Chrono Trigger

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 02.11.99 (J), 29.06.01 (US)

Chrono Trigger ist ein für die meisten Leute besonderes Spiel, wird es doch zusammen mit Final Fantasy VI und VII am Häufigsten genannt, wenn es um das beste RPG aller Zeiten geht. Immerhin im goldenen Zeitalter von Square erschaffen, als diese so gut wie nichts falsch machen konnten und sich dazu sogar noch ein paar Leute von Enix Dragon Quest Serie ins Boot holten, die eh jeher in Japan jeglichen anderen RPGs was die Verkaufszahlen angeht, den Rang ablief. Was kann da schon schief gehen.

Crono ist ein ganz normaler Bursche mit Haaren, die sich den Gesetzen der Physik eisern entgegen stellen. Eigentlich will er ja nur auf den Jahrmarkt gehen, wo er auch prompt eine hübsche Blondine über den Haufen rennt, die sich ihm anschließt. Was ein herrlicher Tag, könnte kaum noch besser werden. Doch kosmisches Karma gleicht das ganze Glück sofort doppelt aus, in dem es die Blondine in ein Zeitloch fallen lässt und da Crono nun mal ein typischer JRPG-Protagonist ist (a.k.a nett, hilfsbereit und womöglich nicht sonderlich helle) springt er prompt zur Rettung der holden Maid hinterher. Nur um in größerer Konsequenz herauszufinden, dass die Erde 1.000 Jahre in der Zukunft untergehen wird, wenn er und seine über die Epochen Zusammengewürfelte Truppe nichts dagegen unternehmen. Den meisten Menschen wäre es sicher ziemlich egal, wenn die Welt Jahrhunderte nach dem eigenen Tod sein Ende findet, aber doch nicht Crono und Co.!

Man muss es Chrono Trigger lassen, es weiß geschickt die Vorzüge eines 16bit Final Fantasys (starker Hauptplot) mit denen von Dragon Quest (starke Nebenplots) zu einem runden Ganzen zu vermischen. So werden in jeder Epoche charmante Charaktere angetroffen und erst Mal das eine oder andere unabhängige Problem gelöst, damit diese sich auch anschließen, während alles letztendlich doch mit einem roten Faden über die Epochen hinweg verbunden ist. Dazu gibt es einige wirkliche Highlights wie z.B. den Subplot von Frog und überhaupt den Sturm auf Magus Schloss. Sicherlich ist nicht alles so neuartig, wenn das Spiel heutzutage zum ersten Mal gespielt wird, wie es 1995 war, aber dennoch hat es einen gewissen zeitlosen Charme, durch den sich das Abenteuer nichts von seinem Glanz nehmen lässt.

Worin Chrono Trigger dabei besonders gut ist, ist das Pacing. Subplots und Epochen sind relativ schnell erledigt, Dungeons bleiben sehr überschaubar und da es keine Zufallskämpfe gibt, ist auch eventuelles Backtracking und Schatzsuche keine nervige Angelegenheit. Zudem hat man, solange die meisten Gegner umgebracht werden, eigentlich immer das Level, um ohne Probleme voran zu schreiten. Sollte man mal bei einem Boss scheitern, ist das meist mit etwas Umarrangieren der Heldentruppe und Ausrüstung bzw. durch Taktikänderung zu bewältigen und da es immer kurz vorher einen Speicherpunkt gab, geht kein Fortschritt verloren. Lediglich zwischen dem letzten Teil des Hauptquests und dem Endboss gibt es einen starken Sprung im Schwierigkeitsgrad, da dieser darauf angelegt ist, dass der Spieler dazwischen einen Großteil der Nebenquests macht, um bessere Rüstung und einige Level zu bekommen. Was dahingehend entlohnt wird, weil die meisten Nebenquests lose Storyenden des Hauptquests aufnehmen und einen Abschluss bringen.

