Yakuza 2

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 07.12.06 (J), 09.09.08 (US), 19.09.08 (EU)

Yakuza war in Japan beliebt genug, um ein knappes Jahr später direkt ein Sequel zu rechtfertigen. Im Westen hingegen sah es etwas schlechter mit den Verkaufszahlen aus, letztendlich konnte sich Sega dann 2 geschlagene Jahre nach dem Japan-Release doch durchringen, das Spiel zum Bugdet-Preis auf uns loszulassen.

Im Spiel ist ebenfalls ein Jahr seit den Ereignissen des Vorgängers vergangen. Gerade wo alles so langsam zur Ruhe gekommen ist, wird ein Oberhaupt einer Yakuza-Familie Kantos umgebracht und das auch noch während Kazuma dabei steht, der natürlich prompt in die Angelegenheit hinein gezogen wird. Wie es aussieht haben es die Yakuza Kansais nun auch auf Kanto abgesehen und zusätzlich spielt ein Vorfall von vor über 20 Jahren in die Geschichte ein.

Wie die meisten Sequels ist Yakuza 2 zum Großteil copypasta des Vorgängers, nur in neuer Story. Und so sind die Spieler, die lediglich der Geschichte folgen wollen, erneut mehr mit Cutscenes schauen denn spielen beschäftigt. Wie üblich gibt es zwar in jedem der Kapitel ein paar Handlanger und einen Boss umzunieten, aber die Geschichte ist das Hauptaugenmerk des Spieles.

Und auch diesmal ist das nicht wirklich schlecht, da die Handlung Yakuzas ein sehr interessantes Gangster-Drama ist. Allerdings leider nicht mehr ganz so fest und gut gestrickt, wie noch im Vorgänger. So verliert die Geschichte besonders zur Mitte hin kurzzeitig den Fokus. Und die Love Story ist so schlecht eingebunden, dass man sich fast fragt, ob es ernst gemeint oder Selbstparodie ist. Denn Yakuza 2 ist wesentlich mehr over the top, als noch der Vorgänger. Da kann es schon dazu kommen, dass Kazuma zum Osaka Schloss gerufen wird, nur um dies komplett vergoldet vorzufinden und sobald er sich an die Spitze gekämpft hat zwei Tigern als Bossgegner gegenüber steht. Mehr Witz und Irrsinn gibt es also definitiv.

In bester Sequel-Manier gibt es dann auch vom Gameplay hauptsächlich das Gleiche, nur mehr davon. Zum schon aus dem Vorgänger bekannten Stadtteil kommt noch ein komplett neuer in Kansai hinzu. Wobei leider nie frei zwischen beiden gewählt werden kann, sondern Kazuma von der Story diktiert mal in Kansai und dann wieder in Kanto ist.

Wer gerade keinen Bock auf das Fortführen der Geschichte hat, darf entsprechend erneut in diesen Imbissbuden, Strip-Clubs, Hostessen-Bars oder eine Sega-Arcade besuchen. Golf spielen, Geld im Kasino verschleudern oder im Kolosseum kämpfen. Und eine Vielzahl von Nebenmission bestreiten, vom Umwerben der Hostessen, bis dahin selbst der No.1 Host eines Clubs zu werden, davon einem Penner eine Flasche Sake zu spendieren, bis dazu einer Martial-Arts-Omi beizustehen. Es wird so einiges zum Zeitvertreib geboten.

Erneut trifft Kazuma dabei auf der Straße immer mal wieder auf Leute, die ihn dumm von der Seite anmachen und einen Kampf provozieren. Nach dessen erfolgreicher Beendigung Geld und Erfahrungspunkte zum Aufleveln der Statuswerte Kazumas eingesackt werden. Gekämpft wird wieder hauptsächlich mit Fäusten und einer Vielzahl von Waffen bzw. als solche missbrauchte Gegenstände der Umgebung. Schön ist, dass sich Kazuma nun etwas besser steuern lässt als im Vorgänger und die Ladezeiten vor den Kämpfen wesentlich kürzer sind.

Neu im Spiel sind lediglich Quick Time Events. Sicherlich konnten auch im Vorgänger schon X und Viereck gehämmert werden, um sich aus dem Schwitzkasten eines Gegners zu befreien oder einem Spezialangriff mehr Wumms zu verleihen. Yakuza 2 baut hingegen nur richtige QTEs ein, um Spezialangriffen von Bossen auszuweichen, von Zuschauern zugeworfene Waffen aufzufangen oder auch wie beim Erklimmen des Osaka Schlosses Fallen zu entgehen. Schön daran ist, dass es nicht die berüchtigten „Press X to not die“-QTEs sind, sondern ein Misslingen lediglich einige HP Kazumas kostet. Instant Death hatte ich lediglich bei einer QTE am Ende des finalen Bosses des Spieles. Und auch dies war nicht so schlimm, da über Retry die Kämpfe alle direkt von vorn begonnen werden können und sich die Tastenkombinationen der QTEs nicht ändern, der Überraschungseffekt anschließend also ausfällt.

Optisch nutzt das Spiel wohl die gleiche Engine wie der Vorgänger und sieht somit erneut bombig aus. Kam mir sogar so vor, als wären die FMVs noch etwas besser anzusehen, dafür das Pop up von Fußgängern in den überfüllten Straßen stärker. Akustisch hat sich viel getan, so kommt Yakuza 2 nämlich ohne eine englische Synchronisation daher, sondern bietet zur wesentlich besser anzuhörenden japanischen Tonspur lediglich Untertitel.

Fazit:
Nach Yakuza wollte ich unbedingt „Mehr davon“. Und genau das liefert Sega mit Yakuza 2 ab. Nicht nur im Sinne von „Mehr vom Gleichen“, sondern auch „Mehr von allem“. Mehr Kampf-Moves, mehr Lokalitäten, mehr Nebenmissionen. Leider auch eine etwas durchwachsenere Handlung. Ich hatte zumindest wieder sehr viel Spaß mit dem Spiel, allerdings ein bisschen weniger, als noch mit dem Vorgänger.

8 von 10 Punkten

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