Ar tonelico 2: Melody of Metafalica

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 25.10.07 (J), 20.01.09 (US), 05.06.09 (EU)

Mal eine Auszeit vom Reigen der Atelier-Reihe nehmend beglückte Gust nach den drei Atelier-Iris-Spielen die PS2 mit Ar tonelico, dem gen Ende der PS2-Ära dann auch noch ein Nachfolger spendiert wurde.

Croix ist Mitglied bei der Grand Bell Army und bekommt als ersten großen Auftrag direkt das Eskortieren derer wichtigsten Persönlichkeit, Holy Maiden Cloche, zugeteilt. Auf die Flucht nach einem Überfall durch die Sacred Army stolpert Croix mit ihr nicht nur über seine Jugendfreundin Luca sondern nach einigen Enthüllungen auch in die Entscheidung wem er folgen will: Cloche und der Grand Bell oder Luca und der Sacred Army.

Ar tonelico 2 bekommt Brownie Points dafür, dass man nicht irgendeinen Bösewicht vorgehalten bekommt und den Rest des Spiele damit verbringt, ihn von Weltherrschaft oder –zerstörung abzuhalten. Was nicht bedeutet, dass das Spiel nicht trotzdem tief im Klischee steckt. Denn letztendlich geht es doch darum, die Welt zu retten, nur bekommt man hier zwei verschiedene Gruppierungen hingestellt, die unterschiedliche Lösungswege verfolgen und man als Spieler sogar selbst entscheiden darf, welcher Croix sich anschließt. Letztendlich möchte nämlich jeder die Welt retten.

Auch die Charaktere sind recht bekannte (Anime-)Klischees, hier aber zum Glück so herzallerliebst und charmant umgesetzt, dass der Großteil von ihnen nicht langweilig wird. Wozu zum einen die immer unterhaltsame, wenn auch häufig nicht ganz fehlerfrei, geschriebene Übersetzung beiträgt. Zum anderen aber auch die vielen Sidestories. Besonders die Reyvateils lernt man über die Dives und Gespräche beim Übernachten kennen, die Ladenbesitzer in kleinen Szenen und bei der Synthese. Das Spiel ist voller Charme, allerdings auch voller Text. Die Quote an Text auf Gameplay geht, wenn man viele der Nebensachen macht, definitiv stark gen Text. Ich war immer sehr motiviert mehr über die Charaktere herauszufinden, aber gerade dann wenn es nach längeren Storyszenen war, kann der viele Text doch leicht ermüdend werden. Immerhin sind die Massen an Text oft wichtig für Story oder Charakterhintergründe, anstatt wie in anderen Spielen letztendlich viel Worte um gar nichts zu verschwenden (Golden Sun lässt grüßen).

Wenn man denn dann aber auch mal zwischen dem ganzen Lesen zum Spielen kommt, unterhält das nicht weniger gut. Grundsätzlich ist es erst Mal übliche zufallsgenerierte Kämpfe, die rundenbasiert ausgetragen werden. Allerdings hat jedes Areal eine Anzeige, wie nahe der nächste Kampf ist und wie viele noch kommen werden, bevor sie aufgebraucht sind und man sich ungestört dem Erkunden widmen kann.

Außerdem sind die rundenbasierten Kämpfe nicht das übliche Eingeben aller Befehle und dann unbeteiligt zuzuschauen, wie diese ausgeführt werden. Sie sind in Attack-Phase und Defense-Phase (a.k.a Angriffsphase der Gegner) unterteilt. Und die Charaktere in zwei Reihen: Vorne stehen die phyischen Angreifer, dahinter die Reyvateils, die überhaupt nicht normal angreifen können aber ihre Songmagic singen. Während der Attack-Phase kann nun jeder Angreifer mit dem Druck des zu ihm korrespondierenden Buttons auf die Gegner losgelassen und die über das Singen von Runde zu Runde stärker aufgeladene Songmagic losgelassen werden, bis der Timer der Runde beendet ist und es zur Defense-Phase kommt. In der müssen nun erneut mit dem richtig getimten Druck der Buttons die Angriffe der Gegner abgefangen werden, damit die schwachen Reyvateils keinen Schaden nehmen.

