Suikoden Tierkreis

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 18.12.08 (J), 17.03.09 (US), 13.03.09 (EU)

Suikoden Tierkreis hat ziemlich schnell ziemlich viel schlechte Presse bekommen. Hauptsächlich hat es das Serienfanboys zu verdanken, die im Dreieck springen, weil sie befürchten Konami führt die Hauptserie nun nicht weiter, sondern widmet sich ganz und gar den Infinity-Paralleluniversen. Ach ja, und natürlich ist Tierkreis überhaupt nicht wirklich Suikoden, weil dafür zu viel fehlt und stinkt gegen die Hauptserie sowieso total ab. Wohlgemerkt einer Hauptserie, die so einen Stinker wie Suikoden IV enthält!

Hero wächst eigentlich ganz wohlbehütet mit seinen Freunden in einem kleinen Dorf auf. Selbst ist er dort allerdings nicht geboren, sondern als Baby gefunden und von den Dorfbewohnern aufgenommen worden. Es ist nun wohl jedem Spieler klar, dass er zu Großem bestimmt ist. Und so entdeckt er zusammen mit seinen Freunden eine seltsames Buch, das ihnen nicht nur eine kryptische Vision, sondern auch mächtige Mark of the Stars verpasst. Und die Order of the One True Way auf den Plan ruft, die nach diesen False Chronicles Ausschau halten und nach und nach ein Land nach dem anderen einnehmen, um ihre „alles ist bereits vorherbestimmt“-Religion zu verbreiten.

Wenn Tierkreis wie ein Suikoden ist, dann hauptsächlich in der Geschichte. Wie üblich gibt es eine mächtige Nation, die den Krieg mit anderen Ländern sucht und einen Jüngling, der an der Spitze der Opposition landet und ein Schloss mit 108 Gleichgesinnten füllt. Dabei ist die politische Geschichte zu Beginn sogar recht interessant geraten und alle Charaktere bekommen ein wenig Hintergrundgeschichte mitgegeben und sind so zum Großteil recht sympathisch. Selbst der Hauptcharakter, obwohl er mit seiner ständigen Catch Phrase hin und wieder ordentlich nerven kann. Manchmal wird allerdings etwas stark in Klischees gegangen.

Leider hält die Story das nicht ganz bis zum Ende durch, fährt gerade in der zweiten Hälfte immer stärker die „findet das Deus Ex Machina der Handlung, um zu gewinnen“-Schiene. Auch die Versuche die Order of the One True Way nicht als die Bösen, sondern nur eine Gruppierung mit anderen Idealen darzustellen, scheitert zusehends. Es gibt sogar einen Freund, der die Helden verrät, um sich der Gegenpartei anzuschließen, nur um sich letztendlich doch für die Spielerseite zu opfern. Leider bemüht sich auch hier das Spiel nie darum, ihn einem überhaupt sympathisch werden zu lassen und so regt all dies beim Spieler emotional mal rein gar nix.

Kommen wir nun also zum Gameplay. Respektive dem Kampfsystem. Dies ist recht üblicher rundenbasierter Standard mit zufallsgenerierten Kämpfen. 4 Charaktere gleichzeitig, die auf eine vordere und hintere Reihe verteilt werden können, aus denen natürlich teilweise nur mit bestimmten Waffen heraus die Gegnergruppen erreicht werden können. Die üblichen Gemeinschaftsangriffe gewisser zusammenhängender Charaktere gibt es auch hier. Die Sache ist nur die, dass Tierkreis Suikoden-üblich sehr einfach ist. Extrem einfach sogar. Für so ziemlich alle Zufallsbegegnungen reicht es vollkommen aus, einfach die Auto-Battle-Funktion zu aktivieren. Immerhin gibt es eine, wäre ja noch nerviger, wenn die Kämpfe so einfach wären aber diese Funktion sie nicht zumindest etwas beschleunigen würde. Bei Bosskämpfen reicht in der Regel ebenfalls, einfach die stärksten Mark of the Stars (Skills und Magien) zu spammen.

