Fragile Dreams: Farewell Ruins of the Moon

  • Plattform: Wii
  • Release: 22.01.09 (J), 16.03.10 (US), 19.03.10 (EU)

Tri-Crescendo ist erst mal nicht unbedingt ein Name, der einem viel sagt. Ursprünglich für den Sound in diversen Spielen von tri-Ace verantwortlich, gehen unter anderem Spiele wie die Baten-Kaitos-Serie, die sie mit Monolith Soft coproduziert haben und auch Eternal Sonata auf ihr Konto. Und mit Namco zusammen wurde für die Wii das sehr interessante Action-RPG Fragile Dreams geboren.

Seto ist ein Junge, der bisher allein mit seinem „Großvater“ in den Ruinen des zerstörten Tokyos lebte. Doch wie das mit alten Menschen nun mal so ist, starb sein „Großvater“ und nachdem Seto ihn beerdigt hat, ist er nun komplett und vollständig allein. Doch dann findet er einen Zettel, in dem der Alte ihm schreibt, er solle nach Westen zum roten Turm gehen, da dort am ehesten die Möglichkeit bestünde, noch auf andere Menschen zu treffen. Kurz nach Beginn seiner Wanderung trifft Seto sogar auf ein silberhaariges Mädchen, welches allerdings vor ihm flieht. Somit begibt sich Seto nun nicht nur auf den Weg gen Tokyo Tower sondern auch jenes Mädchen wieder zu finden, um nicht in Einsamkeit leben zu müssen.

Ehrlich gesagt ist die Handlung das Beste an Fragile Dreams. Nicht nur die Haupthandlung an sich, denn Seto findet auf seinem Weg durch die Ruinen Tokyos immer wieder Mementos, die ihm die letzten Worte der an sie gebundenen Person mitteilen. Und viele dieser Leute wissen bereits, dass sie dem Untergang geweiht sind. Und so hören wir die letzten Worte und Gedanken von Menschen, die mit ihrer Endlichkeit hart konfrontiert werden, von Schuldgefühlen gegenüber vermisster Chancen bis hin zu Listen, die einfache Dinge wie „Zeit mit der Familie verbringen“ und „Einen ganzen Kuchen allein futtern“ beinhalten, die noch ein letztes Mal getan werden wollen. Neben der Sterblichkeit geht es im Spiel auch viel um Einsamkeit. Denn Setos Hauptmotivation los zu ziehen ist ja, nicht allein sein zu müssen. Auch einige Begleiter, die er auf der Reise trifft, und die nach einiger Zeit dahin scheiden, bedanken sich bei Seto, dass sie so wenigstens nicht alleine sterben mussten.

Das Fragile Dreams gut geschrieben ist, hilft da natürlich enorm. Der sympathischste Charakter des ganzen Spieles ist beispielsweise der am wenigsten menschlich Aussehende: Eine Art Computer, der aussieht wie eine Mischung aus Rucksack und Radio und die Seto über das erste Tutorial-Gebiet begleitet. Sie ist so charmant und witzig und wenn ihr die Batterie ausgeht, ist dies wirklich ein Verlust. Und Seto begräbt sie auch, ganz als wäre sie ein Mensch, nicht einfach nur eine Maschine. Oder wenn später ein Roboter stirbt, mit dem Seto sich angefreundet hatte und jemand meint, sie müssten dringen weiter, er habe doch nur zu funktionieren aufgehört. Seto ist schnell zu berichtigen, dass es richtig ist „Er ist gestorben“ statt „Er funktioniert nicht mehr“ zu sagen. Denn für Seto sind dies alle Freunde, deren Existenz geendet hat, ein wahrer Verlust, egal ob sie nun Menschen waren, oder nicht. Ein weiterer Charakter erzählt ihm, dass man erst wenn man es verloren hat, erkennt, was die wirkliche Freude am Leben ist: Nicht mal unbedingt die großen Dinge, sondern die einfache Interaktion mit anderen. Und dann wäre da noch der Roboter, der sich rührend um seine „Prinzessin“ kümmert, nicht verstehend, dass der Säugling längst gestorben ist. Fragile Dreams kann schon etwas deprimierend sein, aber weitestgehend ist es eben sehr faszinierend und anrührend.

