Breath of Fire III

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 11.09.97 (J), 30.04.98 (US), 08.10.98 (EU)

Ein halbes Jahr nach dem Final Fantasy VII das moderne Rollenspiel definierte, feierte auch die Breath-of-Fire-Serie ihren Einstieg auf die Playstation und gab stattdessen lieber gewohnt klassische Kost zu essen. Im Gegensatz zu Vorgänger und Nachfolger sogar in Deutsch, wobei ob der Qualität der Texte die Spieler des PSP-Ports sich schon fast glücklich schätzen können, hier plötzlich wieder nur Englisch geboten zu bekommen.

Die Drachen sind ausgestorben, was die allgemeine Bevölkerung auch ganz gut so findet, sind sie doch angeblich für den Großen Krieg verantwortlich gewesen. Tote Drachen verwandeln sich in Krys-Erz, das abgebaut wird, um diverse nützliche Maschinen am Laufen zu halten. Während zwei Mienenarbeiter genau dies tun, stoßen sie auf einen noch lebensfähigen Drachenwelpen, der ihnen die Entdeckung mit dem feurigen Tod dankt. Endlich aus der Miene entkommen und sich in einen blauhaarigen Jungen verwandelt, wird Ryu von zwei anderen Waisen und Teilzeitdieben aufgenommen und sein Abenteuer ob der Wahrheitsfindung über die Macht der Drachenbrut und warum Gott jene verurteilte, kann beginnen.

Breath of Fire III ist gewollt oldschoolig. Dies macht sich auch in der Handlung bemerkbar, die nämlich bestechend träge voranschreitet. Es ist in seiner Gesamtheit eine nette Geschichte, bestimmt durch sympathische Charaktere und einige witzige Exkurse, damit es nicht zu überzogen düster wird. Doch sie kränkelt. Besonders in der erste Hälfte, in der Ryu als Kind geführt wird. Klar schafft es das Spiel dadurch gut, dem Spieler die lange Reise, die Ryu zur Wahrheit geht, näher zu bringen, wenn es tatsächlich lang dauert und schon in der Kindheit beginnt, doch leider lässt sich dabei nicht ändern, dass viele Geschehnisse der Kindheits-Hälfte der Handlung schlichtweg nicht sonderlich spannend sind. Der ganze Balio-und-Sunder-Part ist ein Graus und bietet einige meiner am wenigen gemochten Stationen im Spiel. In der Erwachsenen-Hälfte des Spieles wird das besser, wobei zu vermerken bleibt, dass Breath of Fire III dafür, dass es vorher so langsam ist, recht plötzlich und abrupt endet. Dem Spiel geht es nun Mal mehr um die Reise an sich, nicht das Ziel. Es ist eine charmante, Welt- und Jahre umspannende Geschichte, doch steht am Ende der 45-50 Stunden Spielzeit dennoch etwas das Gefühl, dies hätte alles ein wenig schneller gehen können. Nur weil Breath of Fire III gewollt träge ist, wird es dadurch nicht besser.

Im Spielerischen hat sich einiges geändert, und dann auch wieder nicht viel. Es geht gewohnt rundenbasiert durch die Kämpfe, neu ist allerdings, dass diese zwar zufällig sind, allerdings nicht in einem eigenen Bildschirm stattfinden, sondern gleich hier und jetzt in die aktuelle Umgebung gepflanzt werden. Die üblichen Aktionen sind vorhanden, zusätzlich noch die Möglichkeit, die Gegner zu beobachten und so eventuell einige ihrer nützliche Skills sich abzuschauen. Ryu kann erneut zum Drachen werden, wie im ersten Teil wieder dauerhaft, wobei die Form des Drachens stark variiert, davon abhängig, welche der vielen auffindbaren Gene genutzt und wie miteinander kombiniert werden. Definitiv das launigste Drachensystem der Serie. Doch Breath of Fire III ist weiterhin betont klassisch, Zufallskämpfe können von recht unterschiedlicher Schwierigkeit sein, Bosse teilweise Glücksabhängig welche fiese Attacken sie wie häufig machen und nachdem erledigt ist, was auch immer in einem Dungeon zu erledigen war, muss der ganze Weg raus auch noch überlebt werden. Immerhin ist die überhöhte Encounter Rate des Vorgängers Schnee von gestern, Zufallskämpfe in Breath of FIre III sind moderat häufig. Wobei es hier eine Besonderheit gibt: Rennt die Gruppe, werden Gegner eher auf sie aufmerksam, um die Rate also niedriger zu halten, empfiehlt es sich in Dungeons zu gehen statt zu rennen. Eigentlich eine nervige Entscheidung, weil dies den Eindruck der Trägheit des Spieles nur zusätzlich unterstreicht.

