Endless Ocean 2: Der Ruf des Meeres

  • Plattform: Wii
  • Release: 17.09.09 (J), 22.02.10 (US), 05.02.10 (EU)

Nachdem die Everblue-Teile sehr Bergungs- und somit Zielorientiert waren, während die Unterwasserwelt mehr hübsche Tapete war, ging es bei Endless Ocean wesentlich geruhsamer zu. Wenige Zielvorgaben, dafür ein tolles Unterwasserpanorama sollte zum Tauchen aus Spaß an der Freude einladen. Das war einigen Leuten viel zu langweilig und so beschloss sich Arika bei Endless Ocean 2 eine Mischung anzubieten.

Der wieder selbst erstellbare Hauptcharakter ist ein neuer Rekrut eines kleinen pazifischen Tauchservices. Und da er oder sie seine oder ihre Sache so toll macht, wird er oder sie auch direkt in die kleine Familie, bestehend aus Großvater und Tochter, aufgenommen. Somit beginnt die Reise der Gruppe durch verschiedene Tauchgebiete rund um den Globus, um ein Geheimnis zu lüften, durch das bereits der Sohn bzw. Vater der kleinen Familie verschollen gegangen ist.

Auch in Endless Ocean 2 lässt sich die Handlung gut in unter 10 Stunden erledigen, wenn man es denn darauf anlegt. Dennoch fühlt sie sich wesentlich ausgearbeiteter und involvierter an, während die Handlung des Vorgängers noch sehr nach Tutorial roch. Hier passiert einfach mehr und auch interessanteres Zeug.

Was wohl auch daran liegt, dass in Endless Ocean 2 einfach viel mehr getan werden kann. Tauchen just for fun, um sich die hübschen Fische anzusehen und die Enzyklopädie zu vervollständigen, ist natürlich immer noch drin. Doch es gibt wesentlich mehr Aufgaben zu erfüllen, die diesmal sogar Geld einbringen, so dass es sich auch anfühlt, als würde alles für einen Zweck getan. Auch wenn jener nur schrecklicher Kapitalismus sein mag.

So können während des Tauchens Artefakte geborgen und anschließend verkauft werden, ganz wie in Everblue. Delfine können wieder trainiert werden, nur diesmal auch für den Zweck, anschließend Delfinshows zu geben. Auch die Foto- und Tauchaufträge des Vorgängers sind wieder mit von der Partie, hier bringen diese nun auch Geld ein. Zudem können die Karten der Tauchgebiete vervollständigt oder kranke Tiere mit dem Pulsar geheilt werden. Was das ganze Geld einem bringt? Natürlich damit einkaufen zu gehen. Neue Gegenstände für das Inselhauptquartier des Tauchservices, neue Korallen für das Privatriff um dort diverse Fische anzulocken oder auch neue Tauchausrüstung, die zum Teil kosmetischer Natur ist, aber auch Tauchtiefe und –zeiten etc. verbessern können.

Zudem spielen die meisten möglichen Aktionen auch in optionale, von der Haupthandlung unabhängige, Nebenhandlungsstränge. Um dem Aquarium beispielsweise viele Besucher zu verschaffen, müssen die Exponate häufig ausgetauscht werden, was natürlich voraussetzt, das bereits entsprechend viele Arten entdeckt sind. Um die Bergungsquestreihe voranzutreiben müssen entsprechend viele Bergungsaufträge erledigt sein. Um die Delfinquests zu bekommen, müssen Delfinshows gegeben werden. So gesehen ist nichts wirklich unnütz, wenn man denn auch die Nebenstränge erfüllen will.

Obendrauf ist Endless Ocean 2 auch eine Ecke benutzerfreundlicher geworden. Der Jahreskalender wurde gegen einen Mondkalender ausgetauscht und auch nur sehr wenige Spezies sind nur zu diversen Mondphasen anzutreffen. Es ist also nicht mehr nötig, ein halbes Jahr auf den Winter zu warten, um die entsprechenden exklusiven Tiere zu sehen. Auch Tauchpartner abseits der Delfine gibt es nun. So führt das Tauchen mit Oceane dazu, dass die Hotspots, unter denen sich kleine Tiere befinden, von weitem leuchten, statt erst, wenn man mit der Wiimote direkt über ihnen ist. GG hilft mehr Bergungsgegenstände tragen zu können und Hayato scannt das umliegende Gebiet auf die vorhandenen Tierarten, inklusive ???-Anzeige für solche, die noch nicht bekannt sind. Auch ein Klick auf die Silhouette der noch unbekannten Tiere im Lexikon zeigt an, in welchem Gebiet sie anzutreffen sind, was das Auffinden aller Arten wesentlich vereinfacht.

