Final Fantasy VIII

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 11.02.99 (J), 07.09.99 (US), 27.10.99 (EU)

Oh ha, der achte Teil der nicht wirklich finalen Fantasie. So sehr geliebt. So sehr gehasst. Es gibt nichts, was nicht bereits zu dem Spiel gesagt worden wäre. Und trotzdem will ich meine unnötige Meinung auch noch dazu geben, nachdem ich nun bis zum Ende durchgehalten habe – 10 Jahre nach dem Kauf.

Squall ist SEED-Antwärter des Balamb Garden und hat gerade seine Abschlussprüfung hinter sich gebracht, da bekommt er auch schon ein paar weitere SEED-Neulinge und seinen ersten Auftrag aufs Auge gedrückt. Letztendlich wird er sich in Begleitung seiner großen Liebe im Krieg gegen mehrere Hexen wieder finden.

Final Fantasy VIII möchte wirklich unbedingt eine packende Geschichte erzählen. So sehr, dass es zwar Nebenaufgaben gibt, aber das ganze Gameplay weitestgehend darauf ausgerichtet ist, möglichst zügig durchs Spiel zu kommen. Und zu Beginn ist es gar nicht mal so übel darin. CD1 wirft einen von einem packenden Ereignis ins nächste, die Charaktere bleiben weitestgehend im erträglichen Nerv-Rahmen und auch die Geschehnisse an sich sind nicht zu unlogisch. Zu schade nur, dass das Spiel dort nicht endet, sondern auf den anschließenden CDs kontinuierlich auseinander fällt.

Was zunächst wie ein interessantes Geflecht aus Kriegsgeschehen, Hexenmythos und Liebesgeschichte wirkt, wirft ziemlich schnell alle anderen Storysegmente anstandslos über Bord, und stützt sich plötzlich nur noch auf die Romanze. Eine Love Story als Dreh- und Angelpunkt eines RPGs zu haben würde mich dabei grundsätzlich nicht stören, wenn es a) nicht zunächst nach so viel mehr aussehen würde und b) diese gut wäre.

Denn Final Fantasy VIII ist eine miserable Liebesgeschichte. Squall startet logisch genug. Sicherlich ist er etwas kaltschnäuzig und introvertiert, aber immerhin leitet er auch einen Söldner-Truppe, die einen Mordauftrag ausführen soll. Das konstante „Sei doch netter“-Generve der Rest-Truppe wirkt ehrlich gesagt Situationsbedingt unlogischer, als sein Verhalten. Später durchlebt er eine Wandlung, durch die er sich langsam seinen Freunden gegenüber öffnet. Auch schön und gut, nur führt das dazu, dass er plötzlich unsäglich Emo wird und nur noch nervig durch die Gegend weint. Rinoa hingegen ist von Anfang an eines der nervigsten Rindviecher, die man je in einem RPG ertragen müsste. Selbst allen ihren Text mit konstantem „Hey! Listen!“ zu ersetzen, würde sie nicht mehr viel schlimmer machen. Das sie so häufig im Spiel Rettung bedarf, dass man daraus direkt ein Trinkspiel machen könnte, hilft ihrem stereotypen Charakter auch nicht. Und wer schert sich schon um eine Romanze zwischen zwei hochgradig nervtötenden Charakteren? Dazu kommt noch, dass Squall – selbst nachdem er sich zu öffnen beginnt – Rinoa keines Blickes würdigt und auf sie ständig genervt reagiert, dann aber plötzlich von einer Sekunde auf die andere behauptet, nun wäre er unsterblich in sie verliebt. Es herrscht einfach keine Chemie zwischen den beiden, sie nerven, die Dialoge zwischen ihnen sind schrecklich… Final Fantasy VIII ist Twilight: The RPG.

