Etrian Odyssey

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 18.01.07 (J), 15.05.07 (US), 06.06.08 (EU)

Oldschool Dungeoncrawler sind keine Sache der Vergangenheit, haben solche Spiele doch auch heute noch ihre Nische. Besonders in Japan, wo selbst die Wizardry-Serie weiterhin lebendig ist, was man von ihrem westlichen Ursprungsland nicht behaupten kann. Unter anderem macht sich die Class-of-Heroes-Reihe dort gut und nicht zuletzt Atlus‘ Etrian-Odyssey-Serie.

Also gut zugehört, Jungchen: Da gibt es so ein Labyrinth, in dem ganz tolle Dinge auf mutige Abenteurer, die es zu bezwingen versuchen, warten sollen. Und am Eingang zu ihm hat sich natürlich eine geschäftige kleine Stadt entwickelt, um eben jenen Abenteurergruppen mit überteuerter Verpflegung das hart verdiente Geld wieder aus den Taschen zu ziehen. Monopol und so. Weit ins Labyrinth hat es sowieso noch niemand geschafft, also kann da so einiges an überraschenden Geheimnissen warten. Kann, muss aber nicht.

Etrian Odyssey ist bewusst oldschool und das spiegelt sich in der Handlung nicht minder wieder. Sprich: Sie ist absolut nebensächlich und kaum vorhanden. Zunächst zumindest, aufs Finale hin zieht sie etwas an, doch zu dem Zeitpunkt wird man sich auch nicht mehr so sonderlich drum kümmern und vorhersehbar wäre es sowieso gewesen, wenn mit einer Handlung überhaupt gerechnet worden wäre. Unterm Strich wird der geneigte Spieler Etrian Odyssey einfach nicht wegen seiner Story spielen, sondern wegen dem Gameplay.

Welches selbstverständlich auch dem Konzept eines oldschool Dungeoncrawlers untersteht und von Beginn an niemandem falsche Hoffnungen machen wird. Die 5er-Gruppe kann beliebig aus diversen Berufsklassen der üblichen Kategorien wie Heiler, magischer Angreifer, physischer Angreifer, Tank und Support zusammengestellt werden. Was gut ist und was nicht, darf selbst herausgefunden werden. Auch was die Skills angeht, von denen diverse passive wie aktive zur Auswahl stehen, auf denen die beim Level up erhaltenen Punkte verteilt werden dürfen. Wer also experimentierfreudig ist, hat so einige Möglichkeiten. Wer es nicht ist, kann schnell überwältigt sein, was nun ein guter Team-Aufbau ist und ob es sich nicht in die falsche Richtung entwickelt.

