Crisis Core – Final Fantasy VII

  • Plattform: PlayStation Protable
  • Release: 13.09.07 (J), 24.03.08 (US), 20.06.08 (EU)

Square Enix wird gerne vorgeworfen die Final-Fantasy-Serie auszuschlachten. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sie aufbauend auf einem der weltweit beliebtesten Teile viele Jahre später eine ganze Spinoff-Compilation mit Produkten eher minderer Qualität auf den Markt gerotzt haben, die Compilation of Final Fantasy VII. Die Ausnahme von der Regel bildet dabei erst das zuletzt herausgebrachte Crisis Core für die PSP.

Zacks Traum ist es ein Held zu werden. Deswegen ist er auch bei SOLDIER, in der Hoffnung irgendwann wie Sephiroth, Genesis und sein Vorbild Angeal Rang 1 zu werden und auf seinen Einsätzen vielen Menschen helfen zu können. Doch bei SOLDIER läuft momentan nicht alles rund, da seltsamerweise neuerdings viele Mitglieder desertieren und auch Genesis spurlos verschwunden ist.

Es möge jeder mal seine Hand heben, dem folgendes bekannt vorkommt: Ein Wissenschaftler hat bei Versuchen mit Jenova-Zellen einen Menschen mit besonderen Kräften erschaffen, der sobald er später als Rang-1-SOLDIER herausfindet was für eine Lüge er gelebt hat, durchdreht und sich gegen alle wendet. Gratulation, ihr habt alle das Original Final Fantasy VII gespielt. Und im Prinzip erzählt Crisis Core ganz unkreativ nur Sephiroths Hintergrundgeschichte mit Genesis erneut nach, allerdings mit weniger Mutterkomplexen und dafür mehr Emo. Inklusive ständigem Rezitieren von Gedichtspassagen, statt irgendwann mal auch was von Informationsgehalt zu sagen, wodurch Genesis zu einem ziemlich lausigen Antagonisten wird.

Zack als Hauptcharakter, der zwar erfrischend immer gut drauf ist aber ganz nach Klischee auch gleichzeitig ständig leicht dumm und zurückgeblieben rüber kommt, wird einem dadurch leider nicht wesentlich sympathischer. Und das man die kommenden Sätze, die aus Angeals Klischeewortschatz als nächstes kommen werden, fast immer vorhersehen kann, ist ebenfalls nicht so toll.

Es gibt es zwar ein paar netten Szenen – einige davon nur Wiederholungen von den Vorfällen, die in Final Fantasy VII als Flashback waren -, aber insgesamt ist die Story eher der Schwachpunkt des Spieles, da nicht wirklich viel mehr zu dem, was für FF7 wichtig wird oder über Zack und Sephiroth herausgefunden wird und man stattdessen die ganze Sephi-Schoße erneut mit zwei sehr klischeehaften neuen Charakteren vorgekaut bekommt.

Ein paar kleine Pluspunkte gibt es allerdings, da man die Sachen, die auf FF7 schon bekannt sind, hier originalgetreu belassen hat, anstatt in den Ereignissen oder an den Charakteren rumzupfuschen. Auch wenn es natürlich etwas seltsam ist, wenn plötzlich neue wichtige Charaktere wie Genesis und Angeal auftreten, von denen man nie was gehört hat – was direkt aus FF7 kommt ist auch wie in FF7.

Spielerisch hingegen ist es ein ganz spaßiges Action-RPG. Zack ist der einzige Charakter, den man je steuern wird, was in Echtzeit geschieht. Das Encounter-System ist dabei Chrono Trigger ähnlich: Man sieht die Gegner zwar nicht, aber zufallsgeneriert gelangt man ebenfalls nicht in Kämpfe. Stattdessen wird sobald ein gewisses Areal betreten wird automatisch ein Kampf direkt in der Umgebung generiert. Lediglich Bosse/Missionsziele sind von weitem sichtbar.

Wie so häufig artet der Kampf natürlich etwas in Hack’n Slay aus, mit hin und wieder mal einen Zauber oder Item zu werfen. Um das etwas aufzulockern werden die Storymissionen immer mal wieder mit einem kleinen Minispiel versehen: Ob nun Material für Aerith Blumenwagen zu finden, eine Basis ganz Metal Gear Solid like zu infiltrieren oder Überwachungsroboter von Weitem mit einem Gewehr zu zerlegen – glücklicherweise besteht jedes Kapitel nicht nur aus einem Haufen Cutscenes, einem längeren Einsatz mit Buttonmashing-Kämpfen und dann noch einem Haufen Sequenzen, sondern wird durch diese Sachen nett aufgelockert. Zudem sind die Einsätze nicht so übermäßig lang, sondern eigentlich genau die richtige Länge, um nicht langweilig zu werden. Weswegen der reine Anteil an Storymissionen allerdings zu einem recht kurzen Spiel führt.

Zusätzlich gibt es auch noch einige Hundert an Nebenmissionen, die über den Spielverlauf frei geschaltet und von jedem Speicherpunkt abgerufen werden können. Diese sind wesentlich kürzer als die Storymissionen, häufig nur ein paar Minuten lang, bereiten dadurch aber sehr kurzweiligen Spaß. Ich habe mich letztendlich dabei ertappt wesentlich mehr Freude daran zu haben immer wieder einen Haufen an den kurzen spaßigen Nebenmissionen zu machen, denn der mäßigen Story in den Hauptmissionen zu folgen.

Die einzige etwas seltsame Sache in den Kämpfen ist die „Slotmaschine“, die nebenher läuft. Diese verteilt immer mal wieder kleinere Boni am Rande und sollte sie auf drei gleichen Charaktericons landen auch größere Boosts und vor allem initiiert dies einen Limit-Break-Angriff oder Summon. Alles schön und gut, nur unterbricht das erscheinen der Slots und die anschließende Angriffssequenzen ziemlich den Spielfluss der Kämpfe. Sobald man sich dran gewöhnt hat, ist’s allerdings kein Problem mehr, letztendlich bedeuten die Slots ja das was gutes geschieht.

Das Crisis Core technisch fehlerfrei umgesetzt wird, sollte bei Square Enix kaum überraschen. Und trotzdem war ich erst Mal erstaunt, da ich ein so unverschämt gut aussehendes Spiel auf einem Handheld bisher noch nicht hatte. Besonders die FMVs sind wie immer hübsch anzusehen und trotz vorhersehbarem Inhalt toll inszeniert. Aber tolle FMVs kann mittlerweile ja alles abspielen und so war ich von der ebenfalls genialen ingame Grafik wesentlich mehr baff, die auf Screenshots irgendwie immer wesentlich pixeliger aussieht, als sie es dann in Bewegung ist.

Auch auf die Ohren gibt’s nur gute Dinge. Das Voice Acting erlaubt sich keine Fehler und die Musik ist einfach nur genial. Natürlich gibt es viele Remixe von bekannten Tracks, die alle mindestens genauso gut klingen wie in FF7, daneben aber auch eine Reihe an Neukompositionen. Die sind sehr Uematsu-FF-untypisch mit ihrem Gitarreneinsatz, haben mir aber durch die Bank weg gefallen und bringen frischen Wind zwischen die Uematsu-Remix-Tracks.

Fazit:
Crisis Core – Final Fantasy VII ist ein gutes Spiel. Es ist nicht genial oder ein Systemseller, aber gut. Und das ist für die Compilation of Final Fantasy VII schon eine ziemliche Leistung. Story und Charaktere mögen etwas lahm und „alles schon gehabt“ sein, dafür unterhalten Präsentation und spaßiges Gameplay.

7 von 10 Punkten

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