The Legend of Heroes: Trails in the Sky

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 28.09.06 (J), 28.03.11 (US)

Neben Ys hat Falcom noch eine weitere in Japan seit Ewigkeiten sehr erfolgreich laufende, und weitläufig gewordene Serie: The Legend of Heroes. Im Westen war jene weniger erfolgreich, obwohl fast alle Teile dort erschienen. Der erste Teil, noch ein Spinoff der Dragon-Slayer-Serie, kam beispielsweise nur auf dem PC-Engine über den Ozean, und das hatte nun mal fast keiner. Die Trilogie bildenden Teile Drei bis Fünf erst in ihren PSP-Remakes und von Bandai so Babelfish übersetzt, dass sie universell extreme Kritik einstecken mussten. Nun versucht sich also XSEED an der Serie, mit der neuen Trails in the Sky Trilogie.

Die beiden 16-jährigen Geschwister Estelle und Joshua, wobei Joshua nur adoptiert ist, legen gerade ihre Abschlussprüfung als Bracer ab. Erfolgreich. Die Bracer Gilde hat Niederlassungen in allen Regionen des Königreiches und wie für solche Gilden in jRPGs üblich, nehmen sie jegliches ihnen aufgetragenes Anliegen an, vom Töten eines besonders gefährlichen Monsters, bis hin zu niederen Botengängen. Doch vollwertige Bracer sind Estelle und Joshua damit noch nicht, dafür müssten sie den verschiedenen Gildenniederlassungen hilfreich unter die Arme greifen. Als dann der ebenfalls als Bracer arbeitende Vater der beiden auf einer Mission spurlos verschwindet, hat sich die ideale Gelegenheit gefunden, das Königreich auf der Suche nach ihm zu bereisen und gleichzeitig der Gilde bei ihrer Arbeit zu helfen.

Ein Blumentopf für Innovation wird Trails in the Sky nicht gewinnen, weder im Gameplay, noch was die Handlung und Charakterisierung angeht. Das ist aber auch nicht immer nötig, immerhin wurden Klischees zu eben solchen, weil sie häufig genutzt wurden, da sie gut funktionieren. Es muss nicht das Rad als dreieckiges Modell neu erfunden werden, nur weil sich alle Welt an runden satt gesehen hat. Allerdings ist genau dies die Klippe, die umschifft werden muss, wenn so stark auf Altbewährtes gesetzt wird: Die Langeweile, der so ausgelatschten Pfade.

Und dies schafft das Spiel recht gut, die beiden coming of age Gutmenschen, die immer freundlich sind und immer allen helfen, auf ihrer Abenteuerreise zu begleiten, ist launig, da Joshua und besonders Hitzkopf Estelle einfach sympathisch sind. Einen Großteil dessen hat Trails in the Sky der Tatsache zu verdanken, dass es im Vergleich zu einem drögen Golden Sun gut geschrieben ist. Bitter nötig ist dies zudem, da auch hier der Textanteil enorm ist, häufig wird man mehr lesen denn eigentlich spielen. Und eine weitere Parallele zur besagten anderen RPG-Serie: Viel davon gebiert nicht gerade größere Wichtigkeit. Eigentlich erinnert es mich ein wenig an RPGs Mitte der 90er, in Richtung Lunar und Grandia: Estelle und Joshua ziehen aus, um spaßige Abenteuer zu erleben. Wenn sich letztendlich heraus stellt, dass es da auch noch einen finsteren Plan eines Bösewichts gibt, der durchkreuzt gehört, ja dann helfen sie da auch gern aus, aber eine größere, gewichtige Handlung steht bisher noch nicht im Vordergrund. Erst auf das letzte von vier Kapiteln werden erste Weichen für einen relevanten Handlungsstrang gelegt, der dann im Nachfolger fortgeführt wird.

Eigentlich habe ich bei so was immer einen leicht faden Beigeschmack: Warum muss ich mir denn mehrere Spiele kaufen, um die ganze Handlung zu erfahren, wenn im ersten Teil dann nichts passiert? Doch was sich bei einem Golden Sun oder .hack// einstellt, wollte so bei Digital Devil Saga und nun Trails in the Sky nicht auffallen, einfach weil die Zeit, die ich mit dem Erstling verbrachte, eine solch unterhaltsame war. Zudem profitiert die Angelegenheit ähnlich Breath of Fire III davon, wenn zunächst viel irrelevante Reisezeit mit den Charakteren verbracht wird: Wenn nämlich dann gegen Ende die nicht mehr ganz so rosigen Dinge passieren, zieht das gleich viel mehr, weil sie einem ans Herz gewachsen sind.

Nur weil das Spiel so Leseintensiv ist, bedeutet allerdings nicht, dass auf Gameplay komplett verzichtet wurde. Hier merkt man Trails in the Sky an, das es mit 2004 doch etwas neueren Datums ist, denn es stellt sich ein Potpourri aus guten Mechaniken zusammen.

