Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 15.02.07 (J), 10.02.08 (US), 07.11.08 (EU)

Level 5 kann zufrieden mit der Professor Layton IP sein, das Teil scheint zusammen mit Inazuma Eleven momentan deren profitabelste Reihe zu sein, in 5 Jahren hat es sie bereits auf 5 Spiele gebracht. Bis davon auch der erste Teil, Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf, bis nach Europa kam, dauerte es allerdings geraume Zeit. Doch letztendlich gaben die Verkaufszahlen dem Wagnis Recht, wollten das Spiel sogar mehr Europäer denn Japaner besitzen.

Doch was ist Professor Layton eigentlich? Ganz einfach: Eine Puzzelsammlung, wie es sie genau genommen reichlich auf Nintendos Casual friendly Konsolen gibt. Das ist nicht abwertend gemeint, man kann definitiv schlimmeres mit seiner Freizeit anfangen, als sich durch ein Denkspiel zu knobeln und damit die Hirnzellen etwas in Schwung zu bringen. Was Professor Layton allerdings von der Konkurrenz absetzt ist, dass die ganzen Rätsel auch mit einer Handlung und ordentlich Style hinterfüttert sind.

Der Titelgebende Professor Layton, seines Zeichens britischer Gentlemen und Rätselmeister, und dessen Schüler Luke, seines Zeichens Boy Toy und Protegé sozusagen Laytons Robin, sind auf dem Weg ins Dorf St. Mystere. St. Mystere ist ein mysteriöses Dorf, in der mysteriöse Mysterien auf ihre Lösung warten. Denn der Baron ist gestorben und sein Testament wird erst vollstreckt, wenn der Goldene Apfel gefunden wird, eine Suche, zu der auch Layton eingeladen ist, als Mysterien-Auflöser par Excellence. Doch das mysteriöse Dahinscheiden des Barons ist nicht das einzige Rätsel, das sich in St. Mystere unseren Geheimnisbekämpfern eröffnet, so ist mysteriöserweise auch die Tochter des Barons verschwunden, seine aktuelle Frau geheimnisvollerweise optisch mit dessen verstorbener ersten identisch, ganze Dorfbewohner verschwinden bei Nacht und Nebel plötzlich, nur um am nächsten Tag wieder ihren ganz normalen Alltag nachzugehen.

Es ist definitiv eine nette Idee, die ganzen Rätsel in einen narrativen Rahmen zu stecken. Leider macht der erste Professor Layton daraus nicht so viel, wie ich mir das häufig gern gewünscht hätte. Durch das Dorf zu streichen und mit den verschrobenen Charakteren zu plaudern ist unterhaltsam, allerdings hätte ich mir hier gern mehr gewünscht, die Welt hat Potential, die von Level 5 nicht ausgenutzt wird. Letztendlich ist Layton leider Rätsel-fokussierter, als dies schön gewesen wäre, ein bissarl mehr Schnörkel drum herum wären ganz nett gewesen. Was da ist, ist charmant, aber ein bisschen wenig und auch von der Erzählstruktur unausgewogen: Es dauert lange, bis was ins Rollen kommt, muss dann plötzlich sehr schnell gehen und letztendlich war viel früh schon zu erahnen. Manche Handlungsszenen sind echt toll, machen so Lust auf mehr, das dann leider nicht da ist. Auch sind die Rätsel nicht immer so gut eingebunden, wie dies wünschenswert gewesen wäre, hin und wieder kommt einem das Spiel schon sehr mit dem Vorschlaghammer.

Was die Rätsel an sich angeht, zeigt Layton hier viel Auswahl. Es wird viel Kreativität und Abwechslung geboten und auch der Umfang an sich ist groß: Im normalen Spielverlauf sind bis zum Ende der Credits 100 normale und weitere 20 versteckte Rätsel zu finden. Zusätzlich noch gut 30 weitere außerhalb der Handlung freischaltbar, in dem diverse Sammlungen vervollständigt oder andere Voraussetzungen erfüllt werden. Zum Tüfteln und Knobeln ist also reichlich da. Die gestellten Aufgaben variieren selbstverständlich reichlich, was ihren Schwierigkeitsgrad angeht, manche Dinge sind sehr einfach, einige enorm schwer und an wieder anderen sitzt man ewig, nur um beim Lösen zu merken, wie simpel es doch war… und sich reichlich doof vorzukommen. Frust wird hier weitestgehend vermieden, denn durch das Auffinden diverser Hinweismünzen, von denen es reichlich im Spiel gibt, auch wenn dafür leider jede Szenerie überall nach ihnen abgeklickt werden muss, können bis zu drei Hinweise per Rätsel erworben werden. Und niemand hindert den Spieler letztendlich daran, ein Rätsel hundert Mal zu beantworten, bis die Lösung endlich richtig ist, lediglich werden die erworbenen Punkte heruntergesetzt. In der Haupthandlung verpasste Rätsel tauchen übrigens an einer bestimmten Sammelstelle im Spiel auf, was verpasst werden kann also nicht.

Lediglich etwas seltsam war, dass der stark schwankende Schwierigkeitsgrad sich konstant durch das Spiel zieht. Was ich damit meine ist, dass es keine relativ gleichmäßige Steigerung von leicht zu schwer gibt, je weiter es ins Spiel geht, schon sehr früh können einige ordentliche Kopfnüsse dabei sein und bis zum Ende Rätsel auftauchen, deren Auflösung beim ersten Blick zu erkennen ist. Auch wäre es schön gewesen, wenn auf dem Touchscreen immer Notizen gemacht werden dürften, um die Knobelei zu erleichtern. Einige Puzzel lassen das zu, bei anderen geht es dann wiederum leider nicht.

Die Production Values sind definitiv um Meilen weiter, als bei einer durchschnittlichen Rätselsammlung auf dem DS. Die ganze an frankobelgische Comics erinnernde Optik lässt Charme aus jeder Pore der Spielwelt tropfen, die Musik und die britische Sprachausgabe passen stilistisch dazu wie die Faust aufs Auge, genau wie die rar gesäten Animesequenzen. Hier passt alles super zusammen, ist toll aufeinander abgestimmt.

Fazit:
1.5 Millionen verkaufte Exemplare in Europa allein. Der Erfolg gibt Professor Layton Recht, doch ich muss sagen, dass ich insgesamt etwas mehr erwartet hätte. Als Rätselbox mit Charme und eigener Identität ist es toll und ich mochte meine Zeit gerne mit Layton und Luke verbringen. Doch das Drumherum, das worin die Knobelei eingebettet ist und was die Serie von anderen 0815-Produkten unterscheidet, davon war leider etwas wenig Fleisch am Knochen, davon hätte ich gern etwas mehr gehabt. Mehr Persönlichkeit durchscheinen lassen, bitte. Fand ich das Spiel gut? Ja. Habe ich mich verliebt? Nein. Muss ich die Nachfolger haben? Wahrscheinlich nicht, vielleicht doch.

7 von 10 Punkten

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