Die restlichen Charaktere sind auch nicht viel besser. Xell und Selphie benehmen sich, als hätten sie ADHS, Cifer fängt fast genauso sehr zu whinen an, wie Squall und Irvine hat gleich gar keine Persönlichkeit. Lediglich Quistis ist ein ziemlich cooler Charakter, nicht zuletzt auch, weil sie Cifer und Squall gern aufs Korn nimmt und Rinoa gewaltig den Marsch bläst, was für ein weltfremdes, nutzloses Stück sie doch eigentlich ist. Zudem hat FF8 mit Edea einen der coolsten Bösewichter der gesamten Serie. Zu schade, dass sie später durch zwei ziemlich blasse andere Hexen abgelöst wird, deren Ziele ebenfalls ziemlich in der Luft bleiben. Sicherlich gibt es da eine gewisse sehr populäre Theorie um Artemisia, dummerweise scheint das Spiel an sich aber nicht gewillt, dies so wirklich je direkt anzusprechen.

Und dann gibt es noch die Laguna-Flashbacks. Die vergesse ich immer wieder, da sie ehrlich gesagt absolut langweilig sind, Laguna ein dummer Charakter ist und die Teile absolute Verschwendung von Lebenszeit darstellen. Erneut eine im Prinzip nette Idee, nämlich im Rückblick eine gescheiterte Romanze zu zeigen, deren Kinder dann später zueinander finden werden, schrecklich vom Spiel umgesetzt, da die Romanze nie wirklich wesentlich erscheint und die ganze Angelegenheit anödet.

Sprich: Für ein Spiel, das so gerne realistische Charaktere und eine interessante Geschichte zu seinem Eigen machen will, vermasselt FF8 beides nach Strich und Faden. Und das ist schade, weil wie bereits erwähnt CD1 eigentlich sehr viel versprechend begonnen hat. Man bekommt das Gefühl danach hätten die Entwickler viele Ideen und Plotpunkte über Bord werfen und die Romanze notdürftig mit den wichtigsten Eckpunkten zusammengeschustert, weil das Spiel sonst zur Deadline nicht fertig geworden wäre. Nur das es halt immer noch unfertig wirkt.

So viele Worte um Story und Charaktere, kommen wir doch endlich mal zum hochgradig innovativen Gameplay. Nicht, dass Innovation was Gutes sein muss, wie Final Fantasy II so schön bewiesen hat.

Final Fantasy VIII ist anders, sehr sogar. Gegner hinterlassen kein Geld, MP gibt es nicht, Ausrüstung auch nicht, Bosse geben keine EXP, Zauber und Abilities lernt man nicht und Aufleveln ist sowieso absolut unnütz. Aber lieber mal der Reihe nach. In FF8 gibt es das Kopplungssystem. Guardian Forces, wie die Summons in diesem Teil heißen, können von den Charakteren ausgerüstet – gekoppelt – werden. Und sie sind es die Befehle und Abilities lernen, ohne sie haben die Charaktere sehr niedrige Statuswerte und im Kampf lediglich den Angriffs-Befehl. GFs aufrufen, Items werfen, Zauber sprechen, Stehlen usw. usf. sind alles Dinge, die von den GF gelernt und von den Charakteren über das Koppeln ausgerüstet werden.

Zauber werden nun gezogen. Entweder direkt aus dem endlosen Repertoire der Feinde, oder von über die Landschaft verteilten Draw-Punkten. Jeder Charakter kann bis zu 100 Einheiten pro Zauber lagern und gesprochen werden können natürlich nur die, die man sich gezogen hat. Zusätzlich werden Zauber allerdings auch an die Statuswerte gekoppelt, damit sie nicht mehr so mickrig sind. Vigra oder Erzengel an die HP gekoppelt und sie vervielfachen sich. Tripel an die Geschwindigkeit und er ATB-Balken füllt sich schneller, als man sehen kann. Feuer an die Abwehr, Eis an den Angriff und Feuergegner sind ein leichtes Spiel. Anstatt Ausrüstung zu kaufen, werden in FF8 nun Zauber gezogen und gekoppelt – je besser der Zauber und je mehr davon, umso besser ist der Boost des Statuswertes.

