Clock Tower (SNES)

  • Plattform: Super Nintendo
  • 14.09.95 (J)

Resident Evil mit seiner Mischung aus 3D-Adventure und Zombieschießen mag damals Horror richtig beliebt gemacht und das Genre des Survival Horrors definieren geholfen haben, war aber natürlich bei weitem nicht das erste Spiel mit dem Ansatz. Von ganz klassischen Adventures in Horror-Atmosphäre wie Uninvited, über den RPG-Hybrid Sweet Home hinein ins 3D mit Alone in the Dark, gab es ein weites Spektrum, wovon Human Entertainments Clock Tower auf dem SNES besonders mit seinem Hide & Seek Gamplay heraus sticht, das später auch in Spielen wie Hell Night und Silent Hill: Shattered Memories, oder Gegnern wie Nemesis und Pyramide Head in Resident Evil 3 respektive Silent Hill 2 Verwendung finden sollte. In den Westen schaffte es das Spiel leider weder im Original, noch in seinen diversen Ports, wobei sich glücklicherweise die Fantranslation-Szene ihm erbarmte. Häufig bekommt es übrigens den Zusatz „The First Fear“, den streng genommen nur der PSX-Port trägt, angefügt, um es vom Westrelease des Nachfolgers zu unterscheiden.

Jennifer und ihre Freundinnen sind Waisenkinder, die in das Anwesen der Barrows, ihrer neuen Adoptiveltern, gebracht werden. Doch kaum dort angekommen, hört Jennifer einen Schrei und findet sich einsam und verlassen wieder, nur um bei der Suche nach ihren Freundinnen schon sehr bald eine davon aufzufinden. Und zwar tot und mit dem Killer, einem deformierten Jungen mit riesiger Schere, noch am Tatort und in der Absicht, Jennifer zur Leiche Nummer Zwei zu machen.

Clock Tower ist im Prinzip ein typischer B-Slasher-Movie in ein Spiel verarbeitet. Unschuldiges Mädel landet in unheimlicher Villa und wird von einem Mörder gejagt, dem nach und nach mehr ihrer Freundinnen zum Opfer fallen, während Jennifer das Familiengeheimnis um Wahnsinn und Teufelsanbetung herausfinden und so einen Weg aus der Bredouille finden muss. Alles sehr einfach gestrickt und manchmal etwas übertrieben, aber es passt perfekt zum B-Horror-Vibe des Spieles.

Gespielt wird übrigens in Form eines Point & Click Adventures in Sidescrolling-Ansicht. Per durch die Gegend klicken bewegt der geneigte Spieler also Jennifer durch das große Anwesen und durchsucht alle Hotspots des Hauses nach hilfreichen Gegenständen und solchen, die nicht wie welche erscheinen mögen, aber dennoch wichtig werden. Adventure Game Logik manchmal mit eingeschlossen. Sobald mit etwas interagiert werden kann, ändert sich das Aussehen des Mauszeigers, was es wesentlich erleichtert, die Angelegenheit auch per Steuerkreuz und ohne eine PC-Maus zu bewegen. Die allergrößte Rätsel- und Itemdichte hat Clock Tower dabei zwar nicht, allerdings auch aus einem guten Grund: Rätseleinlagen werden immer wieder vom Killer unterbrochen.

So wird Jennifer regelmäßig auf Scissorman stoßen, der ihr so lange auf den Versen bleibt, bis der Spieler Jennifer in ein sicheres Versteck gelotst hat, in dem er sie nicht findet. Diese Passagen sind sehr einfach gehalten. Zum einen ist Jennifer wesentlich schneller, als Scissorman, zum anderen kann selbst wenn er sie in eine Sackgasse gelotst hat, sich Jennifer durch Hämmern des Panick-Buttons zur Wehr setzten, um ihn kurzzeitig zurückzuschlagen. Ein Versteck muss natürlich dennoch gefunden werden und wenn Jennifers Stamina niedrig ist, was man an der Farbe ihres Gesicht-Icons sieht und durch Rennen und Zurückschlagen aufgebraucht wird, ist ein baldiges Ableben sehr nahe. Auch hier ist das Spiel sehr freundlich: Mit dem Anwählen von Continue springt es direkt in den Raum zurück, in dem man gestorben ist, und so hat Jennifer ohne wirklichen Fortschrittsverlust einen erneuten Versuch, ihm zu entkommen. Stamina regeneriert sich theoretisch dadurch, Jennifer sich ausruhen zu lassen, und der Verbrauch kann eingedämmt werden, in dem man Jennifer gehen statt rennen lässt, doch hat mir dies das Spiel immer wesentlich zu träge gemacht und dank der Continue-Option habe ich letztendlich aufgehört, wirklich auf ihre Stamina zu achten und stattdessen lieber zügig statt kriechend durchs Spiel zu kommen.

