon Quest: Die Hand der Himmelsbraut

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 17.07.08 (J), 16.02.09 (US), 20.02.09 (EU)

Lange musste man im Westen auf ein offizielles Release von Dragon Quest V warten. Nach immer weiter schwindenden Verkaufszahlen der Vorgänger, schloss Enix of America seine Pforten und somit auch das eigentlich für ein Release geplante Dragon Warrior V auf dem SNES. Auch eine Veröffentlichung des technisch sehr schwachen PS2-Remakes war nahe am Release von Dragon Quest VIII keine lukrative Aussicht. Fans arbeiteten natürlich für beide Versionen an einer inoffiziellen Übersetzung, doch eine legale übersetzte Version kam erst durch die Remakes der ganzen Zenithia-Trilogie auf dem DS in den Westen.

Die Geschichte ist diesmal sogar ein kleines Glanzstück des Spieles, statt nur Nebensache. Oder besser gesagt die Art und Weise, wie sie erzählt wird, da sie sich etwas das Generationssystem von Phantasy Star III abschaut, aber diesmal gut umsetzt. So begleitet man hier den Hauptcharakter durch einen Großteil seines Lebens. Startend mit ihm als Kind, das mit seinem Vater durch die Welt reist; nach einem Zeitsprung von 10 Jahren dann bis er eine von 3 möglichen Frauen ehelicht und Kinder bekommt und zum Schluss wieder knappe 10 Jahre später, um mit der ganzen Familie im Team den Bösewicht, der die Welt bedroht, zu vernichten.

Das führt dazu, dass man sich wesentlich besser mit den Charakteren identifizieren und den einzelnen Schicksalen mit leben kann, als das bei den anderen Teilen der Serie der Fall ist. Selbst viele Charaktere, die nur für ein paar Sidequests in einem der Lebensabschnitte hinzukommen, wirken besser ausgearbeitet, als so mancher Hauptcharakter der früheren Teile. Zusammen mit vielen kleinen ingame Szenen erinnert das Storytelling von Dragon Quest V definitiv mehr an ein 16bit Final Fantasy, denn ein typisches Dragon Quest.

Am Gameplay wurde wie immer kaum geschraubt. Man läuft auf der Oberwelt von Ortschaft zu Ortschaft, fragt dort alle NPCs nach Richtungsangaben zum nächsten Ort oder Dungeon, in dem etwas zu erledigen ist und führt seinen Weg fort. Kämpfe sind gewohnt klassische, rundenbasierte Kost. Auch der Pferdewagen, der auf der Oberwelt immer und selbst in manchen Dungeons mit dabei ist, in dem man 4 weitere Mitstreiter als ständig auswechselbare Reserve dabei hat, ist wieder mit von der Partie. Gespeichert wird in Kirchen und ein Game Over gibt es nicht, sondern der Spielfortschritt nach einem Tod komplett erhalten und einem wird nur die Hälfte des Geldes abgezogen – sollte man es nicht in einer Bank aufbewahren.

Soweit das übliche Dragon-Quest-Gameplay. Zwei Besonderheiten offeriert Dragon Quest V dann allerdings doch. Zum einen werden ständig die Mitstreiter Story bedingt ausgetauscht und bis kurz vor Spielende sind eigentlich nicht genug menschliche Charaktere da, um das komplette 4er-Team zu füllen. Die freien Stellen können hier ganz a la Megami Tensei mit Kämpfern aus den Gegnerreihen besetzt werden. Die Rekrutierung ist dabei wenig komplex und genau genommen nicht wirklich in der Hand des Spielers: Gewisse Gegner können sich nach der Beendigung des Kampfes zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit dazu bereit erklären, sich dem Helden anzuschließen. Der Spieler kann also lediglich entscheiden, ob er das Angebot annimmt oder nicht, aber seine Chancen der Rekrutierung im Prinzip nicht erhöhen – höchstens so lang in einem Gebiet Zufallskämpfe bestreiten, bis der gewollte Gegner sich endlich anschließt.

Die zweite Besonderheit ist der hohe Rätselanteil in den Dungeons. Im Vergleich mit dem Rest der Serie gibt es überproportional viele, in denen ein kleines Puzzle gelöst, Bodenplatten richtig betreten, Schalter umgelegt etc. werden müssen, um weiter zu kommen. Es ist zwar immer sehr offensichtlich, was getan werden muss und somit keine große Denknuss dabei, trotzdem sorgt es für eine nette Abwechslung, anstatt einfach geradlinig bis zum Endgegner/Item zu stapfen und nur von Zufallskämpfen behindert zu werden.

Grafisch gehört Dragon Quest V mit zum Besten, was man auf dem DS zu sehen bekommen wird. Die zugrunde liegende Engine ist die gleiche wie schon bei IV, doch scheint man sich nun richtig in sie eingearbeitet und noch etwas Feintuning betrieben zu haben. So wirken die 3D-Umgebungen noch etwas weniger pixelig und die 2D-Gegner-Sprites sind mit die bestanimierten, die es in einem RPG je zu sehen gab. Auch werden viele der wichtigeren Ereignisse im Spiel von einer kleinen, aber sehr hübsch anzusehenden Sequenz in ingame Grafik begleitet.

Die musikalische Untermalung des Abenteuers ist wie immer von Koichi Sugiyami und wie immer liefert er einen sehr passenden Fantasy-Score ab. Abgesehen von den üblichen Trademark-Tracks, die in fast jedem Teil vor kommen, ist das aber alles wieder etwas, was zumindest ich persönlich als gut ins Spiel passend, aber nicht lange nach Beendigung des Spieles erinnerungswürdig einordne.

Fazit:
Zu Dragon Quest IV habe ich „Ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest“ geschrieben, da sich die Teile immer sehr gleichen. Und zu einem gewissen Grad trifft das natürlich auch wieder auf DQV zu, bekommt man doch auch hier das übliche klassische oldschool Gameplay der Serie geboten. Zusätzlich schaut V jedoch etwas über den eigenen Serien-Tellerrand hinaus, schielt was Storytelling angeht Richtung Final Fantasy und Phantasy Star III und würzt das übliche Gameplay ein wenig mit MegaTen. Das Ergebnis ist ein gewohnt gutes Dragon Quest mit der gewissen speziellen Würze. Und somit stößt für mich der zweite Teil der Zenithia-Trilogie nun seinen Vorgänger vom Thron der DS-RPGs.

9 von 10 Punkten

Werbeanzeigen