Das ist ein sehr interessantes System, leider sind die Menüs aber etwas umständlich zu bedienen und die ganze Angelegenheit trotz endlos langsamen Tutorials zu Spielbeginn eher dürftig erklärt. Die Angelegenheit kann schnell zum Grinding führen – anstatt EXP zum Level up nun eben Zauber zum Koppeln. Wer weiß, was er tut kann hingegen ziemlich schnell ausloten, welche Zauber am profitabelsten sind und diese über ein paar Bosse, sich auffüllende Drawpunkte und vor allem das Wandeln von Items und Karten in Zauber für alle Charaktere beschaffen. Nur wer hat schon beim ersten Anlauf den Überblick über das komplizierte System?

Nichtsdestotrotz: Wer weiß, wie man schnell an viele gute Zauber kommt, hat seinem Team bald so gute Kopplungen verschafft, dass FF8 zu einem der einfachsten Spiele der Serie wird. Vor allem, wenn wenig gekämpft wird. Denn der Level der Gegner im Spiel richtet sich am Level der Gruppe. Das macht Kämpfe so gesehen relativ unnütz, da einfach auf sehr niedrigem Level durchs Spiel gegangen werden kann – die Gegner haben so auch ein niedriges Level und sind entsprechend einfach, vor allem, wenn die Truppenstati durchs Koppeln überproportional gepimpt sind fürs momentane Level. Später eröffnet sich sogar die Möglichkeit, normale Gegnerkämpfe deswegen komplett auszuschalten.

Extra erwähnt werden soll noch Triple Triad. Das TCG-Game ist nämlich wesentlich besser und launiger, als das Hauptspiel. Überall auf der Welt können NPCs zu einer Kartenkampfrunde herausgefordert werden. Karten bekommt man vom Gewinnen über sie, in dem man Gegner in diese umwandelt und teilweise auch nach dem Erhalt von GFs. Wie gesagt ist es ein unglaublich launiger und regelrecht süchtig machender Zeitvertreib. Aber FF8 muss jeden seiner Aspekte ein wenig vermasseln, in dem es regional bedingt teilweise unglaublich nervige Regeln einfließen lässt, wodurch man letztendlich fast nur in der Anfangsregion bleibt, wo die Regeln noch Spaß machen. Allerdings ist TT nicht einfach nur ein Sidegame, sondern ins Hauptspiel eingebunden: Karten könnten teilweise in enorm gute Items gewandelt werden und diese dann wiederum in enorm gute Zauber. Spielen lohnt sich also.

Technisch ist FF8 natürlich extrem schnieke für sein Releasedatum und –plattform. Die vorgerenderten Hintergründe sehen selbst Heute noch ordentlich aus, die vielen FMVs sind auch hübsch und selbst die mittlerweile etwas pixeligen Charakter- und Monstermodelle sind nicht halb so grobschlächtig, wie man erwarten würde. Nicht zu vergessen die tollen GF-Beschwörungsszenen, die dafür leider nicht übersprungen werden können und doch etwas arg lang sind, auf Dauer.

Musikalisch wird eine von Uematsu gewohnt gute Qualität in gewohnt hoher Bandbreite geliefert. Eyes on Me ist eventuell etwas arg verkitscht, dafür liefert Liberi Fatali eines der tollsten Openings der Serie ab und allgemein ist die Qualität von den mehr militärisch angehauchten bis in die ruhigen Piano Tracks hoch.

Fazit:
Eingangs bereits erwähnt, wird FF8 von vielen geliebt und von vielen gehasst. Ich gehöre zu denen, denen das Spiel nicht gefällt. Die meisten Plotpunkte werden einfach mittendrin aufgegeben, die übrig gebliebene Lovestory ist miserabel erzählt und zwischen zwei unglaublich unsympathischen Charakteren. Das Kopplungssystem ist durchaus innovativ, aber etwas zu arg kompliziert ausgeführt und zu schlecht erklärt, um zu Beginn wirklich schon gut genutzt werden zu können und ehrlich gesagt auch nach dem Dahinter steigen nicht so wirklich meins. Das Spiel wäre besser, wenn es nur aus Triple Triad bestehen würde. Oder nach CD1 einfach Schluss wäre, danach wird es nämlich zusehends unlogischer, dämlicher und langweiliger.

4 von 10 Punkten

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