Sweet Home

  • Plattform: Nintendo Entertainment System
  • Release: 15.12.1989 (J)

Sweet Home ist eine frühe Mischung aus Survival Horror und RPG, basierend auf einem in Tandem erschienenen Film. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat das Spiel zudem dadurch erlangt, dass es als der inoffizielle Vorgänger zu Resident Evil gehandelt wird, da die beiden Spiele sich einige der Macher und diverse Motive teilen (am auffälligsten die „Tür öffnet sich“-Animation, in Sweet Home nur für diejenigen gezeigt, die aufgeschlossen werden, bei Resident Evil genutzt, um die Ladezeiten zu kaschieren).

Eine 5-köpfige Truppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass verschollene letzte Fresko eines berühmten Künstlers zu suchen, das angeblich im Herrenhaus zu finden sein soll, in dem dieser gewohnt hat. Kaum das Spukgemäuer betreten, wird die Gruppe allerdings von einer Geistererscheinung angepöbelt und der Eingang geht hinter ihnen verschüttet. Bleibt also nur noch der Weg durch das Anwesen, in der Hoffnung hinter das Rätsel des Geistes zu kommen und so einen Ausweg zu finden, bevor das Zeitliche gesegnet wird.

Die RPG-Mechaniken in Sweet Home sind weitestgehend einfach gehalten: Charaktere können sich in einer Gruppe bewegen, es gibt zufallsgenerierte und rundenbasierte Kämpfe und Level ups. Allerdings steht einem nie mehr als ein Gegner gleichzeitig im Weg, Bosse erst im Finale, 20 ist bereits das Maximallevel und es gibt keinerlei Ausrüstung abgesehen von der aktuell genutzten Waffe zu finden.

Demnach ist der Survival Horror/Adventure Aspekt wesentlich ausgeprägter. Denn genau genommen muss nie eine ganze Gruppe gebildet werden, es kann auch jeder Charakter alleine gehen. Die maximale Gruppengröße ist dabei 3 und die nicht aktiven Charaktere laufen nicht wie sonst magisch in Reserve mit, wodurch der Spieler immer wieder zwischen den mindestens 2 Gruppen hin und her schalten und mit allen den Weg gehen muss. Bedeutet eine Gruppe ist immer leicht unterbesetzt und dank der Gefahren ist es eine gute Idee, alle Charaktere nahe beieinander zu haben. Nicht zuletzt auch, weil sie alle zum Lösen der Puzzel benötigt werden.

Denn jeder der Fünf hat einen speziellen Gegenstand, der früher oder später nützlich wird. Emi trägt den Schlüssel, um einen Großteil der Türen zu öffnen; Tao eine Kamera, mit der er versteckte Hinweise in den Fresken erscheinen lassen kann; Akiko hat einen Erste-Hilfe-Kasten, durch den Statusveränderungen geheilt werden etc. Hinzu kommen viele Gegenstände, die im großen Haus herumliegen und ebenfalls zum Weiterkommen benötigt werden, wobei jeder der Charaktere nur 2 davon tragen kann. Das führt natürlich zu viel Trial and Error, was wie und wo gebraucht wird, zumal die Lösungen hin und wieder, trotz finden von Hinweisen in Notizzetteln und Fresken, mehr oder weniger obskur sein können. Um über die Löcher im Boden zu kommen, braucht es eine Planke. Logisch. Um durch die Meere an Dornenbüschen schreiten zu können die Handschuhe. Wie bitte? Und um Glassplitter, die mit festem Schuhwerk eigentlich einfach durchschritten werden können sollten, zu passieren, müssen die erst von Asuka weggesaugt werden. Adventure Game Logik halt. Glücklicherweise können im Inventar befindliche Gegenstände ständig mit neu gefunden getauscht werden und bleiben dort liegen, wo dies getan wurde, falls sie später noch gebraucht werden.

Weiterhin typisch Survival Horror ist, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Heilgegenständen zu finden gibt. Sind sie alle, war es das mit den Heilmöglichkeiten. Wobei sie immerhin die ganze aktive Gruppe komplett heilen – dafür gibt es aber keine Komplettheilung bei Level up, wie dies beispielsweise netterweise bei den Shin Megami Tenseis der Fall ist. Widerbelebungsmöglichkeiten gibt es gar nicht: Ist ein Charakter tot, bleibt er das auch. Dies führt sogar zu verschiedenen Enden, je nachdem, wie viele der ursprünglichen Fünf es überhaupt zu überleben geschafft haben. Weiterhin ganz cool ist, dass die Geschichte hauptsächlich durch gefundene Notizen, Tagebucheinträge und in Fresken versteckte Botschaften erzählt wird, auch wenn sie dadurch etwas vage und Lückenhaft werden kann. Und die im Haus versteckte Fallen, wenn plötzlich ein Kronleuchter auf einen Charakter zu fallen droht oder eine Statue um sich schlägt.

Was mich allerdings zunächst etwas störte ist, dass die Struktur eines Survival Horrors mit dem Pacing eines RPGs nicht so ganz einhergehen will. Zum einen gibt es da eine überschaubare Lokalität, durch die es sich zu puzzeln gilt (sicher ist das Haus riesig, aber eben doch viel winziger, als eine ganze RPG-Welt) und nur begrenzte Heilvorkommen. Auf der anderen Seite hingegen zehren Zufallskämpfe konstant am Leben der Charaktere und hindert die Notwendigkeit, sich für die nächst stärkeren Gegner aufzuleveln, den Fortschritt im Rätseln durch das Haus. Glücklicherweise levelt es sich allerdings schnell auf und wie gesagt ist 20 das Maximum, wodurch ich einfach zu Beginn des zweiten Stockwerks die Charaktere nahe dieses gegrindet habe. Danach hatte ich gleich viel mehr Spaß. Sicher geht dadurch etwas der Atmosphäre verloren, weil die Charaktere eben nicht Gefahr laufen, dass ständige Zufallskämpfe am Leben zehren, weil sie so viel stärker sind, gleichzeitig rätselt es sich aber auch viel angenehmer durchs Spiel, wenn nicht alle paar Räume für kurze Levelsesssions angehalten werden muss.

Von der Grafik und der Musik her ist das Spiel natürlich typisch 8bit. Setzt dabei ganz auf Atmosphäre und funktioniert so dann sogar: Die geringe Farbpalette und rudimentäre Pixelgrafik gibt dem Haus einen unheimlichen Anstrich, unterstützt von minimalistisch komponierter BGM und ausreichend detaillierten Gegnern in den Kämpfen in Egoperspektive, die auch für einige der wichtigeren Szenen im Spiel herhalten darf.

Fazit:
Sweet Home ist definitiv ein interessantes Spiel. Ehrlich gesagt hätte ich es für die bessere Entscheidung gehalten, es als Adventure a la Uninvited oder Clock Tower aufzuziehen, statt als RPG. Denn so beißt sich das hier und da etwas mit dem Survival Horror. Dennoch ein sehr unterhaltsames Erlebnis im Ganzen betrachtet.

7 von 10 Punkten

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