Apropos Gebiete: Statt eines großen Atolls, in dem überraschend viele verschiedene Arten anzutreffen sind, gibt es in Endless Ocean 2 wie bereits erwähnt mehrere kleinere Gebiete rund um die Welt. Vom Roten Meer, über ein Pazifikatoll hin zu den Polarmeeren oder einem Seitenarm des Amazonas, es werden diverse verschiedene Schauplätze geboten, was natürlich auch die anzutreffende Artenvielfalt stark erhöht. Und viele Meerestiere zu bestaunen, ist ja immer noch einer der Hauptgründe, warum man diese Spiele überhaupt spielt. Auch gibt es diesmal viele Legendaries zu finden, besonders spezielle Tiere, die häufig Mutationen normaler Artverwandten sind, wie beispielsweise ein Jaws-esquer besonders großer Weißer Hai oder ein großer weißer Wal a la Moby Dick.

Wo wir gerade bei Weißen Haien sind: Gefährlich Tiere sind in Endless Ocean 2 tatsächlich gefährlich. Ihnen zu nahe zu kommen wird einen Angriff provozieren, mit Tigerhaien oder Piranhas zu kuscheln ist also nicht drin. Dafür gibt das Spiel einem einen Pulsar mit, durch dessen Zappen sie beruhigt werden können und außerdem zieht ein Angriff nur ein wenig des Luftvorrats ab, so wirklich gefährlich ist die Angelegenheit letztendlich also nicht, sondern führt nur dazu, dass schneller aufgetaucht werden muss. Der Eisbär oder die Feuerqualle werden überraschenderweise nicht als gefährlich eingestuft, das Spiel ist so gesehen etwas inkonsequent, denn ich würde niemandem dazu raten, jenen Tieren in freier Wildbahn zu nahe zu kommen.

Visuell hat sich überraschenderweise doch ein wenig was gegenüber dem Vorgänger geändert. Zum einen sind nun teilweise mehr Tiere auf einem Fleck anzutreffen, was gerade dem Korallenpanorama zu Gute kommt, zum anderen sehen sie noch ein wenig besser aus als früher. Und die Grafik über Wasser hat enorme Fortschritte zum etwas klobigen Vorgänger gemacht. Auch gibt es sehr viel mehr dynamische Szenen, die nicht nur abgespielt werden, wenn beispielsweise ein kolossaler Wal oder seltener Legendary auftaucht, sondern auch beispielsweise um den Tanz von Mantarochen, die Eiablage von Schildkröten oder Orcas auf Jagd nach einer Pinguinkolonie zu zeigen. Diese sind wirklich besonders schön anzusehen, geben dem Spiel zusätzlich Leben und werden auch noch ein wenig kommentiert, wenn auch die Rette-die-Meere-Botschaften teilweise dick aufgetragen sind. Vom Soundtrack her ist dieser weniger auffällig als beim Vorgänger, sondern driftet häufiger gen Ambiente, was durchaus nicht schlecht ist, da es zu dieser Art Spiel gut passt.

Fazit:
Ich fand die Everblues ganz nett und habe mich in das erste Endless Ocean absolut verliebt. Ob ich aber nach dem Spielen von Endless Ocean 2 je wieder zum Vorgänger zurück wechseln kann, weiß ich nicht. Denn hier ist alles so viel hübscher anzusehen, und bietet vor allem viel mehr Abwechslung und Dinge zu tun. Letztendlich habe ich nicht umsonst schon fast 60 Stunden auf dem Tacho und diesmal sogar sowohl Enzyklopädie vervollständigt, als auch alle Nebenhandlungen erledigt. Ein tolles Spiel.

10 von 10 Punkten

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