Breath of Fire

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 06.07.01 (J), 13.12.01 (US), 14.12.01 (EU)

Wenn der Name Capcom fällt, denkt man nicht unbedingt zuallererst an RPGs, und in den frühen 90ern schon mal gar nicht (Japan only Sachen wie Sweet Home zählen ja nicht). Doch 1993 wollte Capcom auch da mal mit mischen und brachte das erste Breath of Fire aufs SNES. Auch dies wäre beinahe Japan only geblieben, bis sich Square (jepp, genau die) erbarmten und es zumindest in den USA publizierten. Europa blieb außen vor, zumindest bis zum GBA, der ja kein Unbekannter ist was rüber portierte SNES-Spiele angeht, und durch den dann endlich alle Teile hier offiziell erhältlich gemacht waren.

Einst standen die Drachenklans in voller Blüte, doch führten sie Krieg untereinander. Als die mächtige Göttin Myria auftauchte, stritten sie sich um sie, und sie fachte dies nur noch weiter an. Letztendlich konnte sie mit Hilfe der Göttlichen Schlüssel versiegelt werden und auch die Drachenklans verloren an Macht. Nur möchte Zog, der Herrscher des Klans der Dunklen Drachen, erneut die Macht über die Welt ergreifen. Und da er fürchtet der Klan der Lichtdrachen würde sich ihm in den Weg stellen, lässt er deren Dorf abfackeln. Ryu ist ausnahmsweise nicht wie in solchen Spielen üblich wegen einer unnötigen Besorgung außer Haus, stattdessen fackelt das Dorf direkt über ihm ab. Gerettet wird er von seiner Schwester, die allerdings von Zogs General Jade entführt wird. Also macht sich Ryu auf, den Dunklen Drachen einen Strich durch die Rechnung zu machen, zum legendären Drachenkrieger zu werden und seine Schwester zu retten.

Das ist in etwa, was in den ersten paar Minuten von Breath of Fire passiert. Alte RPGs waren da noch sehr kompakt. Ein Golden Sun bräuchte für den gleichen Inhalt ein 20-stündiges Spiel inklusive 3 Enzyklopädien an nutzlosem Geschwafel drum herum. Natürlich ist die Haupthandlung, ganz oldschool, sehr überschaubar. Durch die Welt reisen, natürlich in jedem Dorf irgendwas zu erledigen haben, meist immerhin mit dem Durchkreuzen der dortigen Pläne der Dunklen Drachen verbunden, Gefährten einsammeln, die Kraft des Drachenkriegers erlangen und dann den Obermacker umbringen. Immerhin hat Breath of Fire anschließend auch noch eine kleine Handlungswendung zu bieten, aber auch die ist natürlich nichts Unübliches mehr.

Etwas wie in Dragon Quest stützt sich Breath of Fire da mehr auf die kleinen Handlungen während der Reise und die angetroffenen Charaktere. Zwar ist auch dies sehr kurz gehalten und die sich anschließenden Gefährten bekommen nur für eine kurze Episode jeweils eine Hintergrundgeschichte, aber so war das damals halt. Wie gesagt versucht Breath of Fire dies dennoch etwas relevanter zur Haupthandlung zu halten, in dem meist die Dunklen Drachen am Übel schuld sind, das behoben werden muss. Dennoch muss wie üblich beispielsweise eine Brücke repariert oder ein Schiff gefunden werden, gern mit einem ganzen Rattenschwanz an zu erfüllenden Aufgaben, bis es endlich soweit ist. Aber auch ein Ei gehört in einen Vulkan geworfen, eine Erdbebenmaschine ausgeschaltet oder mit einem Golem einen Damm eingerissen, ein wenig Kreativität leistet sich das Spiel also dennoch, statt wirklich nur aus Oldschool RPG 101 zu nehmen. Etwas schade ist, dass es doch ein wenig dauert, bis Ryu sowohl Gefährten wie auch Drachenkräfte erlangt und bis dahin nur mit einem einzelnen physischen Kämpfer ohne Spezialfähigkeiten zu spielen, zu Beginn etwas dröge wird.

