Muramasa: The Demon Blade

  • Plattform: Wii
  • Release: 09.04.09 (J), 08.09.09 (US), 27.11.09 (EU)

Vanilla Ware hat sich vor allem durch Odin Sphere einen gewissen Ruf im Westen gesichert. Doch neben viel Lob gab es auch Kritik, besonders am vielen Backtracking und dem wiederholten teilen bekannter Lokalitäten unter mehreren Charakteren. Mit Muramasa versuchte man das Konzept dann auch von unnötigem Fett zu befreien.

Diesmal gibt es 2 Charaktere: Momohime und Kisuke. Erstere findet sich plötzlich von einem Dämonen besessen vor, während Kisuke von den Toten wieder aufersteht und als Verräter gebrandmarkt ist. Wesentlich mehr mag ich diesmal gar nicht verraten, denn Muramasa ist eines dieser Spiele, die einen mitten in eine bestehende, mysteriöse Situation werfen und den Großteil der restlichen Storyline daraus bestehen lässt, langsam aufzudecken, wie es dazu gekommen ist. Alles Weitere zu verraten wäre also viel vorweg genommen. Die beiden Charaktere treffen sich auf ihren Weg zwar immer mal, die Handlungen sind allerdings voneinander unabhängig und überschneiden sich nicht.

In Muramasa geht es letztendlich sowieso viel mehr um das Gameplay, denn die Handlung. Vanilla Ware bleibt sich dabei zwischen Princess Crown über Odin Sphere zu Muramasa treu und bietet auch hier ein Action-RPG der Marke 2D-Sidescrolling. Nur mit dem Unterschied, dass das Konzept in Muramasa wesentlich minimalistischer angegangen wird und viele RPG-Elemente zu Gunsten eines schnellen Actionreichen Spielerlebnisses zurückgeschraubt werden.

So erinnert mich der Aufbau ein wenig an Sidescrolling-Action zu NES-Zeiten: Der Charakter geht von Bildschirm zu Bildschirm, schlägt sich dabei durch kleinere Gegner, bis nach dem Durchlaufen des Gebietes ein Boss angetroffen wird, nach dessen Niederlage das aktuelle Kapitel abgeschlossen ist und es ins nächste von je 8 pro Charaktere geht. Handlung ist der Action untergeordnet und wird hauptsächlich in kurzen Szenen vor und nach Bossen vorangebracht. Die ganze Sache ist trotz leichtem Backtracking möglichst schnell und unkompliziert und so dauert ein Kapitel auch nur zwischen 30-60 Minuten, je nach Länge und ob man sich nicht vielleicht doch etwas durch die optionalen Enemy Lairs oder leichtem Forscherdrang ablenken lässt. Das bringt die Spielzeit auf ca. 12-15 Stunden, um mit beiden Charakteren durch zu sein, wobei anschließend noch je ein zweites und drittes Ende erreicht werden und weitere Klingen geschmiedet werden können. Und für mich ist das in diesem Fall eine perfekte Spielzeit. Ich würde es gar nicht 50 Stunden spielen wollen. Muramasa ist ein schnelles, knackiges, spaßiges Action-Feuerwerk, das zu Ende ist, bevor es langweilig werden kann.

Das Kampfsystem ist dazu auch entsprechend schnörkellos und hat so viel Tiefe, wie man es ihm geben will (und auf welchem Schwierigkeitsgrad das Spiel gestellt wird): Jeder Charakter hat eine gute Anzahl an Kampfmoves, wobei zumindest auf dem niedrigeren Schwierigkeitsgrad Button Mashing während das Gehens in die generelle Richtung der Gegner, häufig auch schon gute Ergebnisse erzielt. Momohimes Geschichte fand ich allerdings etwas fordernder als Kisukes, weil in ihren Bosskämpfen wesentlich mehr auf Attack Patterns geachtet werden muss und sie auch einige schwerere Standardgegner hat. Dabei haben Momohime und Kisuke grundsätzlich die gleichen Bewegungen drauf, bekommen aber verschiedene Schwerter, von denen jedes einen anderen Skill offeriert. Zudem kämpft es sich mit Kurz- und Langschwertern leicht unterschiedlich. Der Clou an der Sache ist zusätzlich, dass die Klingen mit der Zeit brechen können. Dafür darf man drei gleichzeitig in den Kampf mitnehmen und die gerade nicht aktiven regenerieren sich. Auch kann noch ein Accessoir ausgerüstet und Heilgegenstände auf eine Schnellleiste gelegt werden und et voila ein unterhaltsames und sehr auf schnelle Action gemünztes Kampfsystem ist fertig.

Wie gesagt hält sich das Backtracking eigentlich relativ kurz, dennoch müssen in jedem Kapitel häufig ein oder zwei schon bekannte Lokalitäten durchwandert werden, bevor man in die aktuell wichtige kommt. Kisuke und Momohime haben unterschiedliche Bosse, durchwandern aber auch häufig Orte, die schon mit dem anderen Charakter gesehen wurden. Auf Grund der Schnelligkeit des Gameplays und der Überschaubarkeit der Örtlichkeiten, hat mich persönlich dies aber nie gestört. Muramasa spielt sich sowieso in kleinen Etappen von je 1-2 Kapiteln pro Session sehr gut. Übrigens können beide Charaktere, sobald das erste Ende erreicht wurde, auch die Bosse des anderen herausfordern und haben Zugriff auf beide Schwertbäume. Und wie bereits erwähnt können neben den Schwertern, die Storybedingt verteilt werden, jederzeit auch weitere geschmiedet werden, sofern genug Seelen dafür eingesammelt wurden – so gibt es für Sammelwütige an die hundert Schwerter zu besitzen.

Optisch lässt sich Vanilla Ware wie üblich nicht lumpen und zaubert wunderhübsches 2D auf die Wii, mit ausdrucksstarken und großen Sprites, mehrebenigen Hintergründen und vielen charmanten Animationen. Und im Gegensatz zu Odin Sphere zwingt dies das System nicht von der Framerate her in die Knie. Der Sakimoto-Soundtrack liefert zum Feudaljapanischen Setting passende asiatische Klänge, die eine interessante Besonderheit aufweisen: Jeder Ort hat 2 Versionen der BGM, die normale beim Erkundung und sobald man in einen Kampf verwickelt wird einen schnelleren Remix davon. Die Sprachausgabe liegt nur in Japanisch vor, was aber natürlich sehr gut passt.

Fazit:
Mir hat Muramasa gut gefallen. Wer ein super komplexes RPG will, ist hier natürlich fehl am Platz, aber den Wunsch nach kurzer, schnörkelloser Action mit leichten RPG-Elementen erfüllt das Spiel gut. Ich zitiere mein eigenes Review von weiter oben einfach noch mal: Muramasa ist ein schnelles, knackiges, spaßiges Action-Feuerwerk, das zu Ende ist, bevor es langweilig werden kann.

7 von 10 Punkten

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