Harvest Moon: A Wonderful Life -Special Edition-

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 11.11.04 (J), 28.10.05 (US), 16.11.05 (EU)

Bei Harvest Moon: A Wonderful Life wollte man die Wichtigkeit wohl stärker auf das Vergehen von Zeit legen. Und nach dem NGC-Original und der obligatorischen for-Girls-Version schlug es anschließend sogar auf der PS2 auf. Das heimliche Ziel könnte allerdings durchaus auch gewesen sein, dass bis dato schlechteste Harvest Moon zu machen, zumindest ich habe drei Anläufe über die Jahre gebraucht, um endlich mal durch zu kommen.

Ein schäbiger Kerl bringt dem jungen Bauern in spe auf eine alte, verlassene Farm. Überraschenderweise schändet und tötet er ihn dort nicht, sondern meint er habe mit dessen Vater dort als Homo-Pärchen eine tolle Zeit verbracht und wolle nun, dass der Sohn dessen Platz einnimmt. Hier, wo ihn niemand schreien hört, mit einem zwielichtigen älteren Typen zu wohnen? Da sagen wir doch resolut JA! Das neue Eheglück wird sogar direkt mit einem Kindersatz belohnt, laufen den beiden doch zwei Hunde zu. Leider kann nur einer übernommen werden, während der andere ans nächstgelegene Chinarestaurant verkauft wird.

Spaß beiseite, Harvest Moon ist eine ernste Angelegenheit. Wie bereits gesagt ist das Verstreichen der Zeit diesmal integral fürs Spiel. So geht es über 6 Kapitel, jedes ein Spieljahr lang und zwischen jenen vergehen zusätzlich mehrere Jahre, die in einem kleinen Recap zum Neujahr zusammengefasst werden. Auch altern die Bewohner und die Heirat ist diesmal erzwungen, um weiter machen zu können, damit das daraus resultierende Kind am Ende die Farm übernehmen kann. Leider ist diese nette Idee nicht immer ganz glücklich umgesetzt. Zunächst passiert noch relativ viel zwischen den Jahren, doch auf die letzten paar scheint das Spiel sich langsam auch selbst leid zu sein, und so fällt ihm eher wenig ein. Auch der Alterungsprozess scheint sehr verschoben bei den Leuten und zwischen dem ersten und zweiten Kapitel stirbt zwar einer der alten Bewohner, die anderen halten aber überraschenderweise bis zum Spielende durch (und wie alt wird so ein Hund eigentlich? 15 Jahre, wenn er sich lang hält?). Ein weiteres zweischneidiges Schwert ist, dass die Leute im Alter graue Haare bekommen und auch Kleidung mit gedeckten Farben tragen. Nettes Detail, nur macht es ein Spiel mit einer sowieso schon etwas drögen Farbpalette nur noch eintöniger.

Was dem Spiel zudem fehlt ist das Ziel. Normalerweise geht es in Harvest Moon darum, die Farm innerhalb ca. 3 Jahre wieder auf Vordermann zu bringen. In A Wonderful Life hingegen muss nur das Ende erreicht werden, es ist egal, wie gut man bis dorthin die Farmarbeit macht. Das Spielziel ist in Verbindung mit dem Alterungsprozess so gesehen einfach zu sterben. Wie makaber. Noch witziger ist, dass in der PS2-Version dennoch anschließend endlos weiter gespielt werden kann.

Doch das Ende dieser 6 Jahre zu erreichen, ist gar nicht mal so einfach, denn das Spiel ist so stinkend langweilig und dauert so enorm lang, dass vorher ans Aufgeben zu denken durchaus keine Schande ist. Die Zeit steht nun zwar nie still, läuft auch in den Häusern weiter und eine Jahreszeit geht nur noch über 10 statt der üblichen 30 Tage, aber so ein Tag dauert einfach ewig, bis er endlich beendet ist. Das mal 40 Tage im Jahr, mal 6 Jahre, da kann es einem schon eiskalt den Rücken runter laufen.

