Pokemon Mystery Dungeon – Team Blau

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 17.11.05 (J), 18.09.06 (US), 10.11.06 (EU)

Pokemon hat es fast über Nacht zu einer selbst nach all den Jahren noch ungebrochen beliebten, weltweit das große Geld machenden, Franchise geschafft. Während die Hauptreihe obwohl oder gerade weil sie eigentlich permanent nur das gleiche Spiel recycelt qualitativ hoch angesehen ist, konnte man gleiches nicht unbedingt von den diversen Spinoffs sagen. Was niemanden dran gehindert hat sie zu kaufen und damit immer neue aufkommen zu lassen. Erst spät hat sich da Chunsoft mit ihrer Mystery Dungeon Serie eingereiht, zu der unter Anderem auch Spinoffs von Final Fantasy und Dragon Quest gehören, die erst zu Zeiten des Nintendo DS die erste Doppeledition „Pokemon Mystery Dungeon – Team Blau“ und „Team Rot“ auf den Markt brachten.

Über Story muss man bei Pokemon-Spielen nie lang reden, wobei Mystery Dungeon erstaunlicherweise wesentlich tiefer geht als die Hauptspiele – nicht, dass dies sonderlich schwer wäre. So übernimmt man hier zwar die Rolle eines Pokemons – welches wird durch mehrere Fragen zu Spielbeginn festgelegt –, ist aber in Wirklichkeit ein Mensch, der sich dank Amnesie nicht erklären kann, warum er plötzlich als Pokemon erwacht ist. Über den Spielverlauf gesellen sich zu diesem Mysterium noch Naturkatastrophen, Prophezeiungen und letztendlich natürlich die Rettung der Welt an sich dazu. Alles nichts Originelles und in anbetracht dessen, dass bei all dem alle Charaktere Pokemon sind, teilweise sogar etwas unfreiwillig lächerlich, aber immerhin bekommt man was geboten.

Direkt nach dem Erwachen in neuer Form macht der Spieler auch schon Bekanntschaft und Freundschaft eines anderen Pokemons – ebenfalls zu Beginn des Spieles wählbar –, und prompt wird das gegründet, worum es im eigentlichen Gameplay geht: ein Retterteam. Davon scheint es in der Welt der Pokemon so einige zu geben und ihr Zweck ist es anderen Pokemon in den diversen Dungeons zu helfen. Missionen gibt es viele, durch Vielfalt zeichnen sie sich aber nicht gerade aus. Entweder will ein Pokemon auf eine gewisse Ebene des Dungeons eskortiert, oder auf einer gewissen Ebene gerettet werden, oder möchte ein Item aus einem der Dungeons gebracht bekommen. Mehr als diese drei Schemata gibt es in den optionalen Nebenmissionen nicht. Und auch die Storymissionen zeichnen sich dadurch aus, dass man zum Ende eines Dungeons geschickt wird, um ein Pokemon zu retten, oder ein anderes, das Unheil stiftet, in einem Bosskampf zu vermöbeln.

Nein, durch Abwechslung zeichnet sich das Spiel nicht unbedingt aus. Üblich fürs Genre gibt es dann natürlich auch nur eine zentrale Stadt, aber immerhin eine ordentliche Anzahl an verschiedenen Dungeons. Nämlich pro Storymission ein neues. Dadurch das sie zufallsgeneriert sind, wirken Räume und Gänge vom Layout her zwar in allen sehr ähnlich, aber zumindest das Dekor wechselt thematisch zwischen Wald, Wüste, Vulkan, Eislandschaft usw. usf. ab. Ich muss sagen, dass ich zu Beginn des Spieles tatsächlich richtig süchtig danach war immer wieder neue Nebenmissionen zu erfüllen, auch wenn sie immer die gleiche Aufgabe stellen und einen wieder und wieder in die schon gesehenen Dungeons schicken. Ungefähr ab der Hälfte des Spieles hingegen wurde es dann allerdings doch etwas langweilig. Zudem habe ich nach den ersten paar Dungeons aufgehört jegliche Eskortier-Missionen zu machen, da die niedriglevligen Pokemon, die man mit schleift reinste Kamikaze-Kämpfer sind und alles angreifen, was in ihrer Nähe ist – nur um totgeschlagen zu werden und somit die Mission scheitern zu lassen.