In Sachen Schwierigkeitsgrad kennt das Spiel ebenfalls keine Kompromisse. Immerhin besteht es aus lediglich einem Dungeon mit 5 Bereichen a 5 Stockwerken (plus ein optionaler Post-Game-Bereich). Bei nur 25 Stockwerken kann man sich also gut vorstellen, dass auf jedem davon so einige Zeit verbracht werden wird. Normale Monster sind beim Betreten eines neuen Stockwerks und noch wesentlich mehr eines neuen Bereiches grundsätzlich nie einfaches Kanonenfutter und zusätzlich gibt es auf fast jedem noch mehrere FOEs. Dies sind besonders starke Monster, die teilweise Zwischenboss-Charakter haben, im Gegensatz zu normalen Gegnern sichtbar das Stockwerk durchstreifen, allerdings auch die Fähigkeit haben, sich in schon bestehende Kämpfe einzuklinken. Das kann zu so einigen bösen Überraschungen führen. Auf dem Bossstockwerk des 4. Bereichs darf sich die Gruppe neben dem Boss sogar noch mit einem guten Dutzend FOEs rumschlagen. Sozusagen die Geduldsprobe vor dem finalen Gebiet, um zum letzten Mal die Spreu von Weizen zu trennen. Stockwerke sind groß und kompliziert aufgebaut, MP gerade zu Beginn immer knapp, Statusveränderungen höchstgefährlich und Gegner in dem, was sie einem entgegen werfen auch nicht dumm. Besonders viel „Spaß“ bereiten beispielsweise jene Gegner, die die Gruppe einschläfern und dann systematisch einen nach dem anderen totschlagen, statt wie in anderen RPGs auch mal dumm andere Charaktere anzugreifen und somit wieder aufzuwecken. Eine Vergiftung kann schon mal jede Runde gut ein Drittel der HP kosten und ein Fluch lässt die angreifenden Charaktere ebenso hohen Schaden nehmen, wie sie dem Gegner austeilen. Immerhin: Heilquellen gibt es in jedem Bereich eine, meist auf Stockwerk 3 oder 4 und auf dem jeweils ersten einen Teleporter, so dass zumindest das vorigen Gebiet nicht erneut durchlaufen werden muss. Doch die aktuelle 5er-Gruppe wird man so schnell nicht verlassen, bis die Truppe endlich erfolgreich alle Stockwerke des Bereiches durchschritten und den Boss besiegt hat. Wer also keine Geduld hat, wem schnell Eintönig wird und wer schon Final Fantasy nicht leicht findet, dem wird Etrian Odyssey nicht viel zu bieten haben.

Den Weg bzw. auch das Stocken durchs Dungeon wenigstens etwas Abwechslung bereiten dabei annehmbare Quests und das Sammeln von Loot, um neue Gegenstände in den Geschäften freizuschalten. Das besondere Gimmick ist übrigens, dass die Karte der Stockwerke selbst auf dem Touchscreen zu zeichnen ist. Das ist sicherlich eine nette Idee, wobei mir als nicht Nostalgiker gegenüber alten Zeiten, wo man dies tatsächlich noch auf einem Block nebenher machen musste, um durch ein RPG zu kommen, auch egal gewesen wäre.

Grafisch macht Etrian Odyssey erst mal nicht viel her. Die Monsterartworks sind recht hübsch anzusehen, allerdings komplett statisch und es gibt viel Palette Swapping. Die 3D-Umgebung in den Dungeons bietet zunächst ein paar nette Designs, doch auch hier ist man im aktuellen 5er-Stock-Bereich so lang unterwegs, dass man gar nicht mehr drauf achten wird – zumal das Thema im ganzen Dungeon Variationen von Wäldern sind. Dafür gibt es an der tollen Musik von Yuzo Koshiro nichts zu meckern, alles hört sich toll an, wobei erneut natürlich viel die gleichen Stücke zu hören sind.

Fazit:
Etrian Odyssey will ein oldschool Dungeoncrawler sein und das ist das Spiel auch mit Erfolg. Langsames Vorankommen, harte Gegner, wenige Erklärungen, kaum Handlung, technische Präsentation ebenfalls nebensächlich und selbst die Karte muss selbst gezeichnet werden. Mit zwei Sequeln ist klar, dass EO seine Nische gefunden hat, doch vielen moderne RPGs liebenden, jüngeren Spielern sei zur Vorsicht geraten. EO ist nicht modern, will es auch gar nicht sein. Ich konnte mich zumindest nicht immer für das Spiel erwärmen, hatte eher eine Hassliebe dazu, mal total motiviert und dann wieder nur gefrustet und gelangweilt. Shin Megami Tensei: Strange Journey hat mich da einfach verwöhnt, mit mehr Benutzerfreundlichkeit und Nettigkeiten, stetigerem Vorankommen. So ganz zur Zielgruppe, die Etrian Odyssey ansprechen will, gehöre ich nun mal nicht. Wer aber zum x-ten Mal die fiesen, alten RPG-Brocken raus kramt, und endlich mal was Neues in der Art in Händen halten will, der wird hiermit bestimmt gut bedient.

6 von 10 Punkten

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