Fahrenheit

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 26.01.06 (J), 26.09.05 (US), 16.09.05 (EU)

Bevor das hoch gelobte Heavy Rain erschien, brachte Quantic Dream mit Fahrenheit bereits das gleiche Konzept auf die vorige Konsolengeneration. Sprich einen interaktiven Film zu durchleben und dies aus der Sicht mehrerer Charaktere – das Spiel gibt einem anstatt „New Game“ sogar „New Movie“ im Menü, um zu verdeutlichen, dass es weniger Spiel und mehr Film ist.

Lucas sitzt auf der Toilette in einem Diner. Anstatt aber den dort gegessenen Burger wieder los zu werden, ist er damit beschäftigt sich mit einem Messer ein Schlangensymbol in den Arm zu ritzen und anschließend einen anderen Toilettengänger brutal zu erstechen. Kaum ist die Sauerei angerichtet, wacht er aus der Trance auf und ist nicht so angetan davon, mit blutigem Messer über einem Erstochenen zu stehen. Also schnell raus aus dem Diner, bevor jemand die Leiche finden kann und die beiden Polizisten Clara und Tyler sich dem Mord annehmen.

Dies ist die Anfangsszene des Filmes, weiter geht es nun wie von Heavy Rain gewohnt: Hier und dort eine Lokalität ablaufen, bis das nächste Event getriggert wird und dort dann über Quick-Time-Events versuchen, die Situation mit dem schnellen Drücken von L1 und R1 oder diversen Richtungskombinationen der beiden Analogsticks mehr oder weniger erfolgreich zu durchstehen. Selbst in Gesprächen bleibt nur eine begrenzte Zeit, um sich zu entscheiden, welches Thema nun angesprochen gehört. Und natürlich wird immer schön zwischen Lucas, Clara und Tyler gewechselt, damit beide Seiten der Geschichte aufgerollt werden, sowohl die des Mörders wie die der Mordinvestigation. Das war es dann auch schon fast. Noch erwähnenswert wäre, dass jeder Charakter ein Sanity-Meter hat und diverse Themen anzusprechen oder Sachen zu vermasseln sie depressiver macht, Erfolgserlebnisse aber auch wieder glücklicher. Ist von einer Lebensleiste nicht weit entfernt, denn fällt es auf 0 ist rum. Zunächst wirkt das Teil etwas nervig, da Story-bedingt durchaus Stellen vorkommen, in denen die Leiste fällt, ohne dass es ein Drum Herumkommen gäbe und gerade bei den beiden Polizisten erwartet man eigentlich ein dickeres Fell, als dass die gleich depressiver werden, nur weil ihnen ein Penner keine Aussage machen will. So arg schwer ist es allerdings glücklicherweise doch wieder nicht, das Teil halbwegs ausgeglichen zu halten und da das Spiel reichliche Autosaves setzt auch kein Verlust von sonderlich viel Spielzeit große Patzer notfalls zu korrigieren.

Und das war es vom Spielerischen her eigentlich schon: Auf den Meter achten und versuchen gut in Quick-Time-Events zu sein. Mehr muss nicht beachtet werden. Ist halt, wie mehrmals erwähnt, ein interaktiver Film statt ein „richtiges“ Spiel. Wobei bei jener Bezeichnung anzunehmen ist, dass es viele verschiedene Alternativen gibt, je nachdem was im Film gemacht oder nicht gemacht wird, und auch das Tutorial meint alles hätte Auswirkungen, doch so wirklich stimmen tut dies letztendlich nicht. Fahrenheit ist doch sehr geradlinig und gescriptet. Irgendwo etwas zu stark zu vermasseln, führt höchsten zu einem vorzeitigen Ende und die damit einhergehende Notwendigkeit, vom letzten Autosave erneut zu beginnen, um diesmal weiter kommen zu können. Klar, je nachdem wie gut die Umgebung abgesucht und welche Gesprächsthemen angesprochen werden, können Kleinigkeiten sich etwas ändern, aber diese unwichtigen Variablen haben auf den größeren Spielverlauf keinen Einfluss. Selbst als wer als nächstes gespielt wird ist eben nur eine Entscheidung, wer als nächstes dran kommt, letztendlich muss doch jeder mögliche Charakter durchlaufen werden, um ins nächste Szenenset zu kommen. Es gibt zwar drei verschiedene richtige Enden zum Spiel, doch auch hier entscheidet sich welches gesehen wird erst ganz am Ende.

Was für einen interaktiven Film hingegen sehr wichtig wäre sind Charaktere und Handlung. Hier macht Fahrenheit zunächst nicht viel falsch. Eine tolle Einstiegsszene, realitätsnah geschrieben Charaktere und eine wirklich spannende Handlung aus beider Sicht erzählt, motivieren total das unter 10-stündige Erlebnis möglichst schnell weiter zu spielen, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Leider lässt die Handlung gen Ende hin nach. Was wie eine relativ bodenständige Crime-Story anfängt, bekommt mehr und mehr übernatürliche Ereignisse beigemischt (die zunächst auch Lucas Wahnvorstellungen sein könnten), bis letztendlich aus einer Story a la CSI mehr End of Days und zuguterletzt Matrix wird. Grundsätzlich stört es mich noch nicht mal so extrem, dass sich die Stilrichtung so stark ändert, sondern eher, wie sie es tut. Alles kommt zu schnell, wirkt überhastet, es fehlen Erklärungen und wird doch alles in allem etwas arg viel mit den Matrix-Moves, Weltuntergangs-Mayas, Künstlicher Intelligenz und all dies. Hier hätte es Fahrenheit ganz gut getan, etwas mehr zu erklären und ein paar der Ideen auch zwecks strafferer Handlung ganz zu streichen. So wirkt es doch alles etwas zu plötzlich und überfrachtet. Das komplette Spielerlebnis verdorben, wie so vielen anderen, hat mir dies nun aber auch wieder nicht.

An der Optik gibt es nicht viel zu meckern, für die PS2 ist das ok anzusehen und alles hübsch passend cineastisch aufgezogen und mit einem entsprechen passenden Score unterlegt. Hier fühlt man sich schnell wie in einem Film, und genau darum geht’s.

Fazit:
Mir hat Fahrenheit gut gefallen. Wer sich damit anfreunden kann, dass er was das eigentliche Spielen angeht nicht so viel macht, sondern eher einen interaktiven Film schaut, bei dem die Variablen letztendlich auch nicht allzu groß sind, der steht definitiv vor einem sehr spannenden Erlebnis. Nur am besten direkt darauf einstellen, dass die spannende Crime-Handlung sich was Stil und Qualität angeht doch noch gen Ende stark ändert und dies nicht unbedingt zum noch Besseren.

7 von 10 Punkten

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