Ys Seven

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 17.09.09 (J), 16.08.10 (US), 29.12.10 (EU)

Die PSP war gut zu Falcom, haben sich die diversen Ports ihrer Spiele darauf doch annehmbar verkauft. Das führte sogar dazu, dass sie mit Ys Seven ihrer üblichen PC-Entwicklung absagten und direkt exklusiv für Sonys Handheld entwickelten.

Adol (the Red) und sein Lebensgefährte Dogi (the Wall Crusher) sind mal wieder unterwegs auf der Suche nach neuen Abenteuern. Und wie immer dauert es nicht lang, bis ein solches gefunden wird. In Arthago kaum an Land gegangen, beauftragt der König unverzüglich Adol damit, einen Tempel aufzusuchen, in dem ihn eine Stimme anquatscht, dass er der Auserwählte ist, um das Land vor seinem Untergang zu retten. Klare Sache, Adol hat darin bereits genug Routine.

Wie so häufig bei Ys ist die Geschichte nicht wirklich der Grund, warum man den siebten Teil spielen wird, sondern nur die Grundlage für das spaßige Gameplay. Allerdings gibt es hier tatsächlich ein moderates Aufkommen an Text, wesentlich mehr, als dies in der Serie üblich ist. Rüber gebracht wird dann jedoch dennoch nur ein relativ unspektakulärer Plot. Da ist’s ganz gut, dass es nicht gleich ganze Enzyklopädien wie in einem Trails in the Sky zu lesen gibt, sondern trotz mehr Text dieser nie allzu lange Unterbrechungen ausmacht.

Wer hiervor Ys VI: The Ark of Napishtim und The Oath in Felghana spielte, muss sich erst mal auf ein paar Änderungen einstellen. Ein Action-RPG ist Ys Seven noch immer, doch das abgeänderte Gameplay hinterfüttert den Minimalismus etwas und lässt Seven stärker in Richtung RPG- denn Action-Adventure-Seite des Spektrums lehnen.

So ist dies das erste Ys, in dem nicht nur ein Charakter das Abenteuer durchstehen muss, sondern Adol gleich bis zu zwei weitere Recken zur Seite stehen. Die werden von der brauchbaren KI übernommen, der Spieler darf allerdings ständig hin und her schalten, um nach Belieben einen im Trio zu steuern. Dies hat auch eine gewisse taktische Auswirkung, denn Gegner haben nun verschiedene Schwächen und Stärken gegenüber den drei verschiedenen Waffenarten Slash, Blunt und Pierce. Gepanzerten Monstern wird am besten selbst eigene Stärke entgegen gesetzt, fleischliche Gegner gewohnt mit einem Schwert zerschnetzelt, fliegende Nervtöter hingegen mit spitzen Pfeilen befeuert. Dadurch lohnt es sich natürlich, die Gruppenmitglieder auf die jeweilige Situation anzupassen und jene zu wählen, die am meisten Hilfe bieten. Adol als nicht austauschbarer Charakter kann natürlich alle 3 Arten ausrüsten.

Gesprungen werden kann nicht mehr, um ein wenig Forschergeist zu befriedigen gibt es dafür in jedem Dungeon einen Gegenstand, der neue Passagen in ihnen eröffnet. Trotzdem ist ihr Durchschreiten weitestgehend geradlinig, große Teile der sowieso wie üblich nicht großen Welt können per Warp nach erstmaligen Erreichen der Lokalitäten übersprungen werden. Allzu viel unnötiges Fett will sich Ys Seven also dennoch nicht leisten. Statt kniffliger Sprungpassagen gibt es hier eben ein größeres Augenmerk auf die Kämpfe, in denen nun auch gekonterblockt und gedasht werden kann. Dennoch sind sie glücklicherweise nicht in die Läng gezogen, sondern recht schnell rum, selbst viele Bosskämpfe dauern nicht allzu lang.

Anstatt Ausrüstung und Fähigkeiten an ein oder zwei Händen abzählen zu können, hat Ys Seven ein recht großes Arsenal zu bieten. Die aneinander gekoppelt sind. Spielern von Final Fantasy IX oder Tactics Advance mag dies bekannt vorkommen, jede Waffe hat eine Fähigkeit, die nur so lange nutzbar ist, wie die Waffe auch ausgerüstet wird. Doch reichlicher Einsatz führt dankenswerterweise auch dazu, dass nach Meisterung die Fähigkeit auf den Charakter übergeht und so endlich eine bessere Waffe ausgerüstet werden kann. Die SP zur Fähigkeitennutzung regenerieren sich übrigens über Gegnerverhau, was dazu führt, dass mit ihnen nicht wirklich gespart werden muss und so eigentlich alles nötige im normalen Spielverlauf nebenbei erlernt werden kann.

Sogar eigene Rüstung geschmiedet werden darf, vorausgesetzt die richtigen Materialen sind beim Monsterschnetzeln abgefallen und von den Erntepunkte gezogen. Teilweise auch wichtig für die diversen Nebenmissionen, die von „Hol mir X von Y“ zu Nebenbossen und Postersatz spielen reichen. Wie üblich also, nur eben unüblich für ein Ys, so viel nebenbei zu bieten, statt eine geradlinige, streng fokussierte Quest.

Ys Seven ist der erste Teil, der komplett in 3D ist (PS2-Port von VI mal ausgenommen) und ein für PSP-Verhältnisse zwar nicht phänomenale doch gute Leistung erbringt und immerhin trotz der schnellen Action fast nie mit der Geschwindigkeit in die Knie geht. Der weitestgehend rockige Soundtrack ist sowieso so gut wie immer und eine schöne Abwechslung gegenüber der sonstigen Kost, die viele Fantasy-RPGs uns auftischen.

Fazit:
Ich war zuerst unsicher, ob mir Ys Seven gefallen wird. Denn ich mag meine Ys als minimalistische, klar fokussierte, knackig kurze Kost. Seven hat da etwas mehr Fleisch am Knochen, mit stärker ausgearbeitetem Kampf- und Fähigkeitensystem, Nebenaufgaben und Itemsammeln. Das macht es mit über 20 Stunden zum längsten Teil der Serie, aber zu keinem minder guten. Denn all die Ausschmückungen machen Ys Seven nur gehaltvoller, nicht träger und langatmiger. Ich hatte zumindest wieder eine gute Zeit mit dem neuesten Serienableger.

8 von 10 Punkten

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