Phantasy Star Universe: Ambition of the Illuminus

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 27.09.07 (J), 20.11.07 (US), 25.01.08 (EU)

Sega ist in letzter Zeit schon in einer interessanten Lage: Zum einen beschweren sich die Fans regelmäßig über den starken Qualitätsverlust in den neuen Teilen zu Sonic, Shining und Phantasy Star, aber gleichzeitig rechtfertigen die Verkaufszahlen trotzdem jedes Mal erneut ein weiteres Sequel. Wodurch dann natürlich auch der mäßige Offline-/Online-Hybrid Phantasy Star Universe mit Ambition of the Illuminus eine Erweiterung geschenkt bekam.

Der selbst zu erstellenden Protagonist ist ein neuer Guardian-Anwärter und wird für seine Abschlussprüfung der Ausbilderin Laia unterstellt. Kaum ein richtiger Guardian stolpern die beiden auch prompt über verstärkte SEED-Ausbrüche, einen um sich greifenden Virus und die damit zusammenhängende Verschwörung der Iluminaten… äh Illuminus.

Das Hauptproblem der Story ist diesmal, dass sie ziemlich langweilig und ereignislos vor sich hin dümpelt, trotz SEED- und Virus-Ausbrüchen. Das egal wie akut die aktuelle Gefahr angeblich sein soll die Charaktere trotzdem gerne erst Mal ewig in nichtigen Gesprächen verbringen, bevor sie sich zur Mission aufmachen, hilft dem Spannungsaufbau auch nicht wesentlich. Ehrlich gesagt war ich ziemlich überrascht, als sich die 10. Mission schon als das Finale herausstellte, gab es doch keinerlei build up zu diesem. Und auch dann endet es eigentlich einfach irgendwie ohne großes Feuerwerk. Ja, insgesamt dümpelt die Story einfach das komplette Spiel über so vor sich hin und endet dann genauso abrupt. Der Mastermind der Illuminus taucht sogar nur als Randbemerkung in einem Gespräch der Finalmission auf.

Immerhin ist der saudämliche Ethan Waber diesmal zum Nebencharakter degradiert, wodurch man ihn nicht mehr häufig ertragen muss. Der Spielercharakter wird wie erwähnt selbst nach Belieben erstellt. Was ich sehr schön fand, allerdings natürlich auch den Nebeneffekt hat, dass der Spielercharakter keinerlei Auswirkungen auf die Story hat, sondern eben einfach neben Hauptcharakter Laia her rennt. Im Prinzip wie Final Fantasy XII. Leider ist Laia auch eine strunzdumme Kuh, aber doch ein Stück erträglicher als Ethan. Liegt wahrscheinlich zum Großteil daran, dass es diesmal fast kein Voice Acting zu ertragen gibt.

Das Kampfsystem ist natürlich unverändert. Weiterhin selbstverständlich auf den Online-Modus zugespielt und somit in Echtzeit ohne jegliche Pausen, wobei Items und Waffen immerhin über eine Quickleiste schnell anwählbar sind. Erneut haben die KI-gesteuerten Mitstreiter keinerlei Zugriff auf die Items und man selbst keinerlei Zugriff auf deren Kampfverhalten. Welches nicht sonderlich überragend ist. Letztendlich prügeln sie einfach wild um sich, sobald ein Gegner in der Nähe ist, machen dabei keinerlei Anstalten Angriffen auszuweichen und manchmal stehen sie auch einfach nur rum und tun nichts. Auf suizidgefährdetes Verhalten muss zum Glück nicht unbedingt geachtet werden, da für sie ein Tod nur einige Sekunden dauert und sie dann komplett geheilt wieder auferstehen. Selbst kann man sich also getrost drauf konzentrieren wild auf den Gegner einzuprügeln und rechtzeitig Heilitems für den eigenen Charakter zu werfen.

Dabei kann wieder zwischen Hunter (Nahkämpfer), Ranger (Fernkämpfer) und Force (Magier) gewählt werden. Ich war erneut Hunter während meines Spiels. Was mir diesmal allerdings auffiel und bestimmt das Spiel bei einer der beiden Fernkampf-Klassen nicht angenehmer macht, ist das die Mitstreiter erst Gegner anzugreifen scheinen, wenn sie in Nahkampfreichweite kommen. Von weitem mit einer Knarre oder Magie den Gegner angreifen führt durchaus dazu, dass die Mitstreiter überhaupt rein gar nix tun, bis der Gegner bis kurz vor die Gruppe gelaufen ist, anstatt wie es gedacht ist als Tanks den Gegner weiter weg zu bearbeiten. Mit einem der Klassen durchgetestet habe ich dies zwar nicht speziell, aber es fiel mir als Hunter, der ein einhändiges Schwert und eine Pistole benutzte auf, wenn ich auf die Knarre umgestiegen bin.

Der Spaßfaktor des Kampfsystems bleibt trotzdem weitestgehend vorhanden. Sicher prügelt man sich in den Missionen nur von einem Raum zum nächsten und killt per Hack’n Slay alle Gegner, aber Spaß hat mir das durchaus gemacht. In den freien Missionen wesentlich mehr als in den Storymissionen, da dort nicht die Golden-Sun-Krankheit der ewig langen aber belanglosen Gespräche vorherrschte. Zudem sind leider viele Storymissionen mit Fallen versehen. Entweder bin ich einfach nur zu doof oder die Steuerung ist einfach nicht genau genug, aber ich rannte sehr häufig trotzdem in sie rein. Selbst wenn man ausweicht, die KI der Mitstreiter tut es bestimmt nicht. Zudem unterbricht es die flüssige Action des Spieles enorm, wenn man alle paar Schritte stehen bleibt, um die Umgebung auf versteckte Fallen zu untersuchen. Mir gingen mit Fallen bestückte Missionen ziemlich schnell gewaltig auf den Sack und leider sind im Gegensatz zum Vorgänger die Storymissionen diesmal voll davon. Wenigstens in den freien Missionen sind sie weniger häufig anzutreffen.

Neben dem Durchlaufen der einzelnen Missionen – diesmal sogar auf unterschiedlichen Schwierigkeitsrängen – kann man natürlich wie gewohnt ganz MMO-like seinen Raum einrichten, neue stylische Klamotten einkaufen etc.

Technisch hat sich das Spiel, da als Erweiterung konzipiert, natürlich nicht verändert. Sieht weiterhin ganz gut aus, benutzt aber leider auch fast ausschließlich Umgebungsdekor und Gegner aus dem Vorgänger, ohne viel Neues zu bieten. Zudem kommt es bei größeren Gegnergruppen häufiger Mal zu Slowdown. Die Musik ist ebenfalls weitestgehend unverändert. Immerhin wurde der schreckliche Opening-Song des Vorgängers in einen erträglicheren Remix geändert. Voice Acting gibt es wie bereits erwähnt diesmal fast keines, was durchaus ein Pluspunkt ist.

Fazit:
Ich hätte der Erweiterung zu Phantasy Star Universe doch fast einen Punkt mehr gegeben, weil ich einfach diesmal einen Tick mehr Spaß beim Spielen hatte, Story sowie Hauptcharakter nicht mehr ganz so penetrant nerven und ich die Möglichkeit meinen eigenen Charakter für die Story zu erstellen geliebt habe. Wären da nicht die vielen Fallen gewesen, die den meisten Storymissionen direkt wieder einen Großteil ihres Spielspaßes rauben. Von daher wieder Ausgleich.

6 von 10 Punkten

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