Breath of Fire IV

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 27.04.00 (J), 28.11.00 (US), 03.08.01 (EU)

Nach dem Erscheinen der nächsten Konsolengeneration tröpfeln sich die Releases der vorigen so langsam aus, ein wenig nach dem Aufschlagen der PS2 wurden uns für deren Vorgänger allerdings noch zwei RPG-Perlen beschert, beide überraschend oldschoolig: Zum einen Squares neuntes Final Fantasy, als auch Capcoms vierter Vertreter in der Drachensaga.

Prinzessin Nina und Cray, Oberhaupt des Katzenkriegerklans, sind auf dem Weg durch die Wüste, um die verschwundene ältere Schwester Ninas zu finden. Dummerweise wird ihr Sandflieger vom Sanddrachen zur Bruchlandung verleitet. Nina macht sich auf die Suche nach Ersatzteilen und trifft stattdessen an einer weiteren Unfallstelle auf einen nackten, blauhaarigen Jungen. Sobald jener seine Scham bedeckt hat, stellt sich heraus, dass er Ryu ist und keine Ahnung hat, wo er hin soll. Also nimmt die gute Nina ihn einfach unter ihre Fittiche. Währenddessen erwacht auf der anderen Seite der Welt der Gottkaiser Fou-Lou aus seinem Schlaf und macht sich auf dem Weg, das von ihm gegründete Imperium wieder unter seine Aufsicht zu stellen.

Was entbrennt ist eine interessante Handlung, deren Fokus natürlich mal wieder auf den Drachen liegt, und wie sie die Welt verändern. Diesmal aus zwei Blickwinkeln, während der Großteil der Geschichte natürlich Ryu und Truppe folgt, gibt es zwischendurch immer wieder spielbare Parts mit Fou-Lou. Im Prinzip den Laguna-Sequenzen aus FFVIII ähnlich, wenn es das gleiche für Sephiroth in FFVII schon gegeben hätte.

Meiner Meinung nach ist Breath of Fire IV der Teil mit der bisher besten Handlung, die am interessantesten präsentiert ist. Das Pacing ist immer noch etwas holprig, die zweite Hälfte von Act II ist beispielsweise Randvoll mit Handlungserläuterung, während dann in Act III plötzlich wieder kaum etwas geschieht, doch insgesamt ist sie besser verteilt als in den beiden Vorgängern, bei denen viel erst aufs Finale los ging. Zumal sich die ganze Sache nicht so träge spielt wie Teil III, sondern viel kurzweiliger daher kommt. Dafür sind im Gegenzug die Charakter nicht so universell interessant. Der in dritter Person von sich sprechende Steampunkt-Mecha Ershin ist toll und Soldatin Ursula sowie Samurai-Hund Scias recht cool, die Segmente mit Fou-Lou eine tolle Sache, doch gerade das Trio Ryu, Nina und Cray etwas langweilig. Die hätten etwas mehr Persönlichkeit abbekommen können.

Vom Gameplay her hat sich Serien-üblich mal wieder nicht viel geändert, Breath of Fire IV spielt sich weitestgehend wie Teil III, nur mit mehr Feinschliff. Die Oberwelt ist mittlerweile komplett abgeschafft (schon im Vorgänger gab es auf ihr fast nur eingezeichnete Wege zu gehen) und so gibt es erneut keine Zufallsbegegnungen auf ihr, die das Reisen zwischen den Städten unnötig verlangsamen würden. Hin und wieder taucht ein ? über dem Kopf des Charakters auf, falls wirklich einer initiiert werden soll, mehr nicht. In den Dungeons wiederum geht es gewohnt zufallsgeneriert zur Sache, diesmal wieder in einem eigenen Bildschirm, statt direkt in die Umgebung gepflanzt. Dadurch kann der Aufbau der Welt wesentlich verschachtelter und interessanter gemacht werden, als im Vorgänger mit seinen vielen breiten Gängen, was allerdings leider verbunden mit der nur bedingt drehbaren Kamera auch auf die Übersicht gehen kann.

Besagte, rundenbasierte Kämpfe haben die üblichen Optionen zu bieten, wobei erneut Gegnerfähigkeiten erlernt werden können. Hier werden sie sogar andersfarbig dargestellt, um es einfacher zu machen, welche das überhaupt sind. Neu ist allerdings das Combo-System: Werden Fähigkeiten ähnlicher Kategorie (Physisch, Magisch, Unterstützung) hintereinander geworfen, werden sie stärker. Die richtigen Angriffszauber aneinander gereiht ergeben sogar neue Superzauber. Wenn der Gegner dazwischen schlagen kann, passiert das natürlich nicht, allerdings hat die Aufstellung in BoF4 eine Auswirkung auf die Geschwindigkeit, um diese Kombos zu vereinfachen: Charakter 2 wird immer nach Charakter 1 dran kommen und Charakter 3 immer nach Charakter 2, egal ob sie eigentlich schneller sind, als der vor ihnen. Wäre Nina mit ihrem Feuerzauber also vor den Gegnern, Ryu mit Wind erst danach dran, dreht man die Reihenfolge einfach um, so dass die beiden zur Feuerwind-Kombination werden können.

