Clock Tower (PSX)

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 13.12.96 (J), 01.10.97 (US), Feb 98 (EU)

Bereits ein Jahr nach dem Erstling brachte Human Entertainment mit Clock Tower 2 einen direkten Nachfolger heraus, diesmal auf die PlayStation springend. Hiesiger Teil sogar mit einer weltweiten Veröffentlichung bedacht, im Westen allerdings ob des Nichtvorhandenseins des Vorgängers seiner Nummer beraubt und somit genau wie er schlicht Clock Tower genannt, was viele dazu verleitet dem Erstling das „First Fear“ zu verpassen, um zu differenzieren.

Jennifer ist bei Helen untergekommen, die ein Mitglied eines Forschungsteams an der Uni ist, das die Mordfälle in der Barrows-Villa untersucht. Doch schon bald geraten sie an heißere Spuren, als ihnen lieb ist, denn Scissorman ist zurück und will Jennifer und jeden in ihrer Nähe ein für alle mal ein Ende setzen.

Ich finde das Opening des Spieles absolut charmant. Nach einem kurzen Aufzeigen des Finales des Vorgängers geht es nämlich in etwas über, was absolut wie der Trailer zu einem B-Horrorfilm der 60er aussieht. Einfach herrlich passend, ist die Clock-Tower-Serie doch B-Horror in Spieleform. Und wie so viele Sequels setzt es der recht schnörkellosen Geschichte des Vorgängers einen tieferen Mythos auf, so dass sich Jennifer und Helen gegen Ende bis nach England zum dortig gelegenen Barrows Castle begeben müssen, um die Ursprünge der verfluchten Familie zu ergründen.

Spielerisch übernimmt es das Point & Click Gameplay des Vorgängers. Durch die Lokalitäten rätseln und sich dabei vor Scissorman verstecken ist erneut angesagt. Neu ist, dass sich das Spiel auf drei Kapitel verteilt, die jeweils eine in sich geschlossene Lokalität behandelt. Gerade die ersten beiden davon sind sehr überschaubar, erst das Finale in Barrows Castle kann mit dem Anwesen des Vorgänger mithalten. Außerdem gibt es diesmal zwei spielbare Charaktere, neben Jennifer auch Helen, deren Art und Weise, wie sie sich durch die Lokalitäten puzzeln müssen, sich voneinander unterscheidet, auch wenn die Hauptgeschichte unverändert bleibt. Wobei einige Entscheidungen sich darauf auswirken, welcher von 2 Schauplätzen im zweiten Kapitel besucht wird.

Die Steuerung ist hier vereinfacht, Clock Tower (2) benutzt wesentlich weniger Buttons als Clock Tower und spielt sich so viel einfacher. Ausgeruht muss sich nicht mehr werden, um die Stamina wieder hoch zu bringen, wobei diese diesmal von der Farbe des Mauszeigers angegeben wird. Auch Scissorman hat sich ein wenig verändert. Sobald er auftaucht muss natürlich noch immer die Flucht ergriffen und ein Versteck gefunden werden, er kann weiterhin dank des Panick-Buttons zurückgeschlagen werden, solange noch Stamina über ist und selbst der Tod wirft einen nicht wirklich zurück, da es durchs Anwählen von Continue genau dort weiter geht, wo gescheitert wurde. Doch hier taucht Scissorman nach einer gewissen Zeit auch von selbst auf, selbst wenn kein Trigger ausgelöst wurde. Das hilft der unheimlichen Atmosphäre besonders beim wiederholten Spielen um alle 10 Enden (5 pro Charakter) zu bekommen, sehr. Genau wie die erneute Abwesenheit von Musik, es sei denn Scissorman ist einem auf den Versen, wodurch alle Geräusche umso lauter und erschreckender wirken.

Der Atmosphäre leider nicht zuträglich ist die Grafik des Spieles. Mit dem Sprung auf die Playstation ist nun das komplette Spiel auch in 3D. Ob des frühen Jahres 1996 kann man sich allerdings vorstellen, wie spartanisch und hässlich das alles geworden ist. Macht das Spiel gleich ein Stück weniger unheimlich. Auch nicht gerade mit Ruhm bekleckern tut sich der Text, der hier wesentlich häufiger ist, da die Handlung viel besser ausgearbeitet ist, als im Vorgänger. Denn dieser scrollt unglaublich langsam dahin und es gibt keine Möglichkeit ihn zu beschleunigen, obwohl damit einhergehende Sprachausgabe äußerst selten (und nicht sonderlich gut) ist. Ja, in den Szenen, in denen sie vorkommt, ist der Text sogar noch langsamer, als die Synchronsprecher! Besonders schlimm ist das in den Intermissionen zwischen den Kapiteln, die lediglich daraus bestehen, die Ortschaften der Stadt nach den wichtigen Charakteren zu durchstreifen und mit ihnen zu sprechen, bis das nächste richtige Kapitel angegangen werden kann. Und mit einer wesentlich textlastigeren Handlung kommen auch mehr Logik- und Handlungslücken, wobei ich die nicht so störend empfinde, da es in den B-Horror-Vibe passt, den ich von den Spielen bekomme, genau wie die schlechte seltene Sprachausgabe.

Fazit:
Clock Tower (2) ist ein weitestgehend würdiger Nachfolger zum SNES Clock Tower. Die Handlung wird direkt fortgesetzt und ist genau wie das Gameplay diesem weitestgehend treu. Fehlen tut leider etwas die Atmosphäre, was nicht zuletzt auch von der mageren Präsentation herrührt und ein paar nervige Designentscheidungen wie der Schneckengleiche Text, was leider doch etwas den Lack zerkratzt.

7 von 10 Punkten

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