Von den Kämpfen her gibt es wie bereits erwähnt keinen Zufallskämpfe, die Gegner sind auf der Karte zu sehen und können eventuell dadurch umgangen werden und sind zumindest nach dem Kampf dann kein Hindernis mehr, solange man den Bildschirm nicht verlässt und zurück kommt. Was die kurzen Dungeoneinlagen noch angenehmer macht. Gekämpft wird wie in Final Fantasy nach dem ATB-System, sprich jeder Gegner und Charakter hat eine Leiste, die sich füllen muss, bevor er agieren kann. Dadurch, dass dies alles allerdings direkt in der aktuellen Umgebung abläuft und die Sprites währenddessen durch die Gegend laufen, statt eine strikte Reihe in einem eigenen Kampfbildschirm zu bilden, kommt einem die Angelegenheit trotzdem erstaunlich frisch und wesentlich dynamischer vor. Was so ein wenig optische Änderungen doch bewirken können. Zusätzlich zu den normalen Skills gibt es bei Chrono Trigger auch noch besonders gute Doppel- und Trippeltechniken, sofern man die richtigen Charaktere gleichzeitig im Kampf hat. Während die Zwischengegner alle relativ belangloses Kanonenfutter sind, müssen für Bosse häufig dann doch die Gehirnzellen angeschaltet und die richtig Taktik genutzt werden, um die häufig doch sehr unterschiedlich gestalteten Schlachten zu gewinnen.

Auch was das Gameplay angeht, muss man eigentlich sagen, dass es relativ alterslos zu sein scheint, auch wenn natürlich einige frische Dinge wie das Weggehen von den 1995 durchaus noch wesentlich mehr zum Standard gehörigen starren Rundenkämpfen zu heutzutage ganz normalen dynamischeren Systemen eben nicht mehr ganz so besonders wirken.

Was Chrono Trigger übrigens definitiv erfunden hat, ist das New Game +. Sobald das Spiel durch ist, kann mit Bonussen aus dem vorigen Durchlauf das Spiel erneut angegangen und so noch schneller als die ursprünglichen ca. 20 Stunden beendet werden. Was dahingehend gefördert wird, als das es über 10 verschiedene Enden im Spiel zu erreichen gibt, je nachdem, wann man sich den Endboss vornimmt.

Technisch gehört Chrono Trigger zu einem der bestaussehenden SNES-Spiele der damaligen Zeit. Und so bietet es selbst heutzutage noch sehr schön anzusehendes 2D, besonders was so einige Hintergründe und Spriteanimationen angeht. Seit der PSX-Version gibt es zudem auch noch mäßig aussehende Anime-Sequenzen im schlimmen Mitt-90er-Toriyama-Design, die allerdings eher wenig und kurz sind und einige der spektakulärsten Geschehnisse im Spiel lieber gleich lassen. Musikalisch hingegen gibt es nichts zu meckern, Uematsu und Mitsuda liefern eine tolle Trackliste ab, die an manchen stellen auch verdächtig nach Final Fantasy VI und Secret of Mana klingt.

Noch ein kurzes Wort zur PSX-Version, da es diejenige ist, die ich gespielt habe, auch wenn zu dieser heutzutage wahrscheinlich sowieso keiner mehr greifen wird: Kein Glanzstück. Und zwar lediglich wegen der Ladezeiten, die mehrere Sekunden nicht nur beim Wechseln des Bildschirms, Starten und Beenden eines Kampfes, sondern auch Aufrufen des Menüs betragen. Das verlangsamt das sonst eigentlich so flotte Spiel doch sehr.

Fazit:
Chrono Trigger endlich zu spielen war interessant. Denn es ist ein wirklich zeitloses Spiel, das viele interessante Dinge bietet und sich in der Ausführung eigentlich überhaupt keine Fehler leistet. Ein glatt geschliffenes, gut konstruiertes, nahezu perfektes Oldschool-RPG, bei dem „oldschool“ diesmal überhaupt nicht den Beigeschmack von „alt“ trägt. Und doch will bei mir der Funke irgendwie nicht komplett überspringen, ich mag andere RPGs, die sich durchaus mehr Fehler erlauben, irgendwie besser. Bestes RPG aller Zeiten kann ich für mich also nicht unterschreiben, aber sehr gutes RPG allemal.

8 von 10 Punkten

Werbeanzeigen