Everblue 2

  • Plattform: PlayStation 2
  • Releae: 08.08.02 (J), 24.02.03 (US), 07.03.03 (EU)

Nachdem ich bei Endlesss Ocean doch ganz schön am Süchteln war, wollte ich mir auch mal die Vorgänger in Arikas Aquatic-Serie anschauen. Everblue 2 hat es dann anstatt seinen Vorgägner hauptsächlich nur deswegen getroffen, weil es billiger zu haben war.

Leo ist zwar eigentlich Profitaucher, aber durch einen Sturm strandet er auf einer neuen Insel und verliert dabei sogar seine ganze Ausrüstung. Ein wenig wie Adol in der Ys-Serie. In der neuen Zwangsheimat wird Leo allerdings recht schnell von dem Amigos aufgenommen, einer Gruppe von Tauchern, die gegen eine fiese Organisation ankämpfen, die im Gegensatz zu ihnen keine Gegenstände aus Spaß an der Sache bergen, sondern fürs böse Geld und dies mit fiesen Methoden wie Sprengsätzen tun, durch die das Unterwasserpanorama geschädigt wird.

Das jemand, der es darauf anlegt, Gegenstände zu bergen, diese potentiell durch Sprengsätze zerstört, nur um schneller in die Wracks zu kommen, wollte mir dabei nicht so ganz einleuchten aber gut, erinnert zumindest so ein wenig an die typischen 80er-Jahre-Filme mit ihren bösen Organisationen, die sinnlose bis kontraproduktive Dinge zum erreichen ihrer Ziele verwenden, weil sie halt so böse sind.

Im Gegensatz zu Endless Ocean geht es bei Everblue 2 dann auch nicht hauptsächlich ums Tauchen aus purer Freude daran bzw. zum Entspannen, sondern um Gegenstände zu bergen. Das ganze ist in eine fest Struktur aus Storymissionen der Marke „Finde Wrack XY“ und „Nun hol mir den Gegenstand Z aus diesem“ gefasst. Sollten dabei nur die Story-relevanten Missionen gespielt werden, ist Everblue 2 schon nach 7-8 Stunden rum, immer etwas je nachdem, wie schnell eben jenige Wracks und Gegenstände gefunden werden.

Die Spielzeit wird höchstwahrscheinlich letztendlich doch in den zweistelligen Bereich rutschen, denn es gibt einige von der Story unabhängige Bergungsmissionen im Hauptspiel, und noch einen Haufen mehr im Post-Game-Bereich. Dazu dann auch die Möglichkeit gewissen Sammlern ganze Kollektionen an Gegenstandtypen (Möbel, Waffen, Kunst) zu überreichen, bis sie alle zusammen haben. Ein paar Gebäude in der Stadt können gebaut/ausgebaut werden, sofern man die Baupläne hat, ein Aquarium mit schon gesehenen Meerestieren bestückt und diese von einem NPC auf geschossenen Fotos identifiziert werden.

Hier spielt dabei die Ausrüstung auch eine große Rolle. So kann man geborgene Gegenstände nämlich auch einfach verkaufen und mit diesem Geld besser Tauchanzüge, Sauerstoffflaschen und Bergungstaschen kaufen. Das hilft dann mehr und schwerere Gegenstände bergen (zu Beginn fasst die Tasche nur 3kg, später kann man ganze Couchgarnituren und PKWs unterbringen!), oder tiefer und länger tauchen zu können. Auch das Boot wird aufgerüstet, um sich weiter von der Insel entfernen zu dürfen.

Denn beim Tauchen muss auf die HP-Anzeige geachtet werden, die nach wiederholten Tauchvorgängen sogar auflevelt. Geht einem die Luft aus, taucht man tiefer als der Anzug es zu lässt, wird in die Tasche mehr Gewicht gepackt als dort eigentlich untergebracht werden darf oder wird man von gefährlichen Meeresbewohnern angegriffen, verliert Leo konstant HP und muss sich per Auftauchen retten bevor er stirbt. Während im normalen Ozean jederzeit aufgetaucht werden kann, muss in Wracks selbstverständlich erst eine Öffnung gefunden werden.

Was das Bergen angeht, ist dies auch nach Ozean oder Wrack sehr unterschiedlich. Im Ozean ist Leo automatisch auf den Boden fixiert und kann sich nur in der Horizontalen auf ihm entlang bewegen. Gegenstände sind im Sand verborgen und werden per Sonar aufgespürt. In den Wracks gibt es dann endlich komplette Bewegungsfreiheit und Gegenstände sind in ihrer vollen Pracht in den Räumen zu sehen.

Optisch ist das Spiel absolut kein Reißer. Die Stadt besteht aus vier vorgerenderten Bildschirmen mit an ihrem Punkt und in einer Endlosanimation gefangenen NPCs, die so optisch auch in einem frühen Spiel der ersten Playstation möglich gewesen wären. Beim Tauchen in 1st Person sieht das Spiel dann zwar wesentlich hübscher aus und die Meerestiere sind schon ganz nett anzusehen, aber auch hier wäre mehr möglich. Zudem ist die Weitsicht extrem eingeschränkt, man kann kaum weiter als eine Armeslänge sehen und die Fixiertheit auf den Boden im Ozean lässt in Verbindung damit nie wirklich Atmosphäre oder das Gefühl von Weite und Tiefe aufkommen. Man fühlt sich ständig, als würde knapp unter der Oberfläche in einem extrem trüben Aquarium getaucht, selbst wenn man 250m in der Tiefsee steckt. Dafür gibt es im Ozean oder den Wracks keinerlei durch Ladezeiten abgetrennte Bereiche.

Musikalisch gibt es heitere aber unspektakuläre Stücke in der Stadt und nichts beim Tauchen. Lediglich die Geräusche des Wassers und der Atmung durchbrechen die Stille, was schon recht atmosphärisch ist. Nur wenn ein Hai in der Nähe ist, wird ominöse Musik gespielt. Unheimlich.

Fazit:
Everblue 2 ist ein kleines feines Spielchen, wenn man sich denn mit dem Konzept anfreunden kann. Die magere Präsentation schnell vergessend kommt doch hin und wieder so ein gewisses „ein Mal tauch ich noch, um die aktuelle Mission zu erfüllen“-Gefühl auf. Das sich nach Beendigung der Story und somit Wegfallen einer vorgegebenen Struktur aber auch recht schnell wieder verflüchtig hat. Schon eher ein Spiel, mit dem man Freude hat, wenn man es irgendwo ganz billig auftreiben konnte.

6 von 10 Punkten

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