Die Steuerung Jennifers mag zunächst etwas ungewöhnlich wirken. Ihr normaler Gang ist nervenaufreibend langsam. Irgendwo auf dem Bildschirm zu Doppelklicken, lässt sie zwar dorthin rennen, doch tut gleiches auf einem Hotspot sie doch wieder nur normal gehen lassen. Außerdem geht sie unbeirrt weiter in die Richtung, in die geklickt wurde, statt am Klickpunkt stehen zu bleiben. Ich rate dringlich dazu, sich vor dem Spielen irgendwo durchzulesen, welcher Button was macht, denn danach ist es mit etwas Gewöhnung wesentlich einfacher, mit Jennifer zurecht zu kommen. L und R lassen sie beispielsweise direkt nach links und rechts Rennen und X sofort stoppen. Damit gelangt es sich viel schneller und effektiver überall hin. Und wie erwähnt, am Besten gar nicht auf ihre Stamina achten, denn sie regelmäßig ausruhen und langsam gehen zu lassen ist einfach schrecklich langweilig.

Worin Clock Tower besonders gut ist, ist vor allem eines: Atmosphäre. Für ein SNES-Spiel habe ich mich überraschend häufig erschreckt. So gibt es jede Menge Kleinigkeiten, die einen überraschen sollen und die zufallsgeneriert passieren können. Von einem Fenster, das plötzlich vom Wind aufgeblasen wird, über ein totes Telefon, welches dennoch klingelt, einem plötzlich angehenden Fernseher oder einer Hand, die Jennifer aus einem Spiegel greift und zu würgen beginnt, für Abwechslung ist gesorgt. Und natürlich die ständige Gefahr, dass die Interaktion mit einem Hotspot möglicherweise keinen Hinweis oder hilfreichen Gegenstand offeriert, sondern Scissorman triggert. Geholfen wird der ganzen Sache natürlich durch die detaillierte und dunkle 2D-Grafik und der Tatsache, dass es 90% der Zeit keinerlei musikalische Begleitung zu hören gibt. Nur Jennifers Schritte und die plötzlichen Geräusche der Schreckeffekte. Lediglich bei Szenen, die die Handlung voranbringen spielt eine ominöse Musik und sobald Scissorman die Verfolgung aufnimmt. Das Theme zusammen mit dem langsam näher kommenden Klappen der Schere zu hören, bringt das Adrenalin sofort hoch.

Gerade dieser gewisser Zufallsfaktor, der nicht nur darin besteht, was Scissorman triggert und welche Schreckeffekte passieren, sondern auch welche Gegenstände gefunden werden können, soll den Widerspielwert des sehr kurzen Spieles erhöhen, zusammen mit den 9 Enden, die erlangt werden können. Denn sobald man weiß, was zu tun ist, kann selbst das beste Ende in unter einer Stunde erreicht werden, wobei die minimalistische Handlung und das Setting auch nicht viel mehr hergeben würden. Leider verliert das Spiel aber gerade beim wiederholten Spielen, sobald man sich auszukennen beginnt, an Atmosphäre, gerade auch, weil der Spieler so langsam raus bekommt, welche Triggerpoints Scissorman auftauchen lassen können. Denn im Gegensatz zu den Nachfolgern wird er nie von sich aus zufallsgeneriert auftauchen, sondern immer nur in Zusammenhang mit etwas, was Jennifer im Spiel tut. Doch Clock Tower ist da nicht das einzige Survival-Horror-Game, das beim wiederholten Spielen an Horror einbüßen würde.

Fazit:
Ich habe das Fan-Übersetzte Clock Tower vor ewigen Jahren mal durch Zufall irgendwo gefunden, eigentlich gar nicht wirklich wissend, worum es dabei geht. Und was ein Glück, dass ich es dennoch gespielt habe, denn es hat es zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele gebracht. Bestechend vor allem durch sein simples und knackig-kompaktes Gameplay, einen charmanten B-Slasher-Plot und vor allem einer Atmosphäre, die nur wenige Spiele hinbekommen. Seither wird es von mir immer mal wieder für einen Durchgang rausgeholt.

9 von 10 Punkten

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