Glory of Heracles II: Titans‘ Downfall

  • Plattform: Nintendo Entertainment System
  • Release: 23.12.89 (J)

Alle 8bit-RPGs mit Dragon Quest und alle 16bit-RPGs (und teilweise auch die zu 32bit-Zeiten) mit Final Fantasy zu vergleichen mag sicher nicht wirklich zutreffen und wurde damals eher von jenen gemacht, die nicht wirklich viele Vertreter des Genres spielen, doch ein wenig Wahrheit steckt auch darin. Gerade in dem Vergleich vieler NES-RPGs mit Dragon Quest, und Glory of Heracles II: Titans‘ Downfall bestätigt dies, ist es doch mit „Wie Dragon Quest, aber im antiken Griechenland“ ganz gut umschrieben.

Oder besser noch mit „wie Dragon Quest, aber mit antikgriechischem Anstrich“, denn wie bei JRPGs üblich, nimmt es diesen Einfluss nicht so genau. Eigentlich ist es nicht wirklich sonderlich anders, als ein RPG im Mittelalterfantasy-Anstrich (der ja auch Mittelalter nicht allzu genau nimmt in der Regel) und ersetzt nur hier und da optisch ein paar Dinge. Menschen tragen Togas, Städte haben Säulentempel, Bossgegner stammen aus der griechischen Mythologie, anstatt eines Luftschiffes gibt es einen Pegasus (ziemlich cool, eigentlich), NPCs sind Zeus oder Homer, doch so wirklich einen großen Unterschied macht dies letztendlich nicht. Die Weltkarte ist z.B. definitiv nicht der östliche Mittelmeerraum, und wenn ich richtig informiert bin, kannten die antiken Griechen auch keine arktischen Hundeschlitten.

Immerhin ist die Charakterriege ganz interessant. Der Hauptcharakter natürlich nicht, ist er doch wie üblich stumm, ohne Persönlichkeit und bekommt direkt zu Beginn von der Königin in etwa gesagt „Der Dark Lord ist böse, geh und stürze ihn“, was die übergeordnete Handlung auch schon so ziemlich erschöpfend wiedergibt, doch die Charaktere, die sich ihm anschließen sind recht originell. Die wären nämlich ein Centaur, der auf der Suche nach Mut ist und eine lebende Statue, die eine Seele möchte (erinnert mich ein wenig an den Zauberer von Oz) und gegen Ende sogar der eigentliche Titelgebende Held Heracles. Natürlich werden diese hauptsächlich nur über ein paar Sätze bei der Rekrutierung charakterisiert und danach nie wieder angesprochen, aber immerhin. Ähnlich Dragon Quest geht es in Glory of Heracles II sowieso mehr um die kleinen Sidestories in der Region, die gerade besucht wird, denn eine besonders ausgearbeitete Haupthandlung.

An Gameplay erwartet den Spieler dann auch die übliche Kost. Zufallsgenerierte Kämpfe, deren Häufigkeit genauso wie Gegnerstärke enorm fluktuieren kann. Rundenbasiert ausgetragen und sollte ein Gegner totgeschlagen werden, der von einem weiteren Charakter anvisiert wurde, schlägt dieser einfach ins Leere. Die üblichen verschachtelten DQ-Menüs inklusive stark begrenztem Fassungsvermögen, was allerdings durch ein Lagerhaus etwas abgeschwächt wird. Zudem die übliche Aneinanderreihung von Fetch Quests. Das nächste Storyrelevante Item ist im Eisturm; um dorthin zu gelangen wird aber der Hundeschlitten benötigt, der einen sicher über das ewige Eis trägt, aber erst kürzlich gestohlen und im Baumdungeon festgehalten wird; dieser kann aber nicht betreten werden, bevor nicht der passende Schlüssel aus einem dritten Dungeon geholt ist.

Das alles ist weitestgehend gewohnt klassisch, gewohnt bekannt und gewohnt heutzutage ein wenig arg benutzerunfreundlich. Die einzigen Besonderheiten sind die gestaffelten Kosten der Gaststädten, je nachdem, ob auch Statusveränderungen geheilt werden müssen, und die Tatsache, dass Ausrüstung zerstört werden kann. Normalerweise wird das in Spielen so geregelt, dass dies nach einer gewissen Benutzungshäufigkeit geschieht, bei Glory of Heracles II ist dem nicht so: Gewisse Gegner haben Attacken, die die Rüstung zerstören kann. Trifft man sie nicht an, wird sie auch noch nach der millionsten Benutzung nicht brechen, ist die Gruppe aber gerade in einem Gebiet, wo solche Gegner ständig auftauchen, läuft sie auch permanent Gefahr, die Rüstung zu verlieren, selbst wenn sie gerade erst gekauft wurde. Schon etwas nervig auf Dauer. Sehr sogar. Allzu schwer ist das Spiel immerhin nicht, sofern immer mal wieder zwischendurch ein wenig gelevelt wird, da zwei oder drei Level schon dafür sorgen können, dass die eigene Gruppe wesentlich weniger daneben schlägt, dem Gegner dafür aber wesentlich häufiger ausweicht. Zudem ist Heilung nicht sonderlich teuer.

Grafisch sieht das Spiel natürlich nicht mehr wirklich nach was aus, aber immerhin besteht keine Gefahr, Augenkrebs zu bekommen. Besser als die NES Dragon Quests macht es sich allemal, hat von jenen sogar den Tag- und Nachtwechsel übernommen. Musikalisch bekommt man einige sehr spezielle Stücke auf die Ohren, die wohl zur Thematik passen sollen, mit Flötenklängen etc., doch leider eher nervig sind.

Fazit:
Ich will daraus keinen Hehl machen: Obwohl ich mich immer mal wieder dazu verleiten lasse, eines zu spielen, halte ich die meisten 8bit- bzw. NES-RPGs häufig für nichts, was heutzutage noch gespielt werden müsste, da sie einfach zum Großteil viel zu unspektakulär und benutzerunfreundlich sind, um was zu reißen, auch wenn sie vielleicht zum Erscheinen eine nette Bereicherung der Sammlung darstellten. Darunter scheint es eher wenige Ausnahmen zu geben und natürlich die Anfänge diverse langlebiger Serien, die eigentlich auch nicht wirklich viel besser sind, aber wo man gern wissen mag, wie diese eben begonnen haben – und bei denen es sich häufig lohnt, ein benutzerfreundlicheres Remake zur Rate zu führen, statt wirklich das altertümliche Original zu spielen. Wie auch immer, Glory of Heracles II fällt da gut ins Schema: Nicht wirklich direkt schlecht, aber arg unspektakulär und fast langweilig heutzutage.

4 von 10 Punkten

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