Castlevania: Portrait of Ruin

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 16.11.06 (J), 05.12.06 (US), 09.03.07 (EU)

Symphony of the Night startete eine ganz neue Richtung für die Castlevania-Serie, auf Grund ihrer Struktur gerne Metroidvanias genannt. Gerade auf dem Handheld machten sich diese 2D-Teile sehr gut, kam dort doch fast jährlich ein neuer Teil heraus. Das hat mit der Zeit aber auch ein wenig Unmut aufgebracht, da sich die Spiele auch schnell zu ähnlich sein können, gerade Dawn of Sorrow, der Vorgänger zu Portrait of Ruin, hat sich mit dem sowieso nicht seltenen Recycling zwischen den Teilen nicht zurück gehalten.

Jonathan und Charlotte stürmen Draculas Schloss, ist mal wieder soweit und sonst tut’s ja keiner. Zumal Jonathan mit der Vampirkiller-Peitsche die Last sozusagen geerbt hat. Leider kann er damit nicht wirklich gut umgehen. Und im Schloss angekommen, stellt sich den beiden auch nicht Dracula, sondern der Vampir Brauner mit seinen zwei Töchtern in den Weg.

Die Geschichte in den Castlevanias ist nie wirklich wichtig gewesen, sondern dient seit jeher nur als Ausrede, warum jetzt schon wieder das Schloss gestürmt und Darcula ausgemerzt werden muss. Doch gerade die Metroidvanias haben den Textanteil in die Höhe geschraubt. Leider sind sowohl Jonathan als auch Charlotte relativ lahme Anime-Klischees. Die Stellen, wenn sie den Mund öffnen und Worte raus fallen, sind definitiv die schwächsten Momente des Spieles. Aber zum Glück geht es auch in den Metroidvanias viel mehr um das Gameplay.

Und hier versucht Portrait of Ruin zumindest ein wenig Abwechslung hinein zu bringen. Eben durch die beiden Hauptcharaktere. Denn als Spieler kann man sich entscheiden, ob nun die Kontrolle über Jonathan oder Charlotte übernommen wird. Jonathan ist der übliche Hauptcharakter, der als physischer Kämpfer diverse Waffen ausrüsten kann und sogar Zugang zu Subwaffen wie Äxte und Wurfmesser hat, neben nicht ganz so klassischen wie einem Kuchen. Charlotte ist das Magic User Chick, die eben vorrangig mit Magie um sich wirft. Es können sogar beide gleichzeitig draußen sein, wobei der nicht vom Spieler gesteuerte Charakter rudimentär von der KI gesteuert wird. Bedeutet hauptsächlich nahe dem Spielercharakter bleiben und alles in Nähe angreifen. Magie und Subwaffen werden nicht von selbst eingesetzt, sondern nur auf Spielerbefehl, sowie auch nicht von selbst aus Gefahrenzonen gewichen wird. Dafür zieht es nicht an der Lebensleiste, wenn ein KI-Charakter getroffen wird, sondern an der Magieleiste. Es gibt auch ein paar wenige Puzzel, für die beide Charaktere gebraucht werden und natürlich ist mal dieser oder jener im Kampf besser, beide zusammen können sogar noch besonders starke Gruppenattacken werfen. Doch insgesamt ist das Dual Charakter System doch etwas dürftig genutzt. Rätsel für beide gibt es wenige und auch ansonsten spielt es sich eigentlich nicht sonderlich anders, als mit nur einem.

Noch mehr Frische sollten die verschiedenen Lokalitäten hereinbringen. Statt wie in den vielen Vorgängern nur durch das weitläufige Schloss zu wandern, gibt es hier Sublevel, die in Brauners Gemälden stecken. Leider ist nur das Ägypten-Level wirklich optisch und von den Gegnern her stark anders, als gewohnt. Die Straßen der Stadt oder Waldwege sehen genau genommen kaum anders aus, als die diversen Areale in den großen Schlössern der Vorgänger. Zumal Portrait of Ruin einen zwei Mal durch diese Level schickt. Selbst das Ägypten-Level ist gar nicht so anders, da sich die Layouts aus ähnlichen Räumen und Gängen in den Metroidvanias doch stark wiederholen, da macht es auch keinen ganz so großen Unterschied mehr, ob das Dekor das eines Schlosses oder einer Pyramide ist. Und neben copypasta Layouts und recycelten Gegnern gibt es auch sonst viel Übliches: Natürlich ist der letzte Boss dann doch Dracula, natürlich gibt es einen Clocktower mit Medusa Heads, natürlich gibt es einen Kampf gegen Death vor einer Uhr, und selbst der obligatorische Legion-Kampf und Richter-Mode sind mit von der Partie. Ein wenig ermüdend kann das Stellenweise doch werden.

Und das, obwohl das Copypasta-Gameplay eben genau wegen der fehlenden Veränderungen gewohnt solide und launig ist. Besonders wem die Vorgänger zu leicht waren, darf sich darauf freuen, dass zumindest die Bosse schwerer geworden sind und dank ihrem höheren ausgeteilten Schaden unachtsame Spieler schon schnell den Gar ausmachen können. Wer nicht so geschickt ist, kann natürlich wie immer notfalls auch Level grinden oder Heilitems spammen. Doch wer dies vermeiden und Skill beweisen will, der wird dies bei den Bossen tun können.

Optisch macht das Spiel einen gewohnt guten 2D-Eindruck mit aussagekräftigen Sprites auf schicken Hintergründen. Trotz viel Recycling und Layout-Copypasta, die dies hier und dort ein wenig schmälert. Dafür sind die neuen Sprites wirklich umso detaillierter. Die Anime-Portraits der Charaktere sind etwas 0815 aber zumindest nicht mehr ganz so lahm wie im Vorgänger. Und über den Soundtrack in einem Castlevania muss man sowieso nicht mehr reden, die sind nämlich immer sehr toll. Übrigens gibt es auch wieder ein paar kleine Sprachsamples, die eigentlich der Rede nicht wert wären, doch hier erwähnt werden sollen, weil sie sowohl in Englisch wie in Japanisch eingestellt werden können. Das ist ja einigen sehr wichtig.

Fazit:
Genau genommen ist Portrait of Ruin auch nicht schlechter als der Gro der anderen Metroidvanias, sehr unterscheiden tun sich die ja nun mal nicht. Aber genau hier liegt das Problem, zumindest für mich, denn das ganze „been there, done that“-Gefühl gibt doch einen gewissen fahlen Beigeschmack ab, solide gutes Grundspiel hin oder her.

7 von 10 Punkten

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