Glass Rose

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 06.11.03 (J), 26.03.04 (EU)

Point & Click Adventures waren auf Konsole immer rar gesät, hauptsächlich weil es sich ohne Maus nicht so gut steuern lässt. Sicherlich gab es ein paar Ports, aber wer hat die schon gespielt, wenn man sie auch auf dem PC wesentlich einfacher steuern konnten. Wie wenigen Konsolen-Ausnahmen waren lediglich vereinzelt Spiele wie „D“ oder die „Clock Tower“ Serie. Mittlerweile ist das Dank der Steuerungsmechanik von Wii und DS wieder was ganz anderes und gerade auf dem DS hat sich Cing mit Another Code und Hotel Dusk einen Namen gemacht. Ihr erstes Point & Click Adventure war allerdings bereits auf der PlayStation 2 Glass Rose.

Takashi ist ein junger Zeitungsjournalist und hat gerade einen Artikel über eine ungeklärte Mordserie in den 30ern geschrieben, als er Besuch von einem Nachfahren eines darin involvierten Menschen bekommt. Und da man hübschen Mädchen immer hilft, gibt er ihrer Bitte nach, die Villa in der der Mord geschah, mit ihr aufzusuchen. Prompt fällt Takashi durch einen Zeitriss in das Jahr 1929, kurz nachdem der erste Mord stattgefunden hat und sich die Familie des nun toten Hausbesitzers für die in wenigen Tagen anberaumte Verlesung des Testaments sammelt. Takashi wird von ihnen seltsamerweise für den unehelichen Sohn Kazuya gehalten. Was ihm immerhin die Chance gibt sich frei in der Villa zu bewegen und den Täter der um ihn stattfindenden Morde zu entlarven, in der Hoffnung irgendwie auch wieder einen Weg nach Hause zu finden.

Soviel zur Story, einem der wichtigsten Punkte in einem Point and Click Adventure. Das Konzept an sich ist nicht schlecht. Praktisch ein Cluedo in den 30ern. Neben der Mordserie stolpert Takashi allerdings anfänglich über immer mehr Geheimnisse, die mit der Villa und der in ihr lebenden Familie zu tun haben. Letztendlich gibt es eine Menge Geheimnisse, die aufgeklärt werden wollen, in der Hoffnung irgendwann auch hinter das des Mörders zu kommen.

Das Spiel ist in 5 Kapitel und die Kapitel wiederum in mehrere einstündige Zeitabschnitte unterteilt. Und diese laufen in Echtzeit ab. Wenn man also um 3 Uhr Nachmittag beginnt, muss man bis 4 Uhr Nachmittags alle für das Vorrankommen nötigen Dinge erledigt haben, um nicht zu scheitern. Im Gegensatz zu D oder Dark Seed sieht man allerdings zum Glück nicht sofort ein Game Over. Takashi hat Mentality Points, die beim Scheitern eines Zeitabschnittes verringert und Takashi an dessen Anfang zurückgesetzt werden. Mit allen schon erledigten Sachen immer noch vorhanden, sie müssen also nicht erneut gemacht werden. Trotzdem sollte man sich nicht allzu häufig darauf verlassen, da Mentality Points auch beim Scheitern in den (sehr wenigen) Quick Time Events und beim für den Storyverlauf hin und wieder unabdingbaren Lesen der Gedanken von Charakteren verbraucht werden. Ja, Takashi hat plötzlich seltsamerweise die Fähigkeit bekommen Gedanken zu lesen, um unkooperativen Charakteren ihre Geheimnisse entlocken zu können.

Ein weiteres Gimmick im Spiel ist die Art und Weise, wie Gespräche ablaufen. Anstatt das ein Charaker ein paar Sätze sagt und nun ausgewählt wird, was Takashi darauf antworten soll, können gewisse Bruchstücke des Gesagten markiert und die Gespräche so in die Richtung der gewünschten Thematik gebracht werden. In der Regel ist dies recht einfach, da ein Gespräch sich nicht weiter bewegt, wenn man unrelevante Dinge hinterfragt, man bekommt lediglich ein paar Zusatzinformationen. Läuft das Gespräch weiter und wird beendet, wurde definitiv über alle wichtigen Informationen gesprochen.