Was hingegen weniger gut funktioniert ist das Gameplay. Fragile Dreams mischt ins Action-RPG nämlich einen Schuss Survival Horror. Seto erkundet also die Ruinen Tokyos und das ganze mit einer Taschenlampe ausgerüstet, die natürlich nur einen gewissen Lichtkegel gut sichtbar macht. Einige der Gegner sind verwilderte Tiere, allerdings viele auch Geistererscheinungen und später auch ein paar Roboter. So wirklich unheimlich geraten ist dies zwar alles nicht, doch woher es kommt, ist spürbar. Leider wird das Erkunden der Ruinen und die Suche nach Mementos etwas dadurch getrübt, dass die Lokalitäten sehr überschaubar sind und auch nicht sonderlich viele Abzweigungen existieren. Viel Erkunden ist also letztendlich gar nicht mal drin. Zudem wird es auf die letzten Spielspunden etwas eintönig. Während zunächst von U-Bahn-Stationen zu Kaufhäusern, in ein Hotel und auf einen verlassenen Vergnügungspark gewechselt wurde, alles unter wunderschönen Himmeln, bewegt sich Seto gegen Schluss fast ausschließlich durch unterirdische Tunnelsysteme und Forschungskomplexe, mit schier endlos langen Gängen und Leitern.

Auch das Kampfsystem hat so seine Haken. Zunächst einmal können die Waffen, mit denen sich Seto bestückt, zerbrechen. Das mag bei Holzstöcken, rostigen Eisenrohren etc. durchaus sinnvoll sein (bei einem Katana evtl. schon weniger) doch brechen sie einfach zu häufig, was durchaus nervig sein kann. Ich glaube ja, der Titel Fragile kommt eben von jenen Waffen, da sie wie aus Pappmaschee bestehend brechen. Immerhin sind Geld und Heilgegenstände nicht unbedingt selten, die Lagerfeuer, die Seto komplett heilen und wo sein stark begrenztes Inventar gegen eine große Kiste getauscht wird, sehr moderat verteilt. Zudem taucht an ihnen immer mal wieder ein Händler auf, bei dem Waffen und Heilgegenstände nachgekauft werden können. Wirkliches Survival Horror kommt also nicht auf, es gibt reichlich Ressourcen zu ergattern. Aber wir sprachen ja eigentlich über die Kämpfe. Die sind genau genommen sehr simpel: Gegner tauchen auf und Seto schlägt mit kurzen Kombos auf sie ein, bis die Waffe bricht. Es kann sich frei bewegt werden und die Gegner verlassen einen gewissen Radius auch nicht, so dass häufig einfach per „Augen zu und durch“-Taktik viel umgangen werden kann. Nur levelt Seto dann halt nicht. Verschiedene Waffen handhaben sich natürlich unterschiedlich: Hämmer und Äxte sind beispielsweise so langsam, dass man sie gleich vergessen kann. Kurze, leichte Waffen sind sehr schnell, doch muss Seto nah an den Gegner ran, um sie zu treffen. Längere Sachen wie Stäbe oder Bambusschwerter haben eine größere Reichweite, gehen dafür aber auch sehr Frontallastig ab. Gelinde gesagt war ich die Gegner und zerbrechenden Waffen gegen Hälfte des Spieles ziemlich leid und bin ab dort vielen aus dem Weg gegangen. Was sich später etwas gerächt hat, als das Spiel die fiesen Roboter in enge Gänge zu stellen begonnen hat, so das ein Ausweichen fast unmöglich ist. Oder diese super-nervigen Fluggegner dorthin platzierte, wo Seto wegen rostigem und somit unter Einbruchgefahr stehendem Untergrund besonders langsam machen musste. Nur mit viel Fluchen bin ich überhaupt durch die letzten beiden Räume im Forschungskomplex gekommen.

Optisch macht das Spiel einen ordentlichen Eindruck. Natürlich ist alles etwas sehr rostig und zerfallen, da die ganze Stadt nun mal zu Ruinen verfallen ist. Doch besonders der Himmel war immer einen Blick wert. Gegnervielfalt hält sich stark in Grenzen aber dafür ist Fragile Dreams auch ein sehr kompaktes Spiel, das gut in 12 Stunden erledigt sein kann. Das Charakterdesign mag nicht jedem liegen, da es doch mit seiner Niedlichkeit stark im Kontrast mit Setting und Thematik des Spieles steht. Musik wird spärlich eingesetzt, um der Atmosphäre zuträglich zu sein, doch was da ist, ist sehr hübsch. Auch die Sprachausgabe ist übrigens gut geraten, selbst in der englischen Version. Wer will kann aber auf Japanisch umstellen.

Fazit:
Fragile Dreams hat mir schon gefallen. Allerdings eher als Erfahrung, da besonders das Setting und sowohl Haupthandlung wie viele kleine Nebenentdeckungen mich ständig zum Weiterspielen motiviert haben. Selbst wenn das Gameplay am Schwächeln war, was es leider häufiger tut. Mit einer überschaubaren Spielzeit von um die 12 Stunden ist es zudem gut bestellt, da wesentlich mehr wohl doch langweilig würde und es so genau das umgesetzt bekommt, wozu es aufgebrochen ist. Höchstens mit etwas weniger Linearität, um den Erkundungsgeist zu befriedigen, hätte es noch gestreckt werden können.

7 von 10 Punkten

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