Tales of Monkey Island

  • Plattform: PC
  • Release: 05.06.10 (US), 08.04.11 (EU)

Adventure Games haben besonders in Europe gut das Massensterben überlebt und konnten ihre Population in den letzten Jahren wieder stark aufstocken. Doch auch die USA spielt wieder mit, besonders Telltale Games, die mit ihren Episodic Games und dem aufleben lassen nostalgischer Franchises ein gutes Geschäft machen. Nach Strong Bad, zwei Seasons von Sam & Max und anderen Spielen kam dann der große Clou: Monkey Island is back!

Ein ganz normaler Tag im Leben von Guybrush Threepwood (Mighty Pirate TM): Zombie-Geister-Piraten-Bösewicht LeChuck hat Elaine entführt und plant über ein Ritual die Karibikherrschaft anzustreben und Guybrush muss das mit einem McGuffin der Voodoo-Lady verhindern. Dummerweise läuft das auf Grund von Tollpatschigkeit seitens Guybrush schief – LeChuck wird zum Menschen, Guybrushs Arm infiziert und zudem landet er weit weg von Elaine auf einer Sturmgepeitschten Insel. Nun muss er also ein Mittel gegen die Stürme und einen Weg an ein Schiff zu kommen finden, um zu seiner Elaine aufzuschließen, unter Wasser 10 Minuten Luft anhalten können reicht leider nicht aus, um bis zu ihr zu laufen. Soweit eben ein ganz gewöhnlicher Tag aus dem Leben eines Guybrush Threepwoods.

Wie üblich bei Telltale Games kommt Tales of Monkey Island in diversen (hier 5) kleinen Episoden daher. Im Gegensatz zu einem Sam & Max: Season One sind jene allerdings nicht in sich abgeschlossene Einzelgeschichtchen, die erst im Finale zusammengeführt werden und unter einem Thema stehen, sondern tatsächlich eine durchgängige Handlung in 5 Etappen erzählt. Im Prinzip nicht sonderlich anders als die vorigen Spiele also, nur nicht im Ganzen, sondern jede Insel/Teilstück des Spieles eine neue Episode. Was dazu führt, dass alles doch wesentlich mehr wie ein komplettes Ganzes wirkt, sobald der Spieler das letzte Kapitel beendet hat. Letztendlich tut es sowieso gut, so eine ganze Season als ein Spiel zu betrachten, nicht die Einzelepisoden zu stark auseinander zu klamüsern.

Denn dann fällt beispielsweise das Problem des etwas trägen Anfangs stärker auf. Bei einem Komplettspiel ist dies gegen Ende weitestgehend vergessen oder zumindest durch den spannenderen Rest, der direkt danach kommt, etwas revidiert. Bei einem Spiel wie Tales of Monkey Island fällt es dann etwas stärker auf, wenn gleich zwei komplette Episoden noch nicht die größten Reißer sind. So eine Episodenstruktur hat eben seine Vor- und Nachteile. Zum einen wirkt jede Episode auf sich genommen natürlich etwas kurz und einfach gestrickt, dafür sind sie allerdings super praktisch, wenn nicht sonderlich viel Zeit fürs Gaming ist und man so auch mal an ein oder zwei kurzen Abenden eine ganze Episode erledigt bekommt.

Doch Tales of Monkey Island besteht zum Glück nicht nur aus seinen ersten zwei Kapiteln, die wohlgemerkt auch nicht schlecht sind, sondern eben etwas lasch vielleicht, da sie nun mal den Einstieg bilden, sondern dahinter kommen auch noch drei weitere, die wieder wesentlich größere Geschütze auffahren. Die Lokalitäten werden interessanter, die Charakterdynamik besser, der Humor witziger und auch die Rätsel werden cleverer und etwas schwerer. Die Gehirnwindungen extrem verknoten wird man sich zwar wohl nicht, solche Episoden bleiben eben überschaubar und müssen komplett in sich selbst funktionieren, aber dafür wird es auch nicht extrem unfair, wie in den „guten alten Zeiten“ teilweise der Fall war.

Besondere Highlights? LeChuck als Mensch und die infizierte Elaine sind super unterhaltsam, auch der größere Neucharakter Morgan ist echt super. Das Face Off ist eine tolle Idee gewesen, der ganze Teil in der Totenwelt echt clever ausgedacht und überhaupt sind spätestens im Finale einem dann doch alle Charaktere (wieder) ans Herz gewachsen, selbst diejenigen, die einem vorher eigentlich etwas weniger wichtig waren.

Optisch hat sich nicht viel getan, so ist Tales of Monkey Island in 3D gehalten, das auch Nutzer von weniger guten PCs noch mit einbezieht, dafür stilistisch sehr passend und mit vielen charmanten Animationen versehen Nicht zu vergessen eine Sprachausgabe, die schon alleine den halben Witz ausmacht. Lediglich das Bewegungsschema – wahlweise per Halten der Maustaste und anschließendem Rumrubbeln jener oder mit der Tastatur – ist zunächst leicht gewöhnungsbedürftig, hier hätte es gerne alternativ noch zusätzlich das gute alte „Schwing deinen Arsch dahin, wo ich klicke“ sein können.

Fazit:
Viel habe ich zu Tales of Monkey Island nicht zu sagen. Sicher, die Einstiegskapitel sind gewohnt etwas weniger die Überflieger, aber danach dreht das Spiel wirklich super auf und hat meiner Meinung nach sogar noch etwas mehr Charme und vor allem insgesamt mehr Stringenz, als die erste Season von Sam & Max gehabt. Definitiv ein modernes Adventure Game Highlight.

8 von 10 Punkten

Advertisements