Dadurch, dass sich ein Zeitabschnitt erst zum nächsten bewegt, wenn alle nötigen Dinge getan sind und Gespräche nur dann beendet werden, wenn über alles nötige geredet wurde, wird das Spiel allerdings auch extrem linear und einfach. Man kann einfach nirgendwo etwas falsch machen. Höchstens die Quick Time Events wiederholt verlieren oder den Zeitabschnitt wiederholt nicht schaffen, bis keine Mentality Points mehr übrig sind und ein Game Over erscheint. Was aber mehr als unwahrscheinlich ist.

Denn Puzzle gibt es im ganzen Spiel keines. Selbst schlichtes Suchen von Items ist recht rar gesät und besteht in der Regel höchstens hin und wieder daraus einen Schlüssel zu einem verschlossenen Raum zu suchen oder einen Gegenstand für einen Charakter zu holen, damit derjenige wieder mit einem spricht. Neunzig Prozent des Spieles besteht tatsächlich nur daraus Takashi von einem Charakter zum nächsten zu karren und sich durch deren Gespräche zu fummeln.

Selbst herauszufinden zu welchem Charakter man als nächstes muss oder in den ganz wenigen Fällen einer Schlüsselsuche kann man nur selten falsch liegen, weil einem die meiste Zeit Charaktere auch noch direkt erzählen, wo es sich zu suchen lohnen könnte oder wo ein anderer Charakter nach Takashi gesucht hat. Wodurch letztendlich auch fast nie die eine Stunde zu kurz sein wird, da nicht langwierig unnötig durch die Gegend gelaufen werden muss.

Was das Gameplay aber im Endeffekt sehr langweilig macht. Keine Rätsel, seltenes Einsammeln von Items, immer direkt gesagt bekommen, wo es weiter geht. Wirklich nur ewig lange Gespräche mit den diversen Charakteren führen. Glass Rose ist fast mehr Visual Novel denn Point & Click Adventure. Was noch nicht mal so schlimm wäre, wenn die Gespräche interessant wären. Aber die meiste Zeit reden die Charaktere einfach ewig, ohne wirklich viel von Interesse zu sagen. Es gibt zwar diverse Geheimnisse zu lösen, aber selbst gegen Ende vom Spiel, wenn diese endlich ans Licht kommen, wird das über sehr langweilig geschriebene Gespräche geführt.

Es passiert einfach im ganzen Spiel nichts – abgesehen von einem Mord am Ende jedes Kapitels. Und selbst die Auflösung der meisten Geheimnisse ist nicht nur langweilig geschrieben sondern auch sehr unzufrieden stellend. Ganz zu schweigen davon, dass man sich das Meiste schon denken konnte, lange bevor unser tolle Journalist Takashi auch nur die geringste Ahnung hatte.

Visuell ist das Spiel passabel. Die vielen eingestreuten FMVs sehen ziemlich gut aus. Ingame besteht es allerdings aus 3D-Modellen auf vorgerenderten Hintergründen. Beides sieht jeweils ganz ok aus, passt aber nicht zusammen. Die 3D-Modelle stechen einfach zu stark aus den komplett anders kolorierten Hintergründen heraus und wirken in manchen Blickwinkeln auch perspektivisch total falsch.

Musik… Musik… ich glaub es gab welche, aber sie ist so vergessenswert, dass ich mich nicht an sie erinnere. Wenn man extrem nett sein will, kann man sie immerhin atmosphärisch nennen, allerdings läuft das ganze Spiel über eigentlich das gleiche, was auch nicht sehr spannend ist. Das englische Voice Acting ist zudem ebenfalls sehr unterdurchschnittlich geraten.

Fazit:
Glass Rose ist einfach ein durch und durch langweiliges Spiel. Es gibt vom Gameplay her eigentlich nichts zu tun außer Takashi von einem extrem langweiligen und oft langwierigen Gespräch zum nächsten zu karren, bis irgendwann alle Rätsel mehr als dürftig aufgeklärt sind.

3 von 10 Punkten

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