E.V.O: Search for Eden

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 21.12.92 (J), 07.93 (US)

Im Gegensatz zu z.B. Square wurden Spiele von Enix eigentlich nie in-house produziert, sondern die Programmierarbeit von anderen Firmen übernommen, häufig sogar deren Spiele ohne das Enix viel damit zu tun gehabt hatte, lediglich published. Das hatte seine Vor- und Nachteile, so war nämlich das qualitative Gefälle wesentlich höher, dafür aber auch die Kreativität. Ein solch interessantes Spiel aus der SNES-Ära ist E.V.O: Search for Eden, das sich die Evolution zum Thema nimmt.

Gaia, der Geist unsres Planeten Erde, bekommt von der Sonne, die dem Universum Leben ermöglicht, eine spannende Nachricht: Auf ihrem Planeten wird es zu Leben kommen und dieses nach dem Gesetzt des Stärkeren immer neue Formen annehmen, bis endlich ein Lebewesen entstehen wird, das zusammen mit Gaia in Eden Einzug halten kann.

Die Geschichte dient dabei eigentlich nur dem Zweck der Rahmenhandlung, um ein Ziel zu geben und eine Erklärung abzuliefern, warum ein und dasselbe Tier über Jahrmillionen hinweg lebt. Und so wird man von Gaia in eine Ära nach der anderen geworfen, vom Meereszeitalter bevor es Land gab, über die Dinosaurier, bis hin zur Zeit des frühen Urmenschen. Ziel ist dabei immer, sich durch die Ära zu kämpfen und einen Boss zu erledigen, dessen Rasse in der Regel versucht, die Evolution aufzuhalten. Später dreht der ganze Plot sogar so richtig ab, wenn plötzlich falsch entwickelte Vogel-, Fisch- und Dinomenschen auftauchen. Wobei der Anblick von auf Dinos reitenden Vögeln oder auf Haien reitenden Fischen schon etwas hat. Aber allzu ernst nehmen sollte man den Plot halt nicht. Dafür gibt es sogar mehrere Enden, wobei es sich dabei lediglich um vorzeige Enden handelt, wenn sich der Spieler dazu entschließen sollte, sich mit einer der „bösen“ Rassen zusammenzutun.

Um die Bosse zu erreichen muss sich durch mehrere Level auf der Weltkarte bewegt werden, alle in guter alter Sidescrolling-Manier von links nach rechts und manchmal ganz progressiv sogar von rechts nach links zu durchwandeln. Die Gegner in ihnen sind nicht unbedingt immer aggressiv und solange es kein Boss ist, müssen sie noch nicht einmal erledigt werden, sondern das Ziel ist lediglich, das Ende des Bildschirms zu erreichen, um das nächste Level auf der Karte frei zu schalten.

Das Kampfarsenal ist relativ überschaubar: Beißen, bis der Gegner tot ist. Geholfen durch Hörner und die Möglichkeit zu springen, wenn man diese denn hat. Denn wie bereits erwähnt geht es hier um Evolution. So startet der Spieler zwar in jeder Welt als ein aktuelles Wesen, vom Fisch über Dinos bis hin zum Säugetier, doch dies ist sehr klein und schwach und kann kaum was. Getötete Gegner hinterlassen nun allerdings ihr Fleisch und frisst man dies, werden nicht nur ein paar HP geheilt, sondern auch Evolutionspunkte gutgeschrieben. Wenn genug EP gesammelt sind, können je nach Kreatur diverse Körperteile weiterentwickelt werden. Panzer für bessere Verteidigung, Beine fürs schnellere Laufen, Kiefer für den stärkeren Angriff etc. Im Prinzip also wie Geld fürs Aufrüsten oder Erfahrungspunkte zum Aufleveln. Erst wenn man so gut wie voll entwickelt für die jeweilige Welt ist, ist eigentlich auch erst der Boss machbar. Dafür sammeln sich EP aber auch relativ schnell an, wirklich langes Grinding muss nie gemacht werden. Wie Pflanzenfresser es geschafft haben, sich je weiterzuentwickeln, verrät einem das Spiel dabei leider nicht. Nett auch, dass der Spieler sich in späteren Welten für mehrere Evolutionswege entscheiden kann. Seltsamerweise auch dazu, sich ab dem Dinosaurierzeitalter gar nicht mehr zu entwickeln, was irgendwie ziemlich gegen die ganze Handlung läuft und Dinos nun auch wirklich nicht gerade eine Tierart sind, die es selbst heutzutage noch gibt.

Und das war es im Prinzip auch schon. Durch die kurzen Level stapfen, alles tot beißen, dabei EP sammeln, um sich aufzurüsten und am Ende den Endboss plätten. Alles sehr unkompliziert und schmucklos. Die Angelegenheit dann 5 Mal in Welten, die zum Glück kurz genug sind, als das der immer gleiche Ablauf nicht langweilig wird, sondern spaßig bleibt und so winkt das Ende dann auch im einstelligen Stundenbereich. Glücklicherweise, E.V.O ist nämlich ein schnörkelloses Spiel, das eher auf kurze Dauer Spaß macht, nicht auch in die Länge gezogen.

Was als Einziges den Spaß im Spiel drückt sind die Bosse, die so unmenschlich sind, dass man sich nur mit viel gutem Willen, mehreren Versuchen und dem Fluchen eines Tourettekranken Seemannes durchgebissen bekommt. Zumal es keine Items im Spiel gibt, höchsten hier und da mal eine Pflanze, die fürs kleine HP-Heilen gefressen werden kann. Dafür werden die HP allerdings komplett regeneriert, wenn das Wesen eine Evolutionsänderung durchlebt, die einzige brauchbare Heilungsmöglichkeit, um durch die Bosse zu kommen, ist also zusätzliche EP anzusammeln und mittendrin einfach ständig einen Körperteil weiter- und zurückentwickeln, um komplett geheilt zu werden. Schon seltsam. Ein weiteres Problem ist, dass es keine kurze Unbesiegbarkeitszeit gibt, nachdem man getroffen wird, so dass durch eine längere Berührung des Gegnersprites durchaus mehrere Treffer eingesteckt werden müssen.

Grafisch sieht das Spiel nicht überragend aus, aber zweckdienlich. Vor allem die verschiedenen Evolutionsergebnisse und die niedlichen Animationen sind gefällig. Musikalisch hingegen wird übelste Kost geboten, sobald die mit Ambiente versehene Meereswelt hinter einem liegt, was sich auch bis zu den Credits nicht bessert. Lieber lautlos stellen.

Fazit:
Mir hat das Spiel definitiv viel Spaß gemacht. Es hat ein paar kleine Problemchen und ist nicht sonderlich komplex, aber der launige schnörkellose Zeitvertreib bringt ein paar Stunden guten Spielspaß mit, wenn man nicht gerade vor einem der Bosse steht.

7 von 10 Punkten

Werbeanzeigen