Die Langeweile rührt hauptsächlich daher, dass wenig von dem, was gemacht werden kann, wirklich lukrativ ist. Und warum sollte es auch? Spielziel ist ja nicht, Geld zu machen. Und die Dinge, die dafür gekauft werden können, sind auch noch zum Großteil nutzlos. Zusätzlich dazu, dass viel nicht wirklich lukrativ ist, ist viel aber zusätzlich auch noch super nervig zu tun. Die Steuerung auf dem Feld ist so frickelig und Feldfrüchte bringen so wenig ein, und kosten so viel Stamina zu pflegen, dass man dies beispielsweise am Besten gleich komplett vergisst. Einfach ein paar Baumsamen in die Erde werfen, die müssen nicht gepflegt werden, tragen jedes Jahr erneut Früchte und bringen auch noch mehr ein. Eine größere Anzahl an Tieren zu versorgen ist außerdem ein logistischer Alptraum. Alle bei gutem Wetter raus und schlechtem rein zu lotsen ist ein Unding, am besten bleiben sie einfach bei Wind und Wetter draußen, wird sie schon nicht umbringen. Zumal es in A Wonderful Life sowieso nicht mehr am Tag komplett entweder gutes oder schlechtes Wetter ist, sondern sich das stündlich ändern kann. Die Hühner machen wenigstens nicht viel Arbeit, aber die größeren Tiere? Die regelmäßig zu diesem dämlichen Wassertrog zu lotsen, um den Dreck abzuwaschen, da kann man schon gut ein Aneurysma von bekommen. Kühe geben übrigens nur noch ein Jahr lang Milch und müssen dann geschwängert werden, damit ihnen nach der Geburt wieder Milch einschießt. Ich habe irgendwann meinen Tierbestand auf eine Kuh und ein Schaf verkleinert, weil mir mehr zu umsorgen einfach mächtig auf die Eier ging.

Dorffeste gibt es übrigens auch wieder, nur sind sie nicht der Rede wert. Hit Detection ist häufig sehr ungenau. Der Bauer muss genug Schlaf und Essen bekommen, um durchzuhalten. Warum fragt Carter mich nach der Arbeit in der Ausgrabungsstätte eigentlich jedes Mal, ob ich was Interessantes entdeckt habe, auch wenn es nur einmal pro Jahr wirklich nötig ist? Warum kostet es mich je nachdem 1-2 Stunden, um die Cutscene zu sehen, wenn Takakura ein Tier verkauft, oder ein neues kauft, oder ein Werkzeug in den Schuppen hängt? Immerhin ist im Rucksack diesmal unbegrenzt Platz und verderben kann darin auch nichts, die einzig benutzerfreundliche Entscheidung im ganzen Spiel.

Viele dieser Entscheidungen scheinen daher zu rühren, dass A Wonderful Life realistischer werden sollte. Ein Problem habe ich allerdings dann damit, wenn dieser Realismus auf den Spielspaß drückt, und das tut er hier eigentlich überall. Zumal A Wonderful Life natürlich dennoch hoffnungslos unrealistisch ist.

Technisch gesehen verdient sich das Spiel auch keine Pluspunkte. Grafisch ist es Ok, aber nicht überragend, und außerdem fällt auf, dass alles wesentlich dunkler und verwaschener wirkt, im Vergleich zum NGC-Original. Und selbst das kann das Spiel nicht handeln, oder ist schlichtweg miserabel geportet oder wie auch immer, denn das Spiel leidet unter konstantem Lag und Slowdown. So als würde ständig unter Wasser mit mehr oder weniger starker Gegenströmung gelaufen. Vielleicht spielt es aber auch nur im Tal der Winde mit konstanten heftigen Orkanböen. Und musikalisch war Harvest Moon ja noch nie sonderlich gut. Hier kann immerhin selbst das Gedudel of choice ausgewählt werden, dass einem ins Hirn schneiden soll – sofern man denn weitere Platten gefunden hat.

Fazit:
Ich könnte mich lang und breit über Harvest Moon: A Boring Life ~Lag Edition~ auslassen, und ein wenig hab ich das ja auch. Es ist einfach so, dass es an dem Spiel so überhaupt nichts Gutes gibt. Ich habe es nur bis zum Ende durchhalten können, weil man Harvest Moon, von mir manchmal gerne als Relaxing/Meditation Gaming bezeichnet, etwas böser gesagt mit dem Hirn abgeschaltet auf Autopilot spielen kann.

2 von 10 Punkten

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