Pokemon Soul Silver

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 12.09.09 (J), 14.03.10 (US), 26.03.10 (EU)

Wenn man bedenkt, dass bei Pokemon statt je eines gleich drei Spiele erscheinen, ist es geradezu erstaunlich, dass im Gegensatz zu anderen Serien vergleichsweise wenig geremaked wird. Kann natürlich auch daran liegen, dass sich die Editionen sowieso schon so ähnlich sind. Nach Blattgrün und Feuerrot, den GBA-Remakes der ursprünglichen Game-Boy-Versionen, traf es erst auf dem DS die GBC-Nachfolger Silber und Gold.

Kennst du ein Pokemon, kennst du alle Pokemon. Das hat sich zwischen Rot/Blau und Silber/Gold nicht geändert, und es gibt entsprechend wenig Unterschiede zwischen den neu-alten Soul Silver/Heart Gold und den neueren Vorgängern Diamant/Perle. Und eigentlich zu allen Hauptspielen. Kind zieht aus, die große Welt zu erkunden, alle Pokemon zu fangen und mit jenen andere Trainer platt zu machen, bis nach Top 4 und Champion geklärt ist, wer hier wirklich top ist.

Auf dem Weg dorthin geht es durch dunkle Höhlen, die mal Blitz benötigen, um sie zu erhellen, mal nicht; durch 8 thematisch unterschiedliche Arenen; Wälder voller Käfer; auf einen Luxusliner; per Surf selbst über Wasserwege zu entlegenen Inseln; per Fahrrad über nur so zu begehende Wege; auf der Spur von Mysterien zu legendären Pokemon und die lächerlich geringe Chance, dass solche auch mal in so einem verdammten Ball bleiben, statt ständig rauszuspringen… eben all die üblichen Stationen, die es in einem Pokemon-Spiel so gibt.

Kämpfe sind gewohnte rundenbasierte Schere-Papier-Stein-Angelegenheiten, bei denen diverse Typen besonders stark oder schwach gegen andere sind, was sich schon direkt im Pflanze>Wasser>Feuer>Pflanze Dreieck der auszuwählenden Starter wiedergespiegelt. Same old, same old sozusagen. Wer die Originalversionen allerdings bereits gespielt hat und im Gegensatz zu mir sich sogar noch richtig gut dran erinnern kann, wird einige Veränderungen in den moderneren Remakes entdecken können. Pokemon, die es vorher nicht gab, die aus späteren Editionen bekannten aber gewohnt raren Doppelkämpfe; das Hinzufügen einer Safari-Zone und Telefonnummern mit Trainern austauschen, was meist aber nur zu vielen nervigen Anrufen derer führt und nur selten einen Nutzen hat; um nur ein paar zu nennen.

Sprich: Wem Pokemon gefällt, dem gefällt auch Soul Silver. So sehr unterscheiden sich die Editionen nun mal einfach nicht. Wer das immer gleiche Prinzip leid geworden ist, den werden auch die Remakes sicherlich nicht vom Gegenteil überzeugen. Interessant für mich allerdings war, dass ich bei neueren Pokemon-Spielen wie Saphir oder Diamant doch zur Halbzeit hin erst mal die Lust ordentlich dran verloren habe. Die Remakes Blattgrün und Soul Silver konnte ich hingegen bis zum Ende des Hauptspieles komplett durch zocken, ohne längere Motivationspausen einzulegen. Vielleicht sind die älteren Editionen eben doch besser, vielleicht werde ich auch nur alt und sehe alles aus meiner Jugend ungerechtfertigterweise in besserem Licht, als sie es verdienen.

Apropos Hauptspiel, wie gewohnt gibt es nach Top 4 und Champion natürlich wieder ein Post Game. Leider hat man hier gegenüber den Originalen wenig Schnitzer ausgebügelt. Gewohnt geht es nach Kanto, der Region von Blau/Rot. Doch leider wirkt die Region wie in den Originalen immer noch etwas klein und Ereignislos, außer die alten 8 Arenaleiter zu besiegen und so die Ordenkollektion auf 16 zu erhöhen und dann den ultimativen Trainer zu besiegen gibt es nur wenig sonst zu sehen oder tun. Und die Leveldiskrepanz ist immer noch da, während die Trainer und Arenaleiter Pokemon auf Level 40/50+ haben, sich somit nahtlos an die letzten aus der neuen Welt einreihen, sind die wilden Pokemon so unterlevelt, dass es sich gar nicht lohnt, Zeit an sie zu verschwenden. Das ist etwas schade. Bei den GBC-Originalen kamen diese Beschränkungen sicherlich vom Platzmangel, der einfach keine voll ausgearbeitete zweite Region zugelassen hat, wäre schön gewesen, wenn die Remakes hier aus den Vollen schöpfen würden, doch so bleibt das Post Game etwas unausgewogen.

Grafisch reiht es sich an die Vorgängerversionen an, 3D-Umgebung mit Sprites für Charaktere und Pokemon. Das alles noch ohne Kamerafahrten und Zooms der späteren Weiß/Schwarz, sondern noch vergleichsweise statisch. Dafür gehen die Kämpfe, sofern die Attackanimationen ausgestellt werden, schön flott vonstatten, sind nicht so träge im Verlauf wie bei Diamant/Perl. Und das das jeweils an erster Stelle stehende Pokemon ganz wie Pikachu in Pokemon Gelb einem permanent folgt, ist auch sehr niedlich. Musikalisch ist’s gewohnt unbedeutend.

Fazit:
Auch Soul Silver ist nicht wesentlich schlechter oder besser, als der ganze Rest der Hauptserie, dafür unterscheiden sich die Einträge sowieso nicht genug voneinander. Wobei, mir als Spieler der ersten Stunde, machen die Remakes dann doch etwas mehr Laune, als die späteren Editionen. Das neueste Schwarz mal ausgenommen, das von Soul Silver auch nicht vom Thron gestoßen wird. Leider lässt weiterhin das Post Game etwas den Spaßfaktor des Hauptspieles missen, aber gut, gezwungen es zu machen wird man nun auch wieder nicht.

7 von 10 Punkten

Werbeanzeigen