Harvest Moon GBC3

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 29.09.00 (J), 14.11.11 (US)

Auch ein dritter Teil sollte auf Nintendos portablem GameBoy noch erscheinen, nach einem mäßigen Erstling und einem erstaunlich guten zweiten Eintrag. Mit dem Versuch viel zu bieten, leider aber scheiternd.

Wie immer in Harvest Moon gehört eine vor die Hunde gegangene Farm wieder aufgebaut. Auf einer Insel, von einem Mädchen alleine geführt. Nur wissen wir ja alle, dass Frauen nichts sind, ohne männliche Hilfe, und so bekommt sie eben jene.

Äcker bestellen, Tiere versorgen, an beidem Geld verdienen, die Farm vergrößern, und noch mehr Geld verdienen. Das ist es, was in der Serie gemacht wird. Die Besonderheit bei GBC3 ist, dass ausgesucht werden kann, ob der Junge oder das Mädchen gespielt wird. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern leben jedoch wie bereits erwähnt diesmal beide auf der Farm, statt dass dies nur kosmetischer Natur wäre, und übernehmen verschiedene Aufgaben. Das hat einen Marketing-Menschen dazu verleitet, verkaufsträchtig auf die Verpackung zu schreiben, man bekäme hier zwei Spiele in einem geboten.

Stimmt nur nicht, stattdessen stecken in GBC3 zwei halbe Spiele. Der Junge beackert die Felder, das Mädchen streichelt die Tierchen. Was also die beiden Hauptaufgaben in allen anderen Teilen sind, wird hier jeweils auf die Geschlechter aufgeteilt. Das Ergebnis der Angelegenheit: Es wird noch schneller eintönig, als dies normalerweise der Fall ist, da noch weniger Abwechslung herrscht. Eine weitere dumme Sache: Sobald das Mädchen heiratet, endet das Spiel, weil sie ihren Lebenssinn erfüllt hat. Beim Jungen zwar nicht, aber sobald sich Nachwuchs ankündigt, geht die Ehefrau in Mutterschaftsurlaub und so fallen die Erträge der Tiere flach, da er ja zu dumm ist, sie selbst versorgen zu können.

Ansonsten versucht das Spiel ein paar Dinge einzuführen, die bislang nur in den großen Konsolenteilen zu haben waren. Werkzeuge können aufgebessert werden, allerdings nicht per Schmieden, sondern tun dies automatisch per Gebrauch. Und es kann geheiratet werden, allerdings nur den anderen Farmbewohner, eine Auswahl aus mehreren Kandidaten gibt es nicht.

Weitere Zusätze sind die Möglichkeit der Pferdezucht, die Sonderfeldfrüchte Reis und Weizen, die etwas anders funktionieren, als üblich und die Wahl aus mehreren möglichen Haustieren, nicht nur Hund oder Katze. Mehrere Events mit den Dorfbewohnern können ebenfalls geschehen, dafür wurden jegliche Feste weg rationalisiert. All dies kann leider nicht kaschieren, dass es ein ziemlich langweiliger Eintrag in die Serie ist.

Weitere Nervfaktoren: Auf der kleinen Insel gibt es keine Läden. Dafür muss die Fähre zum Festland genutzt werden, die aber nur zwei Tage die Woche fährt. Und da in der Welt von Harvest Moon anscheinend nie jemand Regenschirme erfunden hat und alle Menschen aus Zucker bestehen, liegt alles bei Regen brach, und somit fährt die Fähre nicht. Das kann schnell dazu führen, dass eine neue Jahreszeit anfängt und man plötzlich dumm da steht, da die Fähre partout nicht zum Kauf neuer Saat genommen werden kann. Zum Verkauf der Güter muss das Festland ebenfalls angerufen werden. Das wäre ja ganz nett, wenn nicht nach jeder Warenart aus jenem Menü rausgesprungen würde. Es ist einfach nervig, das Festland am Abend 8x anrufen zu müssen, wenn 8 verschiedene Warenarten verkauft werden sollen.

Grafisch und musikalisch hat sich nix geändert, zweifelhaft ist allerdings die Wahl der Herbst-BGM, die sich eher nach Winter anhört.

Fazit:
Harvest Moon GBC3 versucht mit den beiden verschiedenen Geschlechtern, auf die die bekannten Aufgaben verteilt sind, Abwechslung in den Farmalltag der Serie zu bringen. Dummerweise geschieht genau das Gegenteil, da per Geschlecht plötzlich nur noch die Hälfte der sonst üblichen Aktivitäten zur Verfügung stehen. Ganz vermurkst. Von den drei GBC-Teilen ist eben doch nur der zweite gut.

4 von 10 Punkten

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