Snatcher

  • Plattform: Sega Mega CD
  • Release: 30.11.94 (US), 15.12.94 (EU)

Snatcher erleidete im Westen ein ähnliches Schicksal wie Panzer Dragoon Saga: Gegen Ende des Sega CD in nur geringer Auflage erschienen, wird es mittlerweile als absolute Spielperle entsprechend hoch gehandelt. Die diversen japanischen Auflagen, die von MSX bis PlayStation reichen, blieben nämlich den Japanern vorbehalten.

Snatcher stammt von Hideo Kojima und der ist wiederum dafür bekannt, lieber Filme- denn Spielemacher geworden zu sein, wodurch sich eben diese durch ihren starken Fokus auf die Geschichte auszeichnen. Zudem scheint Kojima eine Schwäche für Actionfilme aus den 80ern und 90ern zu haben, leiht er sich doch häufig so einiges aus diesen aus. Und was war zu Zeiten von Snatcher das beste Genre, um ein sehr Story-lastiges Spiel zu erschaffen? Genau, Adventure Games.

Anstatt über ein Point & Click Interface zu laufen, handhabt man Snatcher per Menü. So gibt es immer eine kleine Auswahl an Menüpunkten, die man in den Lokalitäten durchgehen kann, um eine Reaktion oder ein spezifischeres Untermenü zu erhalten. Das macht Snatcher, gebündelt mit dem Hang japanischer Adventures sowieso mehr auf Handlung denn Rätsel fokussiert zu sein, dann auch insgesamt recht einfach. Es gibt halt nur eine gewisse Anzahl an Menüpunkten, die für den Fall, dass ein Weiterkommen doch nicht klar ist, durchgegangen werden können, bis etwas Neues passiert. Denn sehr viele Schauplätze sind auch nie gleichzeitig begehbar. Größere Rätsel gibt es dann auch schon gleich gar nicht, so muss meist nur mit dem richtigen Charakter gesprochen oder dem richtigen Teil einer Szenerie interagiert werden – Items gibt es nur wenige und wirkliche Denknüsse gar nicht.

Zwischendurch wird die Detektivarbeit dann noch mit Action-Sequenzen aufgelockert. Sobald man die Waffe zieht, legt sich über dem Bildschirm ein 3×3-Felder-Grid, und es gilt natürlich jeweils in das zu schießen, in dem der Gegner auftaucht. Zu Beginn noch etwas spärlich gesät, nehmen diese Einlagen im weiteren Spielverlauf zu. Dies sind eigentlich auch die einzigen Momente, an denen im Spiel gestorben werden kann. Reaktionsnieten wie ich müssen allerdings trotzdem nicht gefrustet aufgeben, da man per Continue immer wieder direkt am Anfang der Schießeinlage landet, also keinerlei Spielzeit verliert.

Wie erwähnt ist Snatcher eher mau an Rätseln und auf die Handlung getrimmt. Und das ist nicht mal was Schlechtes, da das Spiel vor allem in einem gut ist: Atmosphäre. Unser Hauptcharakter Gillian ist wirklich nicht gerade ein Glückskind. So haben er und seine Frau sich scheiden lassen, da beide Amnesie haben und sich so auch nicht mehr an ihre gemeinsame Zeit erinnern können. Nun ein Mitglied von JUNKER, die Jagd auf die als Snatcher bekannten Roboter machen, findet er allerdings direkt am ersten Arbeitstag seinen getöteten Kollegen vor.

Was sich daraus entwickelt ist eine recht spannende Cyberpunk-Geschichte, in der Gillian nicht nur den Mörder seines Kollegen finden muss, sondern daraufhin auch in weitere die Snatcher umgebende Mysterien verwickelt wird, die natürlich letztendlich alles was mit der vergessenen Vergangenheit zu tun haben. Viele Anleihen an diverse Action-Filme inklusive.

Besonders hervorgehoben gehören neben der spannenden Story auch die interessanten Charaktere. Besonders Gillians ständige Streitgespräche mit dem zu seiner Seite gestellten Roboter Metal Gear, aber auch die Interaktion mit seiner Exfrau gehören zu den Highlights des Spieles.

Von der Spielzeit her mag Snatcher mit ca. 5 Stunden nicht gerade lang sein, aber das sind Adventures häufig nicht. Zudem hat das Spiel meiner Meinung nach sogar genau die richtig Länge, da die Story so sehr straff und spannend erzählt werden kann, ohne langatmig zu werden und nebenher noch die Charaktere und die Cyberpunkt-Welt etwas erläutert wird, ohne in zu viele langweilige Details zu gehen.

Was auch ungemein zur Atmosphäre des Spieles beiträgt ist die tolle Präsentation. Der jeweilige Schauplatz mag zwar nur aus einem Bildschirm bestehen, dafür sind sie aber recht detailliert dargestellt. Wenn Charaktere reden ist das nicht nur in allen wichtigen Gesprächen kompetent vertont, sondern auch die jeweiligen Gesichter im für den sonst für Text und Menü vorgesehenen Teil animiert zu sehen. Zudem sind alle wichtigen Geschehnisse als teilanimierte Standbilder eingespielt, deren „Kameraperspektive“ durchaus variiert. Das atmosphärische I-Tüpfelchen ist dann letztendlich noch der tolle Soundtrack, der immer die richtigen Töne für die jeweilige Lage trifft.

Fazit:
Ich war etwas skeptisch, als ich Snatcher endlich gespielt habe, da schon so manches Spiel dem enormen Hype, der um es gemacht wird, nicht standgehalten hat. Von Snatcher war ich allerdings doch restlos begeistert, da mich die interessante Geschichte, sympathische Charaktere und vor allem die sehr dichte Atmosphäre sofort in ihren Bann gezogen haben und ich letztendlich erst das Spiel zur Seite legen konnte, als die Ending Credits über den Schirm liefen. Sicherlich ist es wie viele japanische Adventures eher mau an Rätseln und mehr Richtung Visual Novel, aber das bin ich mittlerweile gewöhnt.

9 von 10 Punkten

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