Insgesamt verfolgt auch die Pokemon-Version das übliche Gameplay von Mystery Dungeons, allerdings durch die junge Zielgruppe wesentlich vereinfacht. So gibt es in den Dungeons keine Bodenfallen, die HP regeneriert sich beim Rumlaufen langsam wieder und Statusveränderungen werden automatisch beim Betreten des nächsten Stockwerkes geheilt. Zudem behält man sein Level, anstatt bei jedem neuen Dungeonbesuch auf 1 zurückgesetzt zu werden. Das Inventar ist zwar begrenzt, fast allerdings sehr viele Items und das Lagerhaus der Stadt hat keine Begrenzung. Allerdings muss bei den Dungeonbesuchen auf den Sättigungsgrad des Pokemons geachtet werden, fällt dieser nämlich auf 0, kollabiert es und die Mission ist gescheitert. Jedoch sinkt der Wert nur relativ langsam, von daher muss nie viel Nahrung eingepackt werden.

Durch den gewissen Zufallsfaktor und der Tatsache, dass Starterpokemon und Partner immer im Retterteam sein müssen, man also z.B. im Lavadungeon nicht gezielt ein komplettes Pokemonteam zusammenstellen kann, die stark gegen Feuer- und Gesteinspokemon sind, ist Mystery Dungeon zwar vom Schwierigkeitsgrad kein solcher Spaziergang wie die Hauptreihe, durch die vielen Zugeständnisse aber doch ein ziemlich einfaches Mystery Dungeon. Lediglich die Bosse können etwas unausgewogen sein, da sie mal ihre stärksten Attacken am laufenden Band machen und dann beim nächsten Versuch wieder gar nicht.

Wie man aus dem vorigen Absatz schon herauslesen konnte, ist im Retterteam mehr Platz, als nur für die beiden Anfangspokemon. Insgesamt können 4 ins Team genommen werden, wobei man allerdings einen gewissen Größenwert nicht überschreiten kann. Wer ein dickes Onyx mitnimmt, hat z.B. kein Platz mehr für ein viertes Pokemon im Team. Rekrutiert werden weitere Teammitglieder direkt aus den Dungeons, allerdings nicht per Fangen über den Pokeball sondern ähnlich wie in Dragon Quest V per Zufall. Sobald ein Gegner besiegt ist, kann dieser sich zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit anschließen – wirklich viel Einfluss kann man darauf also nicht nehmen. Ist allerdings kein Platz im aktiven Team mehr oder das passende Partnerareal noch nicht frei geschaltet, kommt der Gegner keinesfalls mit. Auch die übliche Evolution in stärkere Versionen gibt es, leider eröffnet sich das aber seltsamerweise es im Post-Game-Bereich nach dem Hauptspiel, in dem zusätzlich auch neue Dungeons frei geschaltet werden. Wer will kann also nach dem eigentlichen Hauptspiel noch so einiges mehr erledigen.

Technisch war Pokemon noch nie ein Reißer und das ändert sich mit Mystery Dungeon auch nicht gerade. Die DS-Edition „Team Blau“ wurde zudem zusammen mit der GBA-Edition „Team Rot“ entwickelt, wodurch natürlich alles, was man zu sehen bekommt, auch locker noch auf dem GBA möglich gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ist Mystery Dungeon in recht charmantem 2D gehalten, das vor allem für die Pokemon ein paar niedliche Animationen auf Lager hat. Auch die Musik ist Pokemon-üblich nichts, woran man sich 5 Minuten, nachdem man DS ausgemacht hat, noch erinnern würde.

Fazit:
„Pokemon Mystery Dungeon – Team Blau“ hat mich, als jemand der mit Dungeon Crawlern häufig nichts anfangen kann, doch etwas überrascht. Denn es ist tatsächlich ein nettes, kleines Spiel geworden. Nur leider sind die Missionen auf Dauer zu eintönig geraten und warum man die Weiterentwicklung im Post-Game versteckt hat, will sich mir auch nicht ganz erschließen.

6 von 10 Punkten

Werbeanzeigen