Breath of Fire II

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 21.12.01 (J), 16.04.02 (US), 28.06.02 (EU)

Der Erstling verkaufte sich besser, als Capcom das erwartete und so wurde natürlich bald ein Nachfolger hinterher gereicht. Immerhin nicht ganz zwei Jahre sollte dies dauern und diesmal brachte ihn sogar Capcom selbst in den Westen. Der Vorteil davon war, dass somit auch Europa bedient wurde, der Nachteil das die Übersetzung vor Fehlern nur so strotzte. Und genau jene wurde leider auch für die GBA-Version erneut genommen.

Der kleine Ryu lebt mit seinem Vater, dem Dorfpriester, und seiner Schwester in Gate, das vor Jahren von einem Drachen vor einem Angriff gerettet wurde, und der nun versteinert die nahegelegene Höhle versiegelt. Auf einem Trip dorthin hat Ryu einen seltsamen Traum von einem unheimlichen Auge und sobald er nach Gate zurückkommt, sind Vater und Schwester plötzlich verschwunden und keiner erinnert sich an die drei. Äußerst seltsam, doch erst 10 Jahre später soll sich das Mysterium auflösen.

Die Handlung von Breath of Fire II ist eine ganze Ecke besser ausgearbeitet, als die des Erstlings. Gerade gegen Ende gibt es einige nette Wendungen, auch wenn heutzutage die „Organisierte Religion ist böse“-Angelegenheit, die hier vorhanden ist, relativ ausgelutscht ist. Allerdings braucht die Geschichte lange, bis sie richtig zum wirklich wichtigen Teil kommt, davor durchstreift man wie üblich die Welt und hakt diverse mehr oder weniger mit dem Hauptstory zusammenhängende Nebenhandlungen ab und sucht sich so sein anthropomorphes Heldenteam zusammen. Viele solche Handlungen sind übrigens schön leicht und humorig, im Vergleich zur eher ernsten Hauptgeschichte auf der Schlussstrecke. Die Geschichte ist also durchaus gut, allerdings kann ich die Behauptung, es wäre eine der besten der SNES-Ära, nicht unterschreiben. Ich würde sie eher auf einer Stufe mit einem Final Fantasy IV stellen: Gute Standardhandlung mit einigen netten Wendungen, aber halt auch ein wenig Altersschwach.

Spielerisch gibt es den üblichen Ablauf der Wanderung von Region zu Region, um neue Orte zu besuchen und in den nahegelegenen Dungeons ein Problem zu regeln und/oder einen Boss zu vermöbeln. Die Kämpfe sind dabei gewohnt rundenbasiert, was sich allerdings zum Vorgänger geändert hat ist, dass die Charaktere nicht mehr jederzeit ausgetauscht werden können. Und das nicht nur während eines Kampfes nicht mehr, sondern auch außerhalb davon. Das geht nur noch an Speicherpunkten, mehr als die maximalen 4 Charaktere hat man also nie dabei. Das ist dahingehend etwas schade, weil dies auch bedeutet, dass nicht mehr alle Charaktere ständig mit leveln. In älteren Spielen nicht unüblich, aber dies war im Vorgänger schon nett und ist etwas schade, dass es herausgenommen wurde. Zumal bei Breath of Fire II die üblichen Charaktersubplots nicht zwangsläufig kurz nach ihrem Erhalt stattfinden, sondern teilweise auch sehr spät im Spiel. Da kann es schon schnell passieren, dass plötzlich ein Charakter ins Team muss, der nie genutzt wurde und erst mal reichlich nach gelevelt werden will.

Die diversen Spezialfähigkeiten innerhalb und außerhalb der Kämpfe sind auch wieder mit dabei. Rand kann beispielsweise bröckelige Wände einreißen oder Sten die Abgründe überwinden. Ryu verwandelt sich in einen Drachen, aber dies geht nun anders vonstatten, als im Vorgänger. Anstatt das er sich verwandelt und in der Form weiterkämpft, ist dies eine Beschwörung, die alle seine AP kostet. Je nachdem, wie viel davon noch übrig waren, ist sie unterschiedlich stark. Das sollte die überpowerten Transformationen des Vorgängers wohl etwas abschwächen, theoretisch können sie aber immer noch gespammt werden, wenn man dazwischen nur reichlich AP-Heilungsgegenstände schmeißt. Auch das Fusionieren anderer Charaktere ist wieder mit dabei, allerdings besser ausgearbeitet. Bis zu 6 Schamaninnen können gefunden und mit (fast) allen Charakteren vereint werden, was nicht nur ein paar Statuswerte leicht erhöhen, sondern in der richtigen Kombination sogar neue Supercharaktere erschaffen kann.

Leider den Spielspaß möglicherweise etwas drücken wird die Encounter Rate, die einfach jenseits von Gut und Böse ist und stellenweise ordentlich nerven kann. Da hat man leider auch bei der GBA-Version direkt nichts daran geändert, allerdings gibt es mehr Geld und Erfahrung nach den Kämpfen, wodurch zumindest das Leveln und Einkaufen weniger träge Auswüchse hat. Ansonsten sind noch ein paar der auffälligsten Übersetzungsfehler behoben, doch meist wird immer noch die unterdurchschnittliche Originalübersetzung genommen, da hilft es nicht viel, dass nun nicht mehr „equip lod/bait“ gefragt wird.

Optisch macht Breath of Fire II einen hübscheren und detaillierten Eindruck als sein Vorgänger, wenn er auch Ende 1994 niemanden direkt umgehauen haben wird. Auf den zweiten Blick sind allerdings erneut die vielen kleinen Animationen bei Gegnern und Spielercharakteren mehr als nett anzusehen, zumal die Gegner nun jetzt auch wesentlich interessantere Designs aufzuweisen haben. Die GBA-Version fügt wiedermal ein paar wenige Standbild-Szenen ein, hellt dafür das Bild aber auch extrem auf, da sie aus einer Zeit stammt, als die GBAs mit Backlight nicht verbreitet waren. Musikalisch gibt es leider ein Downgrade zum Vorgänger, so ist zwar alles passend, aber reichlich unspektakulär anzuhören.

Fazit:
Breath of Fire II ist ein gutes, rundes Oldschool-RPG, bei dem zwar leider die extrem überhöhte Encounter Rate den Spielspaß manchmal drücken kann, mit dem man aber dennoch meist eine gute Zeit hat. Eines der besten Spiele der Ära kann ich, egal wie sehr ich es mag, dennoch nicht komplett unterschreiben. Ende 1994 waren Phantasy Star IV oder Final Fantasy VI beispielsweise schon raus und Chrono Trigger sehr nahe. Doch mit solchen Kalibern kann – und muss – eben nicht jedes RPG mithalten.

7 von 10 Punkten

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