Endless Ocean

  • Plattform: Wii
  • Release: 02.08.07 (J), 21.01.08 (US), 09.11.07 (EU)

Nach zwei auf Aufgaben und Bergung fokussierten Everblue-Teilen für die PS2 ging Arika mit Forever Blue, im Westen Endless Ocean genannt, mehr in die Casual-Ecke. Aus Tauchspiel wurde eher Unterwassersimulator.

Denn Endless Ocean ist eine Sandbox, allerdings eine die nur ein einziges Spielzeug bereitstellt: Das Tauchen. Dafür lässt sie einen in ihr graben, wo immer man will. Ganz stimmt das zwar nicht, da erst Ausrüstung fürs Tauchen bei Nacht oder in der Tiefsee frei geschaltet werden muss, aber dies geht relativ zügig und grundsätzlich steht damit ziemlich schnell der ganze Ozean zur Auswahl.

Ein wenig Fokus gibt es dann durch etwas Story allerdings schon. Auch wenn das Spiel bald einräumt, dass der geneigte Spieler diese so sehr vernachlässigen kann, wie er will. Die Angelegenheit ist dann auch nicht der Rede wert, besteht anfänglich aus Tutorial, zeigt dann ein paar der interessanteren Tauchgründe, lässt die verschiedenen Walarten auftauchen und ist danach schon rum. Wer wirklich strickt nur der Story folgt, hat sie nach wenigen Stunden bereits hinter sich. Natürlich darf danach trotzdem unbegrenzt weiter gespielt werden.

Die einzig anderen Zielvorgaben bestehen aus Aufträgen, die per Mail einmal pro Tag eintrudeln. Aber auch hier keine Hetze: Ganze 7 Tage zum Erfüllen sind zeit und wenn man keinen Bock drauf hat, lässt man es eben einfach bleiben. Denn genau genommen sind sie nur dazu da etwas Abwechslung zu bringen, sollte dies als nötig erachtet werden. So kommen Aufträge nur in zwei Formen: Einem NPC eine Tauchführung geben oder für ein Magazin ein Foto eines bestimmten Tieres schießen. Nach Erfüllung werden einem immerhin immer mal wieder neue Tauchausrüstung und Frisuren geschenkt, um die Optik der Spielfigur zu ändern. Wirklich alles nur kosmetisch, bessere Ausrüstung in dem Sinne gibt es gegenüber dem Starterset nicht.

Was ist also das Ziel von Endless Ocean? So gesehen nichts. Einfach nur die Entspannung beim Tauchen just for fun und die Begeisterung sich die vielen bunten Fische anzusehen. Die Tauchgänge haben fast was meditatives, zumindest sofern einem das liegt. Denn auf der anderen Seite der Medaille kann die ganze Angelegenheit natürlich auch unglaublich langweilig sein, wenn man diese Art von „Spiel“ nicht mag.

Ich zumindest habe mich schon als Kind für Meerestiere interessiert und deswegen auch meinen Spaß an Endless Ocean. Es hat schon was, wenn man zum ersten Mal einem der majestätischen Wale begegnet, sich an einen Walhai hängt oder beim Umdrehen plötzlich einem Schwarm Mantarochen gewahr wird. Alle Tiere können dabei gestreichelt und gefüttert werden, was einen Eintrag über sie im Lexikon frei schaltet. Zu jedem Tier gibt es 3 Einträge, wer also – erneut zum Selbstzweck – alle zu jeder der 200+ Tierarten frei schalten will, hat lang zu tun. Zumal einige Tiere recht schwer zu finden sind, oder nur zu gewissen Tages- oder Jahreszeiten auftauchen.

Nebenbei können noch im Meer verstreute Artefakte geborgen, ein Aquarium mit den bereits entdeckten Fischarten bestückt oder Delfinarten zu Tauchpartnern trainiert werden. Erneut nur Aufgaben, die man sich selbst stellt, statt vom Spiel als Zielvorgaben gegeben zu werden, aber immerhin gibt es noch etwas mehr als mit Lachsen zu kuscheln.

Endless Ocean wirft dabei unnötigen Realismus komplett über Bord. Sterben oder nur von Tieren angegriffen werden kann man nicht, wodurch auch Tiere wie zum Beispiel Weiße Haie, Feuerquallen oder Eisbären gestreichelt werden können, ohne Angst zu haben dabei einen Arm zu verlieren. Und wie das Beispiel Eisbär schon vermuten lässt, schert man sich nicht so wahnsinnig viel darum, einen realistischen Meeresabschnitt zu simulieren, sondern lieber möglichst viele interessante Tierarten aufzuzeigen und so sind Lagunen, Schiffsfriedhöfe, Unterwasserruinen, Korallenriffe, Meereshöhlen und sogar Tiefseegräben direkt nebeneinander platziert.

Optisch ist das Spiel definitiv ein Hingucker, zumindest unter Wasser/bei den Tieren. Auf dem Boot und bei den Animationen der Menschen lässt es etwas zu wünschen übrig. Doch beim Tauchen ist das schnell vergessen, erst recht wenn zum ersten Mal eine besondere Tauchstelle oder eine Wal-/Delfinart entdeckt wird, wofür Endless Ocean extra eine kleine Sequenz abspielt. Ladezeiten gibt es dabei sobald man im Wasser ist nicht, dafür darf man sich aber nur in einem gewissen Radius vom Boot entfernen und dauert das Laden dieses Abschnittes beim Eintauchen etwas.

Von der Musik her wird ebenfalls eher die Entspannungsschiene gefahren, geht Richtung New Age und Enya, was definitiv sehr gut zur Atmosphäre der Tauchgänge passt, wobei sollte einem das zu sehr auf den Keks gehen alternativ auch eigene MP3s von einer Flashkarte eingespielt werden können.

Fazit:
Endless Ocean mag manchmal fast mehr wie ein interaktiver Bildschirmschoner denn ein Spiel wirken, aber wenn es mit einem wie in meinem Fall richtig klickt, kommt man kaum noch davon los. Hier noch mal tauchen, dort einen neuen Fisch oder bisher übersehenes Artefakt entdecken, davon fürs Magazin ein möglichst gutes Foto schießen… ich war mir anfangs selbst nicht sicher, aber das ich trotz Beendigung der Story nach ungefähr 5 Spielstunden nun schon 40 bei meinem Spielstand stehen habe, sagt so Einiges.

8 von 10 Punkten

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