Pokemon Blattgrün

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 29.01.04 (J), 07.09.2004 (US), 01.10.2004 (EU)

Ach ja, die Zeiten der ersten Pokemon-Editionen, als alles noch frisch und neu und noch nicht als eine der profitabelsten Nintendo-Franchises ausgeschlachtet wie ein Mastschwein war. Damals war ich noch eine ganze Ecke jünger und weniger zynisch und holte mir durch die TV-Serie angefixt direkt am ersten Verkaufstag die Blaue Edition. Viele Stunden später sollten alle 150 Viecher in meinem Pokedex eingetragen sein, um diesen zu komplettieren, eine Sache die ich in keiner folgenden Edition (von jedem Trio habe ich mir seither eine gekauft) jemals wieder schaffen sollte. Und nachdem mir gerade Diamant nicht ganz so gefallen hat, gehen wir doch lieber mal zwei Schritte zurück und schauen uns das Remake der Erstgeneration an.

Ash liebt Pokemon und möchte es zum besten Trainer der Welt schaffen! Und wie zeigt man diese fanatische Liebe am Besten? Genau, in dem man sie aus ihren natürlichen Lebensraum reißt, sie in kleine Bälle sperrt und gegen immer stärkere Pokemon anderer Trainer bis zur Erschöpfung kämpfen lässt, bis man selbst die 4 besten unter ihnen vor sich im Boden kriechen und die eigene Überlegenheit bestätigen lässt.

Wer je eine Pokemon-Edition gespielt hat, kennt den Ablauf, da er in jedem exakt gleich ist. Nur halt mit ein paar neuen Pokemon hier, ein paar alten weniger da und in einer neuen Welt, die aber entsprechend austauschbar bleiben. Von daher ist fast jede Pokemon-Edition quasi ein Remake von Blau und Rot (bzw. Grün und Rot, wie die noch etwas primitiveren Versionen in Japan genannt waren). Blattgrün/Feuerrot müssen halt nur keine neue Welt, Arenaleiter und 50-100 Viecher erfinden, sondern recyceln einfach die Ursprungsversionen. Und das ist auch gut so, für mich ist Blau nämlich immer noch die beste von allen.

Zu Beginn darf man sich wie üblich unter 3 verschiedenen Elementartypen sein Starterpokemon aussuchen und wird dann in die Welt geschickt, um gegen 8 Arenaleiter und die Top 4 zu kämpfen, um seinen Wert zu beweisen und dazwischen in der Welt möglichst viele der 150 Pokemon zu fangen. Same procedure as every year.

Und mehr gibt es über die Spiele eigentlich schon gar nicht mehr groß zu schreiben. Pokemon macht aus einem simplen Sammel-/Kollektionstrieb spaß. Die Welt zu erkunden und dabei niedliche Haustierchen fangen, diese stark heran züchten und sich im Kampf gegen andere Trainer zu beweisen ist alles was es braucht, um einen mehrere gute dutzend Stunden zu beschäftigen.

Dabei gefällt mir an Pokemon besonders, dass es ein relativ simpler No-Brainer ist. Ich muss mir nicht um Zucht und Talentvererbung den Kopf zerbrechen. Ich muss keine Fusionstabellen studieren und unsinnige Fangdiskussionen führen. Ich werfe einfach meinen Ball, fang das Vieh, level es auf und mach damit meine Gegner platt. Simples Entspannungs-Gaming. Ein wenig darauf achten, die richtigen Elementartypen gegeneinander einzusetzen und welche von den maximal nur 4 tragbaren Skills behalten werden sollen, bringt zwar schon einen leichten Hauch Komplexität rein, aber insgesamt ist alles ziemlich easy.

Ein paar Dinge lernt Blattgrün dann natürlich schon von den GBA-Vettern, die es in Blau noch nicht gab. So ist der Spielfluss und der Kampfablauf langsamer, wobei man durch das Ausschalten von Kampfanimationen die Angelegenheit beschleunigen kann und durch das Fehlen von Wettereffekten u. Ä. die Sache glücklicherweise noch nicht so unsäglich dröge ist wie in den DS-Teilen. Auch ein paar Doppelkämpfe wurden eingefügt und eine neue Inselgruppe ins Meer gepflanzt, die zum Großteil erst nach dem Besiegen der Top 4 zu erreichen ist und Pokemon-Zucht ermöglichst sowie den Pokedex auf 386 erhöht, zwecks Tausch mit den anderen GBA-Editionen. Etwas Rebalancing gab es auch, aber im Prinzip hat man wirklich weitestgehend Blau/Rot in hübscherer Optik vor sich.

Wo wir auch schon beim Stichwort wären: Der Optik und Akustik. Die Pokemon-Serie ist nicht für technisches Eye Candy bekannt und das wird sich wahrscheinlich auch in 10 Jahren, wenn so viele Editionen auf dem Markt sind, dass einem die Farben und Edelmetalle ausgegangen sind, nicht geändert haben. Was aber bei Weitem nicht bedeutet, dass sie schlecht aussehen. Denn ästhetisch gesehen macht Blattgrün mit der niedlichen Optik definitiv Freude. Von der Musik her hingegen bekommt man, wenn auch nichts negatives, so auch nichts geboten, woran man sich 10 Minuten, nachdem der Handheld ausgeschaltet ist, noch erinnern würde.

Fazit:
Beim Spielen von Blattgrün war ich wirklich überrascht. Während mich in letzter Zeit Monstersammel-RPGs, darunter auch Pokemon Diamant, nach anfänglichem Süchteln spätestes zur Halbzeit langweilten, hat mich Blattgrün von Anfang bis zu den Credits bei der Stange gehalten. Ob es nun Nostalgie war oder die ersten Editionen wirklich mit die Besten waren, sei mal dahin gestellt – die Empfehlung, den Remakes eine Chance zu geben bleibt bestehen, egal ob man die Originale noch mitbekommen hat oder relativ neu in der Serie ist (so viel ändert sich ja sowieso nie).

7 von 10 Punkten

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