Nun stören mich sehr einfache Spiele normalerweise nicht, allerdings macht das die Kämpfe unterm Strich natürlich nicht sonderlich spannend. Und das Problem dabei ist, dass die Encounter-Rate relativ hoch ist, einem also ständig Kanonenfutter vor den Latz läuft. Es nervt nach einiger Zeit schon, ständig einen drögen Kampf nach dem anderen durchstehen zu müssen. Zudem gibt es das Serien-übliche skalierte EXP-System, nach dem jedes Level up gleich viele Erfahrungspunkte erfordert, dafür die Anzahl, die man von den Gegnern erhält sich verändert, je weiter deren und das Spielerlevel auseinander klaffen. Das hat meist zur Folge, dass man in den ersten paar Zufallskämpfen eines neuen Gebietes zügig mehrere Level aufsteigt, nur um im kompletten Restgebiet so gut wie gar keine EXP mehr zu erhalten. Auch Geld erhält man nicht, sondern wie in Final Fantasy XII lediglich Waren, die über die üblichen Trading Posts verschachert werden können. Grundsätzlich ist das natürlich erst Mal nix anderes, als Geld von den Kämpfen zu erhalten, nur über einen Umweg. Doch da einem eben das Suikoden-übliche Handelssystem zur Verfügung steht – und dies stark vereinfacht – ist es sehr einfach ohne großes Gekämpfe sehr schnell alles Geld zu haben, das man je brauchen wird. Unterm Strich ist das Hauptproblem also eher, dass die Kämpfe zum einen nicht sonderlich interessant sind, aber dazu auch noch viel zu häufig und ohne wirklich nennenswerte Entlohnung dastehen.

Zudem hängen sich die Fans gern daran auf, dass Tierkreis weder Duelle noch Massenschlachten enthält. Die Duelle waren durchaus nette kleine Abwechslungen, aber für mich jetzt auch nicht so wichtig, als das ich sie vermisst hätte. Und als jemand, der mit SRPGs nicht viel anfangen kann und den RTS-Einschlag in Suikoden V gehasst hat, stört mich das Fehlen der Massenschlachten überhaupt nicht. Nun enthält das große Aufeinandertreffen zweier Armeen halt lediglich das in anderen RPGs durchaus übliche reine Aufeinandertreffen der Heldengruppe mit dem General in einem Bosskampf. So what?

Zwei andere Unarten haben mich da schon etwas mehr gestört. Zum einen Bosskämpfe, die nicht gewonnen werden können, sondern in denen man nur eine gewisse Rundenzahl überleben muss, bis er automatisch beendet wird. Das ist durchaus nicht unüblich in RPGs, aber in Tierkreis gibt es mindestens genauso viele solche Kämpfe wie vollwertige Bosse. In der Anzahl ist das einfach nur nervig bis lächerlich. Zum anderen steckt einem das Spiel sehr häufig Charaktere in die Gruppe, die Story-bedingt im nächsten Gebiet dabei sein müssen. Das ist auch durchaus nicht unüblich aber erneut arg häufig der Fall und zum anderen könnte es so geregelt werden, dass diese außerhalb des Kämpferteams mitgehen. Es ist schon etwas schade, wenn Tierkreis einem um die 90 spielbare Charaktere anbietet, aus denen man sich seine Favoriten suchen kann, dann aber ständig welche der Lieblinge gegen Story-relevante Mitläufer ersetzt.

Grafisch gibt es nix zu meckern. Wichtige Storyszenen werden von Animesequenzen begleitet und die ingame Grafik besteht aus wirklich sehr schön anzusehenden vorgerenderten Hintergründen mit technisch durchaus guten 3D-Modellen für Charakter und Monster. Leider sehen die Charaktermodelle in den Zooms der Kämpfe häufig etwas hässlich aus, was aber Beschweren auf hohem Niveau ist.

Während es an der hübschen musikalischen Untermalung des Spieles nix auszusetzen gibt, ist die Sprachausgabe eine ganz andere Geschichte. Tierkreis hat sehr viel Sprachausgabe, selbst in einigen (wenn auch nicht allen) eher unwichtigeren Szenen. Damit dies nun alles aufs Modul passt, spricht ein Großteil der Charaktere ohne Punkt und Komma. Das hört sich nicht nur scheiße an, sondern führt auch dazu, dass man das Gesprochen oft gar nicht recht versteht. Am Schlimmsten hat es hier ausgerechnet den Hauptcharakter getroffen, was aber wohl zu erwarten ist, da er nun mal die meisten gesprochenen Sätze hat. Dazu kommt dann noch, dass sowieso nicht jeder Sprecher so toll klingt und einige ganz eindeutig merklich mehrere Rollen eingesprochen haben.

Fazit:
Suikoden Tierkreis ist etwas schwer zu bewerten. Die Geschichte war eigentlich schon recht unterhaltsam, wenn auch in der zweiten Hälfte schwächer als zu Beginn. Das Gameplay mag etwas dröge sein, aber durch den leichten Schwierigkeitsgrad verbringt man eh mehr Zeit im Text- denn Gameplay-Teil des Spieles. Ein Suikoden ist es immerhin schon mal auf jeden Fall – zwar eindeutig ein Spinoff, aber immerhin. Letztlich reiht es sich unter den vielen knapp überdurchschnittlichen RPGs auf dem DS ein, dem einige Mäkel in leider jedem Bereich das „Gut“ verwehren.

6 von 10 Punkten

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