Die Dungeons sind diesmal übrigens wesentlich kürzer, als die teilweise doch etwas ermüdenden Vertreter im Vorgänger, obwohl erneut häufig der Weg hinaus wieder zu Fuß zurückgelegt werden muss. Streckenweise gibt es sogar länger keine Bossgegner. Das macht sie angenehmer und erneut sind sie mit einigen Puzzeln gewürzt. Aufzüge fahren, riesige Schlangen als Brücke nutzen, Baumstämme den Fluss runter rollen, Kisten verschieben, fast überall gibt es etwas zu tun, was das reine Durchlaufen aufpeppt. Die besonderen Feldfähigkeiten der Charaktere bleiben jedoch häufig ungenutzt, Cray mal was verschieben oder Ershin was rammen zu lassen ausgenommen. Auch hier nett: Kampf- und Feldgruppenaufstellung sind unabhängig voneinander. Wer Cray nicht als totes Gewicht im Kampfteam haben will, ihn aber zum Verschieben im Dungeon braucht, muss sich also nicht mit ihm mehr rumschlagen. Wobei in Breath of Fire IV sowieso alle 6 Charaktere im Kampf verfügbar sind. Zwar nur 3 im aktiven Team und die anderen 3 auf der Ersatzbank, doch kann dadurch jederzeit nach Belieben zwischen ihnen gewechselt werden.

Das Sahnestück der Reihe, Ryus Drachenverwandlungen, sind diesmal ein Mix aus den vorigen Versionen. Er selbst kann sich verwandeln, später über Gene auch in unterschiedliche Formen. Das sind allerdings nur ein paar Standardvarianten, Genkombination wie in III ist nicht mehr mit dabei. Zusätzlich werden über den Spielverlauf allerdings auch andere Drachen angetroffen, die Ryu ihre Macht in Form von Summons leihen. Mit abbrechbarer Animation, glücklicherweise.

Auch die Meister aus Teil III sind wieder mit dabei, besondere NPCs, die nach erfolgreich bestandener Aufnahmebedingung Charaktere unter ihre Fittiche nehmen und gewisse Stats boosten oder auch behindern. Zauberer also eher magische Kraft beim Level up unterstützen und physische Macht verkümmern lassen und umgekehrt. So hat der Spieler wieder einen gewissen Einfluss darauf, wie sich die Charaktere entwickeln sollen. Fähigkeiten lehren Meister auch, diesmal ist das aber nicht an Level ups unter ihnen gebunden, sondern gewisse andere Dinge im Spiel. Beispielsweise viele Angelpunkte bekommen, hohen Schaden austeilen, lange Kombos machen oder auch nur die Spielzeit. Gut daran ist, dass so nicht mehr unter einem Meister mit Statusverlusten zu leveln ist, die man eigentlich gar nicht haben will, aber fürs Lernen der Fähigkeiten ertragen muss.

Minigames gibt es ebenfalls wieder reichlich, dabei sind erneut die größten das Angeln und der Aufbau des Feendorfes. Kann beides mal wieder reichlich gute Belohnungen mit sich bringen, ist allerdings leider nicht mehr so spaßig wie im Vorgänger, da beides etwas arg unnötig verkompliziert wurde. Selbst die Jagd ist zurück, nur nicht mehr so einfach auszulösen.

Als ein Spiel so spät im Leben der PlayStation, gibt es optisch kaum etwas auszusetzen. Der Stil ist der gleiche wie im Vorgänger: 3D-Umgebung mit 2D-Sprites für Charaktere und Gegner (abgesehen von Bossen). Natürlich ist die Umgebung etwas pixelig, besser geht auf der Konsole einfach nicht, dafür sind die Sprites mit die am besten durchanimierten Exemplare, die man außerhalb von 2D-Fightern zu sehen bekommen wird. Die Musik hat ein paar sehr schöne Tracks geliefert, viel ist allerdings erneut „nur“ passend.

Fazit:
Breath of Fire IV war immer mein Lieblingsteil der Reihe und jetzt alle klassischen Einträge noch einmal direkt hintereinander gespielt, kann ich das unbesorgt so unterschrieben lassen. Er ist der Teil mit der besten Handlung, dem wenigsten zähen Fluss und dem angenehmsten Gameplay. Der Teil, der fast alles richtig macht und am besten galtert ist. Daumen hoch für Breaht of Fire IV.

8 von 10 Punkten

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