Das Schamanensystem von Breath of Fire II wird hier durch die Meister ersetzt. Dies sind besondere über die Welt verteilte NPCs, die nach Erfüllen einer spezifischen Aufgabe sich dazu bereit erklären, Charaktere als ihre Schüler anzunehmen. Auf diese Weise können jene dann neue Skills lernen und ihr Werteaufstieg bei Level ups ändert sich. Eine Meisterin der Magie wie Deis/Bleu beispielsweise lehrt nach wiederholtem Aufleveln die mächtigsten Zauber im Spiel und lässt Magiepunkte und Intelligenz des Charakters stark steigen, dafür leiden allerdings die Hitpunkte und Abwehr. Der physisch spezialisierte Holzfäller Bunyan hingegen genau umgekehrt. Ein interessantes System, was viel Raum fürs Experimentieren lässt. Leider etwas daran gehindert, dass zum Abholen der Skills und Aufnehmen/Aufgeben der Lehre der Meister direkt in der Welt besucht werden muss, was dahingehend ungünstig sein kann, weil das Spiel einem immer mal wieder die Bewegungsfreiheit Handlungsbedingt stark eingrenzt.

Auf der Weltkarte ist der Bewegungsfreiraum übrigens ebenso häufig etwas eingeschränkt, auf Wege oder kleinere Wiesen. Hier kann nun überall gecampt werden, um sich umsonst zu heilen. Gaststädten sind allerdings nicht ganz unnütz, denn wird ein Charakter totgeschlagen und ist dies zu Kampfende immer noch, wird er mit 1HP aber verringerte Maximal-HP-Zahl wiederbelebt. Erst eine anständige Übernachtung in einem richtigen Bett kann diesen Zustand beheben. Zudem sind die Zufallskämpfe auf der Weltkarte nun komplett umgehbar, auf der Reise wird immer wieder ein ! über Ryus Kopf erscheinen, was die Anwesenheit von Gegnern signalisiert. Doch erst ein Druck auf X bringt die Gruppe in das Kampfgebiet, es kann einfach weiter gelaufen und Gegner so komplett ignoriert werden. Angenehm.

Erneut Einzug gehalten haben auch die Spezialfähigkeiten der Charaktere, so kann Nina Krys-Energie erzeugen, Momo bröckelige Wände sprengen oder Rei Schlösser knacken, was diesmal im Vergleich zum Vorgänger aber alles nur sehr wenig zum Tragen kommt. Dennoch ist der Puzzel- und Minigame-Gehalt fürs Voranschreiten im Spiel hoch. So muss beispielsweise ein Schwächling trainiert werden, damit er um seine Geliebte kämpfen kann oder ein Bürgermeister eines Fischerdorfes durch die richtige Zubereitung von seinem Hass für Fischgerichte kuriert werden. In den Dungeons finden sich hingegen diverse Schalter-, Laufband- und Teleporterrätsel. Eines ist sogar von den Gezeiten abhängig. Für ein klassisches, rundenbasiertes RPG ist der Gehalt in Breath of Fire III definitiv hoch. Über die Arena oder die Wüste reden wir aber besser nicht, sondern verdrängen den Gedanken daran schnell aus der Erinnerung.

Was der ganzen Angelegenheit derweil die Show stiehlt, sind die beiden am stärksten ausgearbeiteten Sidequests: Städtebau und Angeln. So launig, wie in diesem Teil waren sie noch nicht und werden sie auch nie wieder sein. Und hilfreich noch obendrein. Eine gute ausgebaute Feenstadt kann beispielsweise einige der besten Accessoires im Spiel besorgen und besonders gute Gegenstände kopieren. Und in einem Spiel, wo es kaum MP-Heilgegenstände zu finden gibt und auch die besten zu kaufenden HP-Heilgegenstände fürs Endgame gar nicht so gut sind, ist es nicht unpraktisch, doch mal einen Fisch zu angeln, dessen Konsumierung die ganze Gruppe komplett kuriert.

Bliebe noch die technische Seite der Angelegenheit. Capcom gibt der Playstation ihr 3D-Zugeständniss, verzichtet aber nicht vollkommen auf die zweite Dimension. Die Umgebung ist in 3D und sieht für Konsolenverhältnisse ganz ok aus, Charaktere und Gegner sind 2D-Sprites und mal so was von gut und charmant durchanimiert. Die Musik hat überraschend jazzige statt üblich klassische Einschläge, ist häufig aber leider auch etwas arg unauffällig und zu lieb. Sprache gibt es bis auf ein paar Kampfschreie nicht, die aber herzallerliebt sind, gerade im Kindheits-Teil. Ach ja und besagte deutsche Übersetzung des Playstation-Originals ist mehr als dürftig.

Fazit:
Breath of Fire III war damals mein erstes RPG auf der Playstation und ich selbst viel jünger und unerfahrener. Damals habe ich es geliebt, mittlerweile zeigen sich dann allerdings schon die schlechter gealterten Stellen des Oldschool-RPGs sehr. Der Verlauf ist mir heutzutage einfach etwas zu träge, die erste Hälfte zu lang und auch das Gameplay manchmal unausgewogen. Gut finde ich es auch heute noch, man muss sich halt einfach die Zeit dafür nehmen wollen, doch eben jene Mankos verderben dem dritten Teil der Serie den Anspruch aufs Sehr Gut oder mehr.

7 von 10 Punkten

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