Final Fantasy: Crystal Chronicles – Ring of Fates

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 23.08.07 (J), 11.03.08 (US), 21.03.08(EU)

Ach ja, Final Fantasy und die ganzen Spinoffs… und Remakes… Square Enix hat in letzter Zeit bei vielen eher einen fragwürdigen Ruf, was ihr Output angeht. Zumindest hört man in der Richtung wesentlich mehr Kritik als zum Beispiel bei den ebenfalls wie Krebsgeschwüre wachsenden Tales- und MegaTen-Serie. Neben Tactics hat sich da in den letzten Jahren vor allem das auf Multiplayer angelegte Action-RPG-Spinoff Crystal Chronicles hervorgehoben. Obwohl der Name mittlerweile auch für viele nicht Action-RPG Experimente hinhalten muss, die einen verkaufsträchtigen FF-Namen brauchen und nicht gelb genug für ein Final Fantasy Fables sind.

Aber egal, kommen wir lieber zu Ring of Fates, dem zweiten Auswuchs der Reihe, der aus Zeitgründen sogar eher weniger auf Multiplayer ausgelegt ist, als der Vorgänger und der Nachfolger. Wobei der Nachfolger, Echoes of Time, sowieso eher der für Ring of Fates geplante Multiplayer ist, um den man noch schnell was gebaut hat, um es erneut als vollwertiges Spiel zu verkaufen. Aber ich schweife erneut ab.

Yuri und Chelinka sind Zwillinge, die von ihrem Vater großgezogen werden. Die beiden gehen gern auf Abenteuersuche, was sie an den einen oder anderen gefährlichen Ort bringt, aber letztendlich lange doch zu nichts führt. Da muss erst ein Bösewicht auftauchen, der was mit dem Verschwinden ihrer Mutter zu tun hat, böse Dinge mit Papa machen und die beiden etwas älter werden, damit endlich Spannung ins Dorfleben kommt.

Hmm ja, irgendwie hat man sich bei Ring of Fates dazu entschieden die ersten drei von elf Kapiteln erst mal gar nichts groß passieren zu lassen. Zudem gingen mir Yuri und Chelinka gewaltig auf den Geist. Kleine Kinder nerven nun mal, weswegen sie auch nicht zu Hauptcharakteren gemacht werden sollten. Als unausweichlicher Nebencharakter vieler RPGs gehen sie einem ja häufig genug schon auf den Sack.

Umso überraschter war ich dann allerdings letztendlich, dass sich das Spiel doch noch ganz gut fängt. Zu Beginn von Kapitel 4 geschehen tatsächlich mal ein paar interessante Dinge. Im Großen und Ganzen ist es zwar trotzdem keine sagenhafte Geschichte und es geht Mal wieder um die Rettung von Welt und den Kristallen, die sie am Laufen halten, vor dem großen Bösewicht, aber Ring of Fates mischt da immerhin eine ganz nette kleine, wenn auch klischeehafte, Familiengeschichte mit ein. Zudem werden Yuri und Chelinka etwas älter und gleich auch wesentlich erträglicher.

Hauptaugenmerk der Crystal Chronicles ist allerdings eher das Gameplay. Einen Großteil jedes Kapitels wird man deswegen auch in dem dazugehörigen Dungeon verbringen. Neben der üblichen Hack’n Slay Mentalität der meisten Action-RPGs ohne eigenen Kampfbildschirm gibt es hier allerdings zusätzlich auch das eine oder andere Puzzle zu lösen, um den Weg freizumachen. Genau genommen muss in fast jedem Raum etwas fürs Weiterkommen getan werden, ob nun alle Gegner umzubringen, von Plattform zu Plattform zu springen, unsichtbare Brücken erscheinen zu lassen, Wände einzureißen etc. pp. Im Spielverlauf schließen sich Yuri zudem 3 Mitstreiter an, die alle Spezialfähigkeiten haben, die von da an in die Puzzles eingebaut werden.

Der einzige Wermutstropfen bei der ganzen Angelegenheit ist, dass die Schoße extrem idiotensicher umgesetzt wurde. Nicht nur das viele Gegner und Bosse bis auf wenige Ausnahmen gegen Ende mit Leichtigkeit zu besiegen sind, sondern auch was die Puzzle angeht. Rumrätseln muss man nie, es ist immer hoffnungslos offensichtlich, was getan werden muss. Für die ganz großen Blindfische gibt es zudem in jedem Raum Schilder, auf denen die Lösung mehr oder weniger Zaunpfahl-artig aufgeschrieben ist.