Alles halb so wild, wie es niedergeschrieben scheinen mag, aber wesentlich dazu beitragend, dass die Kämpfe nicht langweilig werden, da man immer was zu tun hat. Wenn es auch nur das Drücken des richtigen Buttons zur richtigen Zeit ist.

Besonders erwähnt werden sollen hier noch mal die Reyvateils. Diese werden nämlich nicht stärker, in dem sie per Erfahrungspunkte aufleveln. Stattdessen müssen Kristalle im Spiel gefunden werden, mit denen diese dann baden und die neben Level ups auch andere Statusboni oder –abzüge verursachen können. Und neue bessere Songmagic wird durch die Dives in ihre Cosmosphere gelernt. Das ist zwar mit jeder Menge zweideutigen Sexkommentaren belegt, letztendlich taucht man allerdings sozusagen in ihre Psyche ein und lernt sie näher kennen. Alles sehr Visual Novel ähnlich, aber wirklich unterhaltsam wenn man mehr über die Reyvateils herausfinden möchte. Gerade hier bekommen zuerst flache Charaktere ihre Nuancen.

Ganz darf die Alchemie in einem Spiel von Gust wohl doch nicht fehlen und so können auch in Ar tonelico 2 diverse Rezepte bei den Ladenbesitzern in neue Items synthetisiert werden. Im Gegensatz zur Atelier-Serie hat das aber keine große Bedeutung und ist hier zu einem optionalen Sidequest degradiert, durch das man sich stärkere Gegenstände denn normalerweise zu finden wären beschaffen kann. Das sollte vor allem diejenigen freuen, denen die ganzen Alchemie Fetch Quests in den Atelier-Iris-Spielen auf den Zeiger gingen und in Ar tonelico 2 ein wesentlich geradlinigeres und fokussiertes Spiel finden werden.

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich so viele Nebenaufgaben gelöst habe, aber insgesamt kam mir Ar tonelico 2 etwas zu lang vor. Ich habe knapp über 50 Stunden gebraucht und hätte mir gegen Ende gewünscht, dass ein paar Dinge etwas komprimierter und zügiger von statten gegangen wären. Zudem reiht es sich in die Riege der Spiele ein, in denen zu Anfang nicht sonderlich viel passiert und die erst mehrere Spielstunden brauchen, um richtig ins Rollen zu kommen (siehe auch Final Fantasy XII, Suikoden V und Persona 3+4).

Optisch bekleckert sich Ar tonelico 2 hingegen nicht ganz so sehr mit Ruhm. Gust üblich hat alles eine sehr bunte Anime-Optik mit Charakterportraits in Gesprächen und großen 2D-Sprites. Allerdings ist die ganze Angelegenheit nur sehr rudimentär animiert. Innerhalb der Kämpfe geht es noch, wobei es bei größeren Zaubern leider regelmäßig zu Slowdowns kommt, aber außerhalb haben die Charaktersprites nur sehr wenige Animationsphasen und die 2D-Umgebung besteht eigentlich komplett aus Standbildern. Zudem werden hier häufig 2D-Elemente in 3D-Räume gestellt, was der ganzen Sache einen gewöhnungsbedürftigen Popup-Buch-Look gibt. Gerade gegen die Spiele von Vanillaware stinkt Ar tonelico 2 extrem ab.

Akustisch hingegen gibt es nix zu meckern. Der Soundtrack beweist sehr viel Abwechslung und ist einfach immer eine Freude fürs Ohr. Besonders die zahlreichen Tracks mit Chor. Sollte aber eigentlich auch kein Wunder sein bei einem Spiel, in dem Gesang eine so wichtige Rolle spielt. Voice Acting, bei dem man die Wahl zwischen einem englischen oder japanischen Track hat, wird leider manchmal etwas spärlich eingesetzt.

Fazit:
Ar tonelico 2 strotzt sicherlich nicht gerade vor Originalität, macht aber mit viel Charme und einem unterhaltsamen Gameplay jegliche Fehler weitestgehend wett. Und obwohl mir gerade die vielen Nebenaufgaben und damit verbundenen Charakterhintergründe sehr gefallen haben, kann es insgesamt ein wenig textlastig und lang werden. Nichtsdestotrotz eine späte Perle der PS2-Bibliothek.

8 von 10 Punkten

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