Spielerisch auch alles weitestgehend gewohnt beim Alten. Zufallskämpfe gibt es, rundenbasiert wird um sich geschlagen, am Ende eines Dungeons wartet fast immer ein Boss, die Kampfbefehle sind die üblichen, gespeichert wird ausschließlich an Drachenstatuen, die es fast ausschließlich in Ansiedlungen gibt. Zudem weitestgehend ein Dorf > Dungeon > nächstes Dorf Ablauf, eventuell mal höchstens mit zwei Dungeons zwischen den Dörfern. So weit, so bekannt. Was macht Breath of Fire anders? Zum einen bekommen alle Gefährten Erfahrungspunkte am Ende des Kampfes, auch die passiven. Es werden also alle gleichmäßig gelevelt, oder zumindest so gleichmäßig wie die teilweise sehr unterschiedlich benötigten EXP fürs Level up zulassen. Auch können jederzeit die Charaktere gewechselt werden, sogar in Dungeons und während des Kampfes. Es ist also möglich, bis zum Boss mit einem Team zu gehen und für jenen Kampf dann frische andere Charaktere einzuwechseln. Auch eine nette Sache ist, dass Heilzauber immer als erstes in der nächsten Runde ab gehen, also nicht das übliche Rätselraten stattfindet, ob sie nun noch rechtzeitig geworfen werden, oder nicht.

Auch haben die Charaktere individuelle Fähigkeiten. Ryu kann sich natürlich während des Kampfes in mächtige Drachen verwandeln. Außerhalb des Kampfes kann er Angeln, womit auch das gute Drachen-Equip erlangt werden kann. Bo lotst das Team durch die Wälder auf der Weltkarte und kann Tiere erlegen, die meist Heilgegenstände hinterlassen. Karn kann für die Kämpfe mit anderen Gefährten fusionieren. Außerhalb ist seine Forte verschlossene Türen zu öffnen und Fallen an Truhen zu umgehen. Nina wird zum großen Vogel, als Luftschiffersatz, Gobi zum großen Fisch als U-Boot-Ersatz. Ox zerbricht bröcklige Wände, Mogu gräbt sich zu Erdverstecken durch.

Grafisch ist das Spiel sowohl für den GBA wie für das SNES keine Glanzleistung. Was mir allerdings gut gefallen hat, sind die vielen Details. Zum einen haben Gegner Animationen, zum Teil sowohl Attack wie auch Idle, was auf dem SNES durchaus nicht üblich war. Es gibt einen Tag und Nacht Zyklus, die Charaktere fallen auf die Knie, wenn ihre HP niedrig sind; Geschäftsinhaber verbeugen sich, wenn bei ihnen eingekauft wird; Fische und Äpfel in den Häusern können gegessen werden; der Winkel des Bumerangwurfes ändert sich, je nachdem, wie viele Gegner vor einem stehen. Kleinigkeiten, aber sie machen was her. Der GBA-Port sorgt dabei für neue Charakterportraits und Menüs, hellt das Bild allerdings auch etwas stark auf, da zu so früher Zeit die GBAs ohne Backlight noch Gang und Gäbe waren. Zudem gibt es ordentlich Slowdown in den Kämpfen, vor allem den größeren. Ob das jetzt daran lag, dass ich das Modul im DS hatte, weiß ich nicht, ich kann mich zumindest nicht so extrem an dieses Problem früher auf dem eigentlichen GBA erinnern, ist aber auch schon verdammt lang her. Der Sound kommt natürlich auch ein wenig hölzern aus dem Lautsprecher, doch die Stücke an sich sind alle sehr nett anzuhören.

Fazit:
So sehr ich das erste Breath of Fire eigentlich mag, so muss ich ein wenig objektiver gesehen eingestehen, dass es natürlich doch mittlerweile ein sehr typisches Standard-Oldschool-RPG ist. Ich hatte dennoch meinen Spaß und es ganz gerne raus geholt, aber wer kein Fan der Serie oder speziell oldschooliger SNES-RPGs ist, muss es nicht unbedingt tun. Ist eben doch mittlerweile sehr schlicht und einfach, aber ein wenig Charme, den hat es sich dennoch bewahrt.

6 von 10 Punkten

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