Zone of the Enders: The 2nd Runner

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 13.02.03 (J), 10.03.03 (US), 26.09.03 (EU)

Das erste Zone of the Enders hat zusammen mit The Bouncer immer etwas den Ruf weg, eine glorifizierte PS2-Tech-Demo zu sein, da es zwar verdammt gut aussieht, mit gerade mal 5 Spielstunden, von denen Hideo Kojima üblich auch noch die gefühlte Hälfte Cutscenes sind, eher wie ein interaktiver Movie daher kommt. Zumal die Story auch noch ausgerechnet dann mit einem Cliffhanger endet, wenn sie endlich anfängt interessant zu werden. Letztendlich musste man 2 Jahre warten, bis nach den das ZoE-Universum erweiternden zwei Animes und einem GBA-Game endlich die richtige Fortsetzung ihren Weg auf die PS2 fand.

Seit dem Ende des Vorgängers ist einige Zeit vergangen. Dingo, ehemaliger Elitepilot von Bahram, hat der Organisation den Rücken gekehrt und schlägt sich nun als Minenarbeiter auf dem Mond Callisto durch. Wie das Schicksal so will hat Leo den Orbital Frame Jehuty genau dort versteckt und Dingo stolpert über ihn, als Bahram angreift, um selbst Jehuty in die Finger zu bekommen. Auf kurz oder lang wird er von ihnen gefangen genommen und direkt mal von seinem ehemaligen Vorgesetzten erschossen. Die Pilotin Ken, die sich als Spion in den Reihen Bahrams outet, rettet ihm das Leben, in dem sie Jehuty alle lebensnotwendigen Systeme Dingos steuern lässt und ihn mit Jehuty in den Kampf gegen Bahram schickt. Der eigentlich nicht sehr bereitwillige Dingo ist quasi zur Kooperation gezwungen, kann er doch nun ohne Jehuty nicht überleben. Nie wieder Pinkelpausen.

Die Geschichte ist definitiv wesentlich besser als noch im Vorgänger. Dessen Vorkenntnisse sind nicht zwingend nötig, gibt es im Menü doch extra einen Punkt, über den man einen Zusammenschnitt der wichtigsten Plotpunkte zu sehen bekommt. Wo ZoE noch wie das Nachspielen der ersten paar Prolog-Episoden eines Mecha Animes schien und mit einem Cliffhanger genau dann endete, als es anfing spannend zu werden, erzählt ZoE2 endlich den spannenden Teil der Story. Zudem ist der sarkastische und Kampfgebeutelte Dingo ein wesentlich interessanterer und sympathischerer Charakter als das weinerliche Balg Leo war. Jehutys AI Aida ist sowieso unterhaltsam wie eh und je.

Dadurch erscheint ZoE2, obwohl es ebenfalls nur ungefähr 5 Stunden Spielzeit offeriert und erneut von vielen Cutscenes unterbrochen wird, direkt wesentlich runder und zufrieden stellender.

Am eigentlichen Gameplay zwischen den Cutscenes hat sich nicht sehr viel geändert. Jehuty hat ein paar neue Moves, aber insgesamt bestehen die meisten Missionen immer noch daraus von Punkt A zu Punkt B zu gelangen und dabei alles, was sich einem in den Weg stellt nieder zu häckseln. Was teilweise leider etwas unübersichtlich werden kann, da das Label „High Speed Robot Action“ zwar fast so dämlich wie „Tactical Espionage Action“ klingt, aber doch recht zutreffend ist. Die Kämpfe sind extrem rasant, was zum einen zwar sehr cool aussieht, zum anderen bei größeren Gegnergruppen aber nicht immer super übersichtlich bleibt. Wirklich ein großes Problem stellt es zum Glück allerdings nie dar.

Im Gegensatz zum Vorgänger werden die Missionen dann zumindest hin und wieder doch etwas besser aufgelockert. Abgesehen davon, dass es mehr unterschiedliche Gegner gibt, hat man durchaus auch mal eine Escort Mission (die im Gegensatz zu den meisten Spielen mit solchigen nicht totaler Müll ist) oder andere Kleinigkeiten, die das „gehe von A nach B“ auflockern.

Besonders gefallen haben mir dabei die Bossgegner. Sie sind alle sehr unterschiedlich designt und auch die Taktik um sie zu besiegen ist häufig eine andere. Viola wird zu Beginn zwar etwas häufig verwendet, aber selbst da sind die Taktiken, die man zu ihrer Bezwingung einsetzen muss, sehr unterschiedlich.

Neben der Beendigung des Spieles, was so ca. nach 5 Stunden sein sollte, kann man übrigens zusätzlich etwas mehr Zeit im VS-Modus (ein Fighter) und den im Spielverlauf gesammelten Extra-Missionen verbringen.

Technisch war schon der Vorgänger alles andere als zu verachten, besonders für ein recht frühes PS2-Spiel. ZoE2 setzt da noch eines drauf und spart vor allem nicht an coolen Effekten bei den verschiedenen Angriffen in den Kämpfen und Explosionen. Was leider auf der Kehrseite hin und wieder auch zu Slowdown führen kann. Zumindest in der von mir gespielten Pal-Version, die nur in 50hz vorliegt. Ein absolutes Plus sind die neuen Cutscenes, die wenn sie Charaktere anzeigen nun Anime-Sequenzen sind, anstatt wie im Vorgänger das Anime-Design in freakig aussehende 3D-Modelle umzuwandeln. Mal ganz davon abgesehen, dass das neue Charakterdesign sowieso viel besser ist, als das 0815-Design vom Erstling.

Während die Musik ziemlich cool ist und vor allem ein sehr schönes Opening und Ending bereitstellt, kann man selbiges vom englischen Voice Acting leider nicht behaupten. Die Sprecher leisten stellenweise einen bestenfalls passablen Job, und dann stellenweise kommen die Sätze wieder mehr als seltsam von ihren Lippen. Es ist nie schlimm genug, um von der Story abzulenken, weil man Tränen lachend auf dem Boden liegt a la Resident Evil, bzw. sich die blutenden Ohren hält a la Chaos Wars, aber wirklich gut ist es bei weitem nicht.

Fazit:
The 2nd Runner ist alles, was der gute aber fehlerhafte Erstling geboten hat, mit so ziemlich allen Fehlern ausgebügelt. Schnelle und coole Action mit einer interessanten, wenn auch manchmal Hideo Kojima üblich textlastigen Story, interessanten Bosskämpfen und einer tollen Optik. Wieder etwas kurz geraten, aber trotzdem ein rundes Erlebnis.

9 von 10 Punkten

Werbeanzeigen