Zunächst einmal sind die Monster sichtbar, was immer nett ist, da so entschieden werden kann, welche Kämpfe lohnenswert erscheinen und welche nicht. Feindkontakt, bevor jener der Gruppe gewahr wird, initiiert sogar den Erstschlag, andersrum geht es natürlich auch. Gekämpft wird dann in einem eigenen Bildschirm und rundenbasiert, allerdings nimmt der Abstand zwischen Charakter und Gegner und deren Bewegungsradius eine wichtige Rolle ein. Ähnlich einen SRPG wird per Schachbrett angezeigt, wer sich wie weit bewegen kann, soll Estelle also einer Monsterspinne ihren Stab zwischen die sechs Augen hauen, muss die auch in Reichweite stehen. Noch wichtiger wird das bei Gruppenmagie, da diese natürlich nicht auf eine Anzahl an Zielen gerichtet ist, sondern einen Radius. Zusätzlich dauert es noch zwischen Auswahl der Magie und Aktivierung. Es muss also noch mit berechnet werden, ob die Gegner nicht vielleicht agieren dürfen, während Joshua noch in seiner Zauberbeschwörung ist, und eventuell ganz woanders hin gewandert sind, wenn sich plötzlich an gewisser, nun leerer, Stelle die Erde auftut. Hilfreich ist hier, dass jederzeit einige Runden im Voraus ersichtlich ist, wer wann dran kommt.

Strategisch genug sind die Kämpfe also geraten. Sollte die Gruppe dennoch unterliegen, ist dies kein großes Drama, denn über die Anwahl von Retry kann der Kampf so oft erneut gestartet werden, bis mit besserer Taktik doch der Sieg auf Bracer-Seite ist, was zusätzlich dadurch erleichtert wird, dass Trails in the Sky die Schwierigkeit der aktuellen Auseinandersetzung tatsächlich mit jedem Neustart runter revidiert. Das Spiel geht nun mal auf Nummer sicher, dass jederzeit ein weitestgehend angenehmes Vorankommen möglich ist, sich nicht an irgendwelchen plötzlichen Frustmauern die Zähne ausgebissen werden. Wie gut die Gruppe Level-mäßig steht wird entsprechend auch jederzeit darin visualisiert, dass irgendwann die Gegner einfach kaum noch EXP abwerfen.

Ganz aussuchen darf man sich die in der Gruppe befindlichen Charaktere fast nie, da Estelle und Joshua in jedem neuen Gebiet auf neue Freunde in Spe treffen und die vorigen in ihrer Heimatregion zurück lassen. Dafür sind sie dann aber auch selbst formbar, da jeder Charakter ein Brett hat, auf das die unabhängig zu erhaltenden Fähigkeiten gelegt werden können, in der richtigen Kombination miteinander sogar neue stärkere Arten freischalten. Nimmt das Spiel einem also den Feuermagier weg, können die entsprechenden Sachen einfach dem neuen Charakter aufgebürdet werden.

Für reichliche Nebenmissionen ist selbstredend auch gesorgt. Wobei sich Komplettionisten ihr OCD am besten direkt aufgeben, oder zu einem FAQ greifen. Denn nur weil es ein Gildensystem mit schwarzem Brett gibt, bedeutet nicht, dass Trails in the Sky nicht viele Dinge gern gut versteckt. Geheime Missionen tauchen gar nicht auf dem schwarzen Brett auf, sondern initiieren, in dem zum genau richtigen Zeitpunkt die genau richtige Lokalität abseits der eigentlichen Handlung betreten wird. Und einige Nebenaufgaben haben enorm kurze Zeitfenster. Straße runter gehen, kurze Szene sehen und sie sind auf dem schwarzen Brett. Statt zur Gilde gegangen die Straße etwas weiter runter und eine weiter kleine, irrelevante Szene gesehen, und schon sind sie nicht mehr annehmbar.

Was die Technik angeht, bekleckert sich das sechste The Legend of Heroes sicherlich nicht mit Ruhm, kommt passend oldschool rüber. Grafisch wäre dies auch fast auf der Playstation möglich gewesen. Unschärfer und mit mehr Schieflage/Pixelung. Dafür läuft’s schön flüssig und hat nur marginale Ladezeiten. Was die Musik angeht, werden passende Melodien geboten, im Gegensatz zu Falcoms rockingen Ys-OSTs sind allerdings abgesehen einiger Ausnahmen nicht ganz so eingängige Ohrwürmer dabei.

Fazit:
Immer das gleiche Essen kann schon fade werden, doch The Legend of Heroes: Trails in the Sky beweist formidabel, dass auch bekannte Kost, wenn richtig zubereitet, sehr deliziös sein kann. Ein charmantes Abenteuer mit einem Strauß an guten Gameplaymechanismen hat uns Falcom hier zusammen gestrickt. Lust auf mehr im Second Chapter ist garantiert.

8 von 10 Punkten

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