Umschalten zwischen den 4 Kämpfern kann man dabei übrigens jederzeit, der agile Nahkämpfer Yuri wird aber wohl meist gespielt werden, da mit ihm einfach am besten durchzukommen ist. Die restlichen 3 werden währenddessen von KI gesteuert. Deren einzige Intelligenz besteht allerdings so ziemlich darin anzugreifen, was nahe kommt und in 7 von 10 Fällen zu versuchen möglichst nicht in Abgründe zu fallen. Gegnerangriffen ausweichen ist nicht, hin und wieder stehen sie auch mal nur dumm rum and in eben 3 von 10 Fällen lassen sie sich auch freudigst in Abgründe fallen, ohne mit der Wimper zu zucken. Insgesamt macht die ganze Schoße den Eindruck, als wären sie darauf ausgelegt von (hoffentlich) intelligenteren Mitspielern im Multiplayer gesteuert zu werden.

Den gibt es übrigens, aber wie Eingangs erwähnt eben nicht für das ganze Spiel. Noch nicht mal über WiFi, sondern nur lokal, weswegen der Einspieler-Storymodus letztendlich doch der Löwenanteil des Spieles wurde. WiFi war zwar geplant, wurde aber nicht rechtzeitig zufrieden stellend umgesetzt, weswegen Ring of Fates ohne auf den Markt kam…. er etwas später ausgearbeitet dann noch mal als komplett neues Spiel, Echoes of Time, verscherbelt wurde. Lange Geschichte abgekürzt: Ich hab den Multiplayer nicht wirklich gespielt, vom kurz Reinschauen her scheinen es aber die gleichen Dungeons wie im Storymodus nur ohne Story zu sein plus ein paar Missionen vom König der Marke Time Trial und ähnliches.

Wer übrigens ne Customization Whore ist kann im Spiel jede Menge Baupläne und Materialien von den Gegnern sammeln und diese in der Schmiede zu diversen Rüstungen mit Spezialattributen schmieden. Da fast jederzeit alle Dungeons erneut besucht werden können und in der New Game + Gegnerstärke und –drops sich ändern, ist für diese Leute die Spielzeit definitiv über die normalen 10-12 Stunden für einmaliges mehr oder weniger striktes Durchspielen weit ausdehnbar.

Optisch ist Ring of Fates wirklich schmuck anzusehen. Im normalen Spielverlauf werden die gerade getragenen Ausrüstungsgegenstände sogar an den Charaktermodellen angezeigt. Auch wenn es dann etwas seltsam wirkt, dass sie in den Sequenzen, die leicht aufgebohrte ingame Optik verwenden, wieder gegen die Standardkostüme ausgetauscht sind. Kleine Makel sind dabei ein teilweise höheres Aufpixeln bei nahen Zooms in den dynamischen Zwischensequenzen und im spätern Spielverlauf häufigere Slowdowns, wenn viel auf einmal los ist. Unterm Strich ist Ring of Fates aber definitiv eines der sehr gut aussehenden 3D-RPGs auf dem DS.

Die Musik hat mir ganz gut gefallen, auch wenn ich mir jetzt auch nicht unbedingt den OST holen müsste oder so was. Ich glaube kaum, dass sie mir lange nach dem Spielen im Gedächtnis bleiben wird. Die Klänge sind definitiv wesentlich klassischer als man dies von der Hauptreihe gewohnt ist. Zudem kommt für die Brownie Points sogar noch Voice Acting oben drauf. Für ein DS-Spiel gar nicht mal ganz so wenig und auch tatsächlich recht gut anzuhören.

Fazit:
Letztendlich fällt Ring of Fates in die gleiche Kategorie wie ein Großteil der DS-RPGs: Es ist ein nettes, gutes, kleines Spielchen, das zwar Spaß macht, aber definitiv kein Must Have darstellt. Manchmal etwas simpel und schlicht, aber doch ganz unterhaltsame Kost.

7 von 10 Punkten

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