Sam & Max: Season One

  • Plattform: PC
  • Release: 18.07.07 (US), 31.08.07 (EU)

Im goldenen Adventure-Zeitalterder 90er waren es vor allem Sierra und Lucasarts, die sich in die Fanherzen programmierten. Doch irgendwann starb das Genre so ziemlich aus, nur um nun seit einigen Jahren wieder ordentlich im Rollen zu sein. Lucasarts macht zwar nicht mehr in Point and Click Adventures, aber dank Telltale Games leben ihre Franchises fort. Darunter auch Sam & Max, die im Episodenformat mittlerweile schon bei ihrer dritten Staffel angelangt sind.

Staffel Eins deckt 6 Episoden ab, davon die ersten fünf mit absolut in sich geschlossenen Geschichten. Der rote Faden ist lediglich, dass sie alle etwas mit Hypnose zu tun haben, ob nun eine Talkshowmoderatorin ihre Zuschauer, der Präsident der USA sein Volk, oder das Internet seine User zu hirnlosen Zombies macht (erstaunlich, dass jemandem überhaupt ein Unterschied aufgefallen ist) und die finale Episode greift dies dann auf und bringt die Geschichten zusammen.

Was leider am Release in komplett in sich geschlossenen Episoden von Nachteil ist, ist die Tatsache, dass eine davon leider etwas arg kurz ist. Zudem sind die Lokalitäten häufig die Gleichen, genau wie der Ablauf. Meist finden Sam und Max schon früh raus, wer der aktuelle Übeltäter ist und der Rest der Episode muss ein Weg zu diesem bzw. wie dieser aufgehalten werden kann, gefunden werden. Das geschieht häufig über einen Besuch bei Sybil (Running Gag #1: Welchen Job hat sie diesmal), ein Besuch bei Bosco, nachdem ein Weg gefunden wurde, dass Geld für seine neueste Errungenschaft zusammen zu bekommen (Running Gag #2 und 3: Als was verkleidet er sich diesmal und welchen Alltagsgegenstand versucht er einem als Supergadget anzudrehen) und eine Autoverfolgungsjagd. An Lokalitäten gibt es in jeder Episode also das Büro von Sam und Max und die beiden Geschäfte zu sehen und dann lediglich eine Episoden-spezifische Szenerie. Das kann auf Dauer schon etwas dröge sein.

Was den Rätselfaktor angeht, führen die wenigen Lokalitäten und Charaktere auch dazu, dass die Staffel eigentlich nie sonderlich schwer wird, da es einfach nicht viele Möglichkeiten gibt, etwas zu tun. Zumal das Interface zusätzlich vereinfacht ist und alles nur per einem Mausklick geregelt wird, Sam macht dann schon automatisch das Einzige, wozu dieser Gegenstand gut ist. Es gibt natürlich auch hier ein paar herrlich witzig-abstruse Aufgabenlösungen: Zu Beginn von Episode 1 z.B. hat eine Ratte das Telefon geklaut und wird es nur rausrücken, wenn sie Käse bekommt. Aber nicht irgendeinen, sondern guter Schweizer Käse muss es sein. Nun haben die beiden den ganzen Schrank voll Käse, aber keinen Schweizer. Die Lösung ist einfach, in diesen Löcher zu schießen und zu hoffen, es fällt der Ratte nicht auf. Die schräge Welt von Sam & Max (und das Genre manchmal im Allgemeinen) ist für diese abstrusen Logiksprünge bekannt und es deswegen vielleicht manchmal sogar ein Segen, dass Season One so hoffnungslos einfach ist.

Das klingt bisher alles etwas arg negativ, aber Sam & Max: Season One lebt hauptsächlich durch etwas ab vom Gameplay: Charme und Witz. Telltale hat einfach ein unglaublich gutes Händchen bewiesen, die Episoden durch den üblichen Humor und die witzigen Sprüche der beiden Partner frisch zu halten. Da mag eine Episode noch so kurz und vom Gameplay her seicht sein, man möchte einfach wissen, welche abstruse Situation und darauf gemünzten Kommentare als nächstes auf einen zukommen. Und das rettet die Season.

Dabei ist leider auch ein rechtes Gefälle zwischen den Episoden zu verzeichnen. Episode 1 und 3 sind leider nicht ganz so packend und werden wirklich nur durch den Witz etwas gerettet. Episode 2 ist da schon etwas besser gewesen und für die zweite Hälfte legt Season One endlich richtig los. Diese sind nicht nur noch witziger und charmanter, sondern auch vom Gameplay her wirken sie endlich etwas involvierter, da es scheinbar endlich etwas mehr zu tun gibt, die Aufgaben etwas cleverer sind und auch das übliche Schema aufbereitet wird.

Optisch und akustisch ist Sam & Max nett anzusehen bzw. –hören. Sicherlich reißt es keine Bäume aus, aber es ist ja auch ein DLC-Game in Einzelepisoden und der Stil macht die fehlende technische Raffinesse sowieso allemal wett. Viel besser, als hier, muss so ein Sam & Max technisch gar nicht aussehen. Zumal es sehr gut geglückt ist, die cartoonigen Charaktere in 3D umzusetzen.

Fazit:
Das hat jetzt alles sehr negativ geklungen, aber schlecht ist Sam & Max: Season One nicht. Es ist als Gesamtstaffel sogar ein durchaus gutes Spiel. Mir waren die Einzelepisoden etwas zu seicht und kurz und vor allem die erste Hälfte zu durchwachsen, aber Charme, Witz und die zweite Hälfte retten das. Hätte ich sie mir als Einzelepisoden zu Erstrelease runter geladen, hätte ich allerdings wohl nach Episode 3 aufgehört, im Discrelease als ganze Staffel gespielt, bin ich doch ganz froh so auch Episoden 4-6 mitbekommen zu haben